01/11/2020
Der Münchner Hauptbahnhof, ein zentraler Knotenpunkt für Millionen von Reisenden und Pendlern, befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Umbau. Dieses Mammutprojekt verändert derzeit das Erscheinungsbild und die Funktionalität des Bahnhofs erheblich und stellt die Geduld der Nutzer auf eine harte Probe. Eine der sichtbarsten Veränderungen ist die drastische Verkleinerung der Haupthalle, die sich nun nur noch als schmaler Streifen vor den Gleisen präsentiert. Was steckt dahinter und wie lange müssen sich Reisende auf diese beengten Verhältnisse einstellen?
Seit einigen Wochen blicken Reisende, die den Hauptbahnhof betreten, auf eine riesige Zwischenwand, die sich fast über die gesamte Länge des Querbahnsteigs erstreckt. Diese Wand teilt die einstige großzügige Abfahrtshalle und reduziert deren Tiefe erheblich. War die Halle früher laut Auskunft der Deutschen Bahn zwischen 25 und 30 Meter tief, so stehen den Fahrgästen nun nur noch 12 bis 18 Meter zur Verfügung. Mehr als eine Halbierung des Platzes, was dem Bahnhof im Volksmund bereits den Namen „Halb-Bahnhof“ eingebracht hat. Die Folge ist offensichtlich: Auf dem verbleibenden Raum drängen sich Pendler und Passagiere, was zu Stoßzeiten zu sehr beengten Verhältnissen führen kann.

- Warum wird der Platz im Hauptbahnhof München so knapp?
- Wie lange bleibt der Hauptbahnhof ein „Halb-Bahnhof“?
- Was genau wird hinter der Wand gebaut?
- Welche Auswirkungen hat der Umbau auf die Reisenden und das Serviceangebot?
- Auch über dem Querbahnsteig tut sich etwas
- Wichtige Eckdaten im Überblick
- Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Warum wird der Platz im Hauptbahnhof München so knapp?
Die massive Zwischenwand, die den Bahnhof optisch und räumlich verkleinert, ist kein dauerhafter Zustand, aber sie wird für einen sehr langen Zeitraum bestehen bleiben. Ihr Zweck ist es, die Bereiche voneinander zu trennen und die Fahrgäste zu schützen. Hinter dieser Wand finden umfangreiche Bauarbeiten statt, die für die Zukunft des Hauptbahnhofs und des öffentlichen Nahverkehrs in München von zentraler Bedeutung sind. Die Wand dient dabei als Schutzbarriere vor den Einflüssen der Großbaustelle. Laut einem Bahnsprecher schützt sie die Reisenden vor Lärm, Staub, Brand und Witterung, die unweigerlich mit dem Abriss und Neubau verbunden sind.
Ab dem Sommer dieses Jahres beginnen hinter der Wand die Abrissarbeiten an der Mauer des alten Empfangsgebäudes. Das bedeutet, dass direkt angrenzend an den Bereich, in dem sich die Reisenden bewegen, schwere Baumaschinen arbeiten werden. Ohne die schützende Wand wären die Beeinträchtigungen für die Passagiere unzumutbar und auch die Sicherheit wäre nicht gewährleistet.
Wie lange bleibt der Hauptbahnhof ein „Halb-Bahnhof“?
Diese Frage beschäftigt wohl jeden, der aktuell den Münchner Hauptbahnhof nutzt. Die Antwort darauf ist ernüchternd und verlangt den Reisenden viel Geduld ab: Laut Auskunft der Deutschen Bahn wird der aktuelle Zustand mit der Zwischenwand und der räumlich stark eingeschränkten Halle die nächsten Zehn Jahre bestehen bleiben. Das bedeutet, dass bis zur vollständigen Fertigstellung des Gesamtprojekts im Jahr 2035 mit diesen Verhältnissen zu rechnen ist.
Der Grund für diesen langen Zeitraum liegt in der Komplexität und dem Umfang der Bauarbeiten, die hinter der Wand stattfinden. Dort entsteht nicht nur die Front des neuen Empfangsgebäudes des Hauptbahnhofs München, sondern auch eine neue U-Bahn-Station. Solch ein Großprojekt erfordert eine sorgfältige Planung und Ausführung über viele Jahre hinweg. Die Koordination der verschiedenen Baumaßnahmen, die Integration in das bestehende Verkehrsnetz und die Gewährleistung des laufenden Betriebs machen den Umbau zu einer logistischen Herausforderung, die viel Zeit in Anspruch nimmt.
Was genau wird hinter der Wand gebaut?
Wie bereits erwähnt, entstehen hinter der aktuellen Zwischenwand zentrale Elemente des zukünftigen Hauptbahnhofs. Zum einen wird dort die neue U-Bahn-Station gebaut, die ein wichtiger Bestandteil der zukünftigen Verkehrsanbindung des Bahnhofs sein wird. Zum anderen entsteht hier die neue Fassade des Empfangsgebäudes, das dem Hauptbahnhof ein modernes Gesicht geben soll.
Doch die Bauarbeiten beschränken sich nicht nur auf diese Bereiche. Im Laufe des Jahres ist geplant, die schützende Zwischenwand zu verlängern. Sie soll dann bis zu den Ausgängen in Richtung Bayerstraße und Arnulfstraße reichen. Dieser Schritt ist notwendig, um dahinter weitere Bauarbeiten zu ermöglichen. Hier beginnt der Bau eines sogenannten Vorhaltebahnhofs für die geplante U9. Auch wenn die U9-Linie selbst noch nicht final beschlossen ist und, falls sie realisiert wird, frühestens ab 2040 in Betrieb gehen könnte, werden die notwendigen Bauvorleistungen bereits jetzt erbracht. Dies zeigt, wie weit in die Zukunft geplant wird und wie komplex die Abstimmung verschiedener Infrastrukturprojekte an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt ist.
Welche Auswirkungen hat der Umbau auf die Reisenden und das Serviceangebot?
Der Umbau hat nicht nur räumliche, sondern auch direkte Auswirkungen auf das Serviceangebot für die Reisenden. Die räumliche Verkleinerung der Halle bedeutet, dass viele der bisher dort ansässigen Geschäfte und Gastronomiebetriebe weichen mussten. Laut Auskunft der Bahn sind die meisten Essensstände in der Abfahrtshalle bereits verschwunden und werden auch nicht an ihren alten Platz zurückkehren. Reisende, die bisher schnell einen Imbiss oder Kaffee vor der Abfahrt kaufen konnten, müssen sich nun neu orientieren und alternative Angebote in anderen Bereichen des Bahnhofs oder außerhalb nutzen.
Auch das Reisezentrum, eine zentrale Anlaufstelle für Fragen, Ticketkäufe und Serviceleistungen, muss seinen bisherigen Standort aufgeben. Es wird im Jahr 2027 in ein neues Interims-Empfangsgebäude verlegt. Dieses temporäre Gebäude soll an der Bayerstraße entstehen und die wichtigsten Serviceeinrichtungen während der Hauptbauphase beherbergen. Neben dem Reisezentrum sollen dort auch das Fundbüro und die Bahn-Info unterkommen. Reisende müssen sich also ab 2027 auf einen neuen Weg zu diesen wichtigen Servicepunkten einstellen.
Auch über dem Querbahnsteig tut sich etwas
Die Bauarbeiten beschränken sich nicht nur auf den Bereich hinter der Wand und das zukünftige Empfangsgebäude. Auch über dem eigentlichen Querbahnsteig, wo die Züge einfahren und die Reisenden umsteigen, finden wichtige Arbeiten statt. Seit kurzem ziehen Arbeiter eine Zwischen-Decke unter das bestehende Dach, das aus dem Jahr 1949 stammt. Diese Arbeiten sollen bis Juni dieses Jahres abgeschlossen sein.
Die Zwischen-Decke wird von einem großen Gerüst gestützt, das ebenfalls einen Teil der Abfahrtshalle einnimmt und zusätzlich den verfügbaren Platz reduziert. Dieses Interimsdach wird laut Bahnsprecher ebenfalls für einen langen Zeitraum bestehen bleiben – nämlich bis kurz vor Inbetriebnahme der 2. Stammstrecke, was voraussichtlich ebenfalls im Jahr 2035 der Fall sein wird. Währenddessen wird über dieser Konstruktion das Dach des neuen Empfangsgebäudes gebaut. Dies verdeutlicht die schrittweise und überlagernde Natur der Bauarbeiten, bei der alte Strukturen gesichert oder ersetzt werden, während darüber bereits die neuen Elemente entstehen.
Wichtige Eckdaten im Überblick
| Aspekt | Zeitraum / Status | Auswirkung |
|---|---|---|
| Verkleinerung Haupthalle ("Halb-Bahnhof") | Seit einigen Wochen | Weniger Platz, Enge für Reisende |
| Zwischenwand in Halle | Bis voraussichtlich 2035 | Schutz vor Baustelle, räumliche Trennung |
| Abriss alte Empfangsgebäudemauer | Ab Sommer dieses Jahres | Beginn der Hauptbauphase hinter der Wand |
| Verlängerung Zwischenwand (Richtung Bayer-/Arnulfstraße) | Im Laufe dieses Jahres | Vorbereitung Bau Vorhaltebahnhof U9 |
| Verlegung Reisezentrum, Fundbüro, Bahn-Info | Ab 2027 in Interimsgebäude (Bayerstraße) | Neue Wege zu wichtigen Services |
| Bau Zwischen-Decke über Querbahnsteig | Fertigstellung bis Juni dieses Jahres | Sicherung, Teil der Bauinfrastruktur |
| Bestehen Interimsdach / Gerüst | Bis kurz vor Inbetriebnahme 2. Stammstrecke (ca. 2035) | Temporäre Struktur, nimmt Platz ein |
| Bau neues Empfangsgebäude | Hinter der Wand, parallel zu anderen Arbeiten | Zukünftiges Herzstück des Bahnhofs |
| Bau neue U-Bahn-Station | Hinter der Wand, parallel zu anderen Arbeiten | Zukünftige Verkehrsanbindung |
| Geplante vollständige Fertigstellung Gesamtprojekt | 2035 | Abschluss der Hauptbauphase |
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
- Wann wird der Hauptbahnhof München fertig umgebaut sein?
Die vollständige Fertigstellung des Gesamtprojekts, einschließlich des neuen Empfangsgebäudes und der neuen U-Bahn-Station, wird derzeit für das Jahr 2035 erwartet. - Warum ist die Haupthalle so viel kleiner geworden?
Die Verkleinerung ist auf eine massive Zwischenwand zurückzuführen, die als Schutz vor Lärm, Staub, Brand und Witterung während der umfangreichen Bauarbeiten hinter der Wand dient. - Wie lange bleibt die Zwischenwand stehen?
Die Zwischenwand soll voraussichtlich bis kurz vor der geplanten Fertigstellung im Jahr 2035 bestehen bleiben. - Was wird hinter der Zwischenwand gebaut?
Dort entstehen unter anderem die Front des neuen Empfangsgebäudes, eine neue U-Bahn-Station und Vorleistungen für einen zukünftigen U9-Vorhaltebahnhof. - Wo finde ich das Reisezentrum und andere Services während des Umbaus?
Das Reisezentrum, das Fundbüro und die Bahn-Info werden voraussichtlich ab 2027 in ein neues Interims-Empfangsgebäude an der Bayerstraße umziehen. - Gibt es noch Essensmöglichkeiten in der Haupthalle?
Die meisten Essensstände in der Abfahrtshalle mussten aufgrund der Bauarbeiten weichen und werden laut Bahn nicht an ihren alten Platz zurückkehren. Es gibt jedoch weiterhin Gastronomie in anderen Bereichen des Bahnhofs.
Der Umbau des Münchner Hauptbahnhofs ist ein Generationenprojekt, das die Bedeutung Münchens als europäischer Verkehrsknotenpunkt für die Zukunft sichern soll. Obwohl die kommenden Jahre für Reisende und Pendler mit Einschränkungen und Herausforderungen verbunden sind, versprechen die abgeschlossenen Baumaßnahmen einen modernen, leistungsfähigeren und zukunftsfähigen Bahnhof. Bis es soweit ist, ist Geduld gefragt und eine gute Planung der Reisen unerlässlich, um sich im „Halb-Bahnhof“ zurechtzufinden und die notwendigen Services zu erreichen.
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