25/08/2013
Die Supermarktlandschaft ist ständig in Bewegung. Eine der jüngsten und bedeutendsten Veränderungen betrifft die bekannten NP-Märkte, die vielen Menschen in Norddeutschland ein Begriff sind. Nach über 40 Jahren Präsenz im Einzelhandel steht die Marke NP vor dem Aus. Die Edeka Minden-Hannover, die regionale Gesellschaft hinter NP, hat beschlossen, diese Vertriebslinie bis zum Jahr 2026 komplett aufzugeben. Doch was steckt hinter dieser Entscheidung, und wie sieht die Zukunft für die bisherigen NP-Standorte aus?
Im Kern dieser strategischen Neuausrichtung steht der Wunsch von Edeka, seine Marktposition zu stärken und die verschiedenen Vertriebsformate klarer zu positionieren. Während Edeka bundesweit mit Netto Marken-Discount einen starken und expandierenden Discounter betreibt, waren regionale Discountmarken wie NP zunehmend in den Fokus geraten. Die Entscheidung, NP einzustellen, markiert das Ende eines eigenständigen Discount-orientierten Vertriebsformats innerhalb der Edeka Minden-Hannover.

Warum die Marke NP verschwindet
Die Bezeichnung NP stand ursprünglich für Niedrig Preis, was das Konzept der Märkte – hochwertige Lebensmittel zu Discountpreisen – klar umriss. Seit 1973, als der erste NP-Markt in Osnabrück eröffnete, etablierte sich die Kette mit rund 330 bis 400 Filialen und etwa 6.000 Mitarbeitern als wichtiger Nahversorger, insbesondere in kleineren Städten und ländlichen Gebieten im Verbreitungsgebiet der Edeka Minden-Hannover (Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg, Bremen und Teile Nordrhein-Westfalens).
Trotz des Discountansatzes boten NP-Märkte mit 5.000 bis 10.000 Artikeln auf durchschnittlich 600 bis 1.000 Quadratmetern Verkaufsfläche eine größere Vielfalt als klassische Discounter. Sie verfügten über ansprechende Frischebereiche für Obst, Gemüse, Fleisch und Molkereiprodukte in Selbstbedienung und führten neben Eigenmarken wie Gut & Günstig auch viele Markenartikel, Bio-Produkte und regionale Artikel. Diese Mischung aus Discountpreisen und erweiterter Vielfalt war lange Zeit das Alleinstellungsmerkmal von NP.
Der Hauptgrund für die nun beschlossene Einstellung der Marke liegt jedoch in den Erfahrungen, die Edeka mit der Umstellung einiger NP-Märkte auf das Edeka-Format gemacht hat. Pilotprojekte, bei denen NP-Filialen zu kleinflächigen Edeka-Läden umgebaut und die Sortimente erweitert wurden, zeigten deutliche Erfolge. Es wurden zweistellige Umsatzsteigerungen erzielt. Dieser Erfolg hat die strategische Entscheidung maßgeblich beeinflusst: Wenn eine Umstellung auf ein stärker an Edeka angelehntes Konzept zu signifikantem Wachstum führt, dann hat ein separates Discountformat mit begrenzterem Sortiment perspektivisch weniger Zukunft.
Edeka-Vertriebsgeschäftsführer Bernhard Berger bestätigte, dass man sich mit diesem Schritt von einem eigenständigen Discount-orientierten Vertriebsformat verabschiede, auch wenn Discount-Elemente wie die Preiseinstiegsmarke Gut & Günstig weiterhin eine Rolle spielen würden. Das Ziel ist, durch die Umstellung eine größere Akzeptanz bei den Kunden zu erreichen und spürbare Umsatzzuwächse zu generieren.
Die Zukunft: Nah&Gut und Edeka
Die Umwandlung der NP-Märkte erfolgt nicht nach einem einheitlichen Schema, sondern differenziert je nach Standort und Größe der Filiale. Die Edeka Minden-Hannover hat ein spezifisches Kleinflächenkonzept ausgearbeitet, um die bisherigen NP-Standorte zu stärken und langfristig als attraktive Nahversorger zu sichern. Dieses Konzept sieht vor, die Märkte mit modernen Ladenbau-Elementen auszustatten und die Sortimente deutlich zu erweitern, um die Edeka-Vielfalt widerzuspiegeln.
Etwa zwei Drittel der heutigen NP-Märkte werden in nah & gut-Märkte umgewandelt. Das nah & gut-Konzept ist speziell auf kleinere Verkaufsflächen und die Anforderungen der Nahversorgung zugeschnitten. Diese Märkte sollen zuverlässige und attraktive Anlaufstellen für den täglichen Einkauf sein, mit einem auf die lokale Nachfrage abgestimmten Sortiment, das Frische, Grundnahrungsmittel und eine Auswahl an Marken- und Eigenprodukten umfasst.
Das verbleibende Drittel der NP-Märkte wird zukünftig unter der Hauptmarke Edeka firmieren. Diese Märkte werden ebenfalls als kleinflächige Edeka-Läden positioniert, die sich in das bestehende Edeka-Netz integrieren. Je nach Standort, insbesondere in Stadtrandlagen oder ländlichen Gebieten, können diese Edeka-Märkte mit sogenannten „Teilbedienungen“ ausgestattet werden, beispielsweise für Wurst und Käse, aber nicht unbedingt für Frischfleisch. In Innenstadtlagen müssen die kleinflächigen Edeka-Märkte oft ohne Bedientheke auskommen. Ziel ist es auch hier, das Sortiment zu erweitern und das Einkaufserlebnis an das gewohnte Edeka-Niveau anzupassen, wenn auch auf kleinerer Fläche.
Die Umstellung der Filialen ist bereits in vollem Gange. Bis 2026 soll der Prozess abgeschlossen sein. Beispiele wie die Umwandlung des NP-Marktes in Plattenburg zu einer nah & gut-Filiale zeigen, dass die Neugestaltung bereits sichtbar wird.
Die Rolle von Konsum Leipzig
Interessanterweise ist auch die Genossenschaft Konsum Leipzig Teil dieser Umstellung. Im Rahmen einer Kooperation mit Edeka Minden-Hannover plant Konsum Leipzig, ab diesem Jahr und in den nächsten fünf bis sechs Jahren ungefähr zehn bisherige NP-Märkte im südlichen Sachsen-Anhalt zu übernehmen und diese ebenfalls unter der Marke Edeka zu betreiben. Dies unterstreicht die strategische Bedeutung der Umwandlung und die Einbindung verschiedener Partner in das Edeka-Netzwerk.
Ein Blick in die Vergangenheit und den Kontext
Die Einstellung von NP ist kein Einzelfall im Edeka-Verbund. Auch andere regionale Edeka-Gesellschaften haben in der Vergangenheit ähnliche Schritte unternommen, um ihre Vertriebsformate zu straffen und neu auszurichten. Die Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen hat beispielsweise das Format Diska als Edeka-Nahversorger neu positioniert. Die Edeka Südwest stellte vor drei Jahren die Discountkette Treff 3000 ein, wobei rund die Hälfte der Märkte an Netto überging.
Diese Beispiele zeigen einen klaren Trend innerhalb von Edeka: die Konzentration auf die Hauptmarke Edeka für Supermärkte und das bundesweite Discountformat Netto, während regionale oder kleinflächige Discountkonzepte entweder eingestellt oder in Formate integriert werden, die stärker dem Supermarkt-Charakter entsprechen, wie es nun bei nah & gut und den kleineren Edeka-Filialen der Fall ist.
Vorteile der Umstellung
Für die Kunden verspricht die Umstellung auf nah & gut und Edeka vor allem eine größere Sortimentsvielfalt. Bisherige NP-Kunden können sich auf eine erweiterte Auswahl an Produkten freuen, die dem Edeka-Standard entspricht. Auch das Einkaufserlebnis soll durch modernere Ladenkonzepte und – je nach Standort – möglicherweise durch das Angebot von Bedientheken attraktiver gestaltet werden. Die Umstellung zielt darauf ab, die Attraktivität der Standorte als zuverlässige und moderne Nahversorger zu erhöhen.
Für Edeka selbst liegen die Vorteile in der strategischen Klarheit und der erwarteten wirtschaftlichen Stärkung der Standorte. Die erfolgreichen Pilotprojekte haben gezeigt, dass die Umstellung zu signifikanten Umsatzzuwächsen führen kann. Zudem ermöglicht die Integration in die Marken Edeka und nah & gut eine effizientere Steuerung und Nutzung von Synergien innerhalb des Verbunds.
Auch für die Mitarbeiter der NP-Märkte ist die Umstellung von Bedeutung. Ein erklärtes Ziel der Edeka Minden-Hannover ist es, durch die wirtschaftliche Stärkung der umgewandelten Märkte möglichst langfristig Arbeitsplätze zu sichern. Die Mitarbeiter werden weiterhin in den umfirmierten Filialen tätig sein, nun aber unter dem Dach von nah & gut oder Edeka.
Der Zeitplan
Die komplette Umstellung der rund 330 bis 400 NP-Märkte ist ein ambitioniertes Projekt, das schrittweise erfolgt. Der Zeitplan sieht vor, dass bis zum Jahr 2026 zwei Drittel der Märkte in nah & gut und das restliche Drittel in Edeka-Filialen umgewandelt sein sollen. Das bedeutet, dass Kunden in den kommenden Jahren beobachten werden, wie ihre gewohnten NP-Märkte ein neues Erscheinungsbild und ein erweitertes Angebot erhalten.
Die Umstellung von NP auf nah & gut und Edeka ist somit mehr als nur eine Namensänderung. Es ist eine umfassende strategische Neuausrichtung, die darauf abzielt, die bisherigen NP-Standorte als moderne und wettbewerbsfähige Nahversorger unter stärkeren, etablierten Marken neu zu positionieren. Das Ende der Marke NP markiert zwar das Ende einer Ära, aber gleichzeitig den Beginn eines neuen Kapitels für die betroffenen Standorte und die Edeka Minden-Hannover.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet NP eigentlich?
NP stand ursprünglich für Niedrig Preis und war eine regionale Discountkette der Edeka Minden-Hannover.
Warum werden die NP-Märkte umbenannt?
Edeka Minden-Hannover stellt die Marke NP ein, um sich strategisch neu auszurichten. Erfolgreiche Pilotprojekte zeigten, dass umgewandelte Märkte (zu Edeka) signifikante Umsatzzuwächse erzielten. Die Umstellung auf nah & gut und Edeka soll die Standorte stärken und als moderne Nahversorger unter etablierten Marken positionieren.
Wann ist die Umstellung abgeschlossen?
Die komplette Umwandlung aller NP-Märkte in nah & gut oder Edeka-Filialen soll bis zum Jahr 2026 erfolgen.
Was ist der Unterschied zwischen nah & gut und den kleinen Edeka-Märkten?
Etwa zwei Drittel der NP-Märkte werden zu nah & gut-Märkten, die speziell auf kleinere Flächen und Nahversorgung zugeschnitten sind. Das verbleibende Drittel wird zu kleinflächigen Edeka-Märkten umgewandelt, die sich stärker in das bestehende Edeka-Netz integrieren und je nach Standort auch Teilbedienungen anbieten können.
Bleiben die Preise günstig?
Obwohl das eigenständige Discountformat NP verschwindet, wird Edeka weiterhin Preiseinstiegsmarken wie Gut & Günstig anbieten. Die umgewandelten Märkte werden ein erweitertes Sortiment haben, das neben Discountartikeln auch Markenprodukte und Spezialitäten umfasst. Die Preisgestaltung wird sich am jeweiligen neuen Format (nah & gut oder Edeka) orientieren.
Was passiert mit den Mitarbeitern?
Ein Ziel der Umstellung ist die Sicherung der Arbeitsplätze. Die Mitarbeiter der bisherigen NP-Märkte werden in den umfirmierten Filialen unter dem Dach von nah & gut oder Edeka weiterbeschäftigt.
| Merkmal | NP (Bisher) | nah & gut / Kleiner Edeka (Zukunft) |
|---|---|---|
| Konzept | Regionaler Discounter | Nahversorger / Kleiner Supermarkt |
| Verkaufsfläche | ca. 600 - 1000 qm | Unter 1000 qm |
| Sortiment | 5.000 - 10.000 Artikel (Discount + Auswahl) | Deutlich erweitert (Edeka-Vielfalt) |
| Bedientheken | Überwiegend Selbstbedienung | Edeka: Teilweise möglich; nah & gut: Fokus auf Selbstbedienung |
| Fokus | Niedrig Preis mit erweiterter Auswahl | Zuverlässiger Nahversorger mit breiterem Angebot |
| Marke | NP | nah & gut oder Edeka |
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