22/07/2024
Die Welt der Discounter ist oft Gegenstand von Spekulationen und Annahmen. Eine der hartnäckigsten Fragen, die immer wieder gestellt wird, betrifft die Beziehung zwischen zwei der bekanntesten deutschen Einzelhandelsketten: Aldi und Lidl. Gehören sie zusammen? Sind sie Teil desselben Konzerns oder vielleicht sogar Geschwisterunternehmen? Diese Vorstellung ist weit verbreitet, entspricht aber nicht der Realität. Tatsächlich handelt es sich bei Aldi und Lidl um zwei komplett unabhängige Unternehmen, die als direkte Konkurrenten auf dem Markt agieren.

Aldi vs. Lidl: Zwei unabhängige Discounter
Trotz ihrer ähnlichen Geschäftsmodelle als Discounter mit Fokus auf Eigenmarken und niedrige Preise, sowie ihrer gemeinsamen deutschen Herkunft, sind Aldi und Lidl rechtlich und strukturell völlig getrennt. Ihre Geschichte beginnt zu unterschiedlichen Zeiten und folgt eigenen Wegen. Während die Wurzeln von Aldi bis ins Jahr 1913 zurückreichen, als das Unternehmen als kleines Lebensmittelgeschäft der Eltern der Albrecht-Brüder startete, nahm Lidl erst in den 1930er Jahren seinen Anfang, wobei das erste Discounter-Format, wie wir es heute kennen, sogar erst 1973 eröffnet wurde. Diese unterschiedlichen Anfänge unterstreichen ihre unabhängige Entwicklung.
Auch auf internationaler Ebene zeigen sich Unterschiede, insbesondere im US-Markt. Aldi (genauer gesagt, Aldi Süd, wie wir später sehen werden) hat dort eine deutlich stärkere Präsenz mit über 2.300 Filialen und ehrgeizigen Expansionsplänen auf 3.000 bis 2028. Lidl hingegen ist auf dem US-Markt ein relativer Neuling. Die erste US-Filiale öffnete erst 2017, und das Filialnetz ist bisher weitaus kleiner als das von Aldi. Dies zeigt, dass sie ihre internationalen Strategien unabhängig voneinander verfolgen.
Die Aldi-Trennung: Nord und Süd
Die Verwirrung über eine mögliche Verbindung zwischen Aldi und Lidl rührt oft von einer anderen, tatsächlichen Trennung her: der Aufteilung des ursprünglichen Aldi-Konzerns in zwei separate Unternehmensgruppen, Aldi Nord und Aldi Süd. Diese Aufteilung erfolgte in den 1960er Jahren. Der Grund dafür war eine Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Albrecht-Brüdern, Theo und Karl, über den Verkauf von Zigaretten. Anstatt einen Kompromiss zu finden, entschieden sie sich, das Unternehmen geografisch aufzuteilen. Es entstand Aldi Nord mit Sitz in Essen und Aldi Süd mit Sitz in Mülheim an der Ruhr. Beide operieren seitdem als rechtlich und wirtschaftlich voneinander unabhängige Einheiten, jede mit eigenen Regionalgesellschaften, Logistikzentren und Verwaltungsstrukturen.
Diese strikte Trennung bedeutet, dass Aldi Nord und Aldi Süd in Deutschland unterschiedliche Filialnetze betreiben (Aldi Nord vor allem im Norden, Osten und Teilen Westdeutschlands, Aldi Süd im Süden, Westen und Teilen Ostdeutschlands) und auch international getrennte Märkte bearbeiten. Ein prominentes Beispiel für die internationale Aufstellung ist der US-Markt: Während Aldi Süd unter dem Namen Aldi US expandiert, ist Aldi Nord Eigentümer der sehr erfolgreichen Supermarktkette Trader Joe's in den USA. Dies verdeutlicht, dass selbst innerhalb der "Aldi-Familie" eine klare operative Trennung besteht, die nichts mit Lidl zu tun hat.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Detail
Obwohl Lidl und Aldi unabhängig sind, teilen sie einige grundlegende Merkmale des deutschen Discountmodells. Beide setzen auf eine hohe Effizienz, ein straff organisiertes Sortiment, starke Eigenmarken und eine aggressive Preispolitik. Der Fokus liegt auf dem schnellen Einkauf und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Dennoch gibt es auch spürbare Unterschiede, die über die Eigentümerstruktur hinausgehen. Die Ladenlayouts können sich unterscheiden, die Sortimente, auch wenn beide Eigenmarken dominieren, weisen unterschiedliche Produkte auf, und auch bei Serviceleistungen oder der Präsentation gibt es feine, aber relevante Unterschiede.
Ein bekanntes Beispiel für eine unterschiedliche Handhabung, das im Text erwähnt wird, ist das Einkaufswagenpfand bei Aldi. Während Aldi lange Zeit auf ein Münzpfand setzte, um die Wagen auf dem Gelände zu halten (was im Text humorvoll erwähnt wird), handhabten andere Discounter dies möglicherweise anders oder führten alternative Systeme ein. Auch die Akzeptanz von Dosenpfand oder die Einführung von Tax-Free-Systemen für Kunden aus dem Ausland (wie bei Aldi Süd nahe der Schweizer Grenze) sind Beispiele für individuelle Entscheidungen der jeweiligen Unternehmensgruppen.
Wichtige Fakten im Vergleich
| Merkmal | Aldi (allgemein) | Lidl | Aldi Nord | Aldi Süd |
|---|---|---|---|---|
| Gründung | 1913 (Eltern Albrecht) | 1930er (Josef Schwarz), Discounter 1973 | Teil der Aldi-Trennung (1960er) | Teil der Aldi-Trennung (1960er) |
| Beziehung zu Lidl | Unabhängig | Unabhängig | Unabhängig von Lidl | Unabhängig von Lidl |
| US-Marktpräsenz | Stärker (Aldi US = Aldi Süd) | Neuer, kleiner | Besitzt Trader Joe's | Expandiert als Aldi US |
| Trennung Nord/Süd | Ja, seit 1960ern | Nicht betroffen | Eigenständige Gruppe seit 1960ern | Eigenständige Gruppe seit 1960ern |
| Kaffeeröstereien | Ja (Nord & Süd haben eigene) | Text gibt keine Info dazu | In Weyhe, Herten | In Mülheim (geschl. 2023), Ketsch (erw. 2023) |
| Mineralwasser | Aldi Nord kaufte Altmühltaler (2022) | Text gibt keine Info dazu | Kaufte Altmühltaler (2022) | Text gibt keine Info dazu |
| Landwirtschaft | Aldi Süd über Lukas-Stiftung/Boscor | Text gibt keine Info dazu | Text gibt keine Info dazu | Aktiv über Lukas-Stiftung/Boscor |
| Kassensysteme | Historisch ohne Etiketten, PLU/DM, Umst. Scanner (Süd 2000, Nord 2002), Multi-Barcode, Karte (2005), NFC (2015), Geld abheben (Süd 2016), Kassenlos (UK 2022), Self-Checkout (Süd 2023) | Text gibt keine Info dazu im Detail | Details siehe Aldi-Kassensysteme | Details siehe Aldi-Kassensysteme |
| Pfandrückgabe | Automaten seit 2005/2006, Dosen seit 2015 | Text gibt keine Info dazu im Detail | Automaten (Wincor), Dosen seit 2015 | Automaten (Tomra), Dosen seit 2015 |
| Tax-Free (CH) | Aldi Süd bietet es an | Text gibt keine Info dazu | Bietet es nicht an | Bietet es an (100% Erstattung) |
| Umwelt | Aldi Süd: PV, E-Laden. Beide: 1ct Tüten | Text gibt keine Info dazu im Detail | 1ct Tüten | PV, E-Laden, 1ct Tüten |
| Kritik | Pferdefleisch, Lohndiebstahl, Holz | Gewerkschaft, Daten, Holz | AUB Zahlungen, Ver.di Betriebsräte | Pferdefleisch, Lohndiebstahl, Holz |
Ein Blick hinter die Kulissen von Aldi Nord und Süd
Die bereitgestellten Informationen geben interessante Einblicke in verschiedene Aspekte der Geschäftstätigkeit von Aldi Nord und Süd, die ihre Unabhängigkeit und gleichzeitige Entwicklung als große Handelskonzerne zeigen.
Marketingstrategien: Historisch verzichtete Aldi komplett auf externe Marketingagenturen, getreu dem Motto von Karl Albrecht: "Unsere Werbung liegt im billigen Preis." Anzeigen beschränkten sich lange auf schlichte Angebotslisten. Seit den 2000er Jahren haben sich die Strategien gewandelt. Beide Unternehmensgruppen verfügen mittlerweile über eigene Kommunikationsabteilungen und schalten farbige, größere Zeitungsanzeigen und Prospekte. Aldi Nord unterhält sogar eine eigene Werbeagentur für Europa. Digitale Kanäle wurden ebenfalls erschlossen, mit eigenen Apps für iOS und Android seit 2010/2011, die Prospekte und Einkaufslisten bieten. Seit 2016 setzen beide erstmals auf TV- und Online-Werbespots. Aldi Süd ist zudem mit einem Blog und einem Kundenmagazin aktiv. Ein jüngeres Beispiel für die Anpassung an Zielgruppen ist das Engagement im E-Sport-Bereich mit "Aldi Gaming" seit 2021.
Kassensysteme und Innovationen: Aldi war lange bekannt für das Fehlen von Preisetiketten und das Auswendiglernen der Preise durch die Kassierer. Bei Aldi Nord wurden PLU-Nummern eingegeben, bei Aldi Süd die DM-Preise direkt. Dies ermöglichte schnelles Kassieren, schneller als das damals übliche Scannen. Mit der Euro-Einführung stellten beide um: Aldi Süd 2000, Aldi Nord 2002. Eine Besonderheit sind die EAN-Strichcodes auf Aldi-Eigenmarken, die oft auf mehreren Seiten der Verpackung und in ungewöhnlichen Größen platziert sind, um das Drehen und Wenden der Produkte zu minimieren und den Scanvorgang zu beschleunigen. Die Einführung der Kartenzahlung erfolgte schrittweise: Tests mit EC-Karte bei Aldi Nord 2004, flächendeckende Einführung bei beiden 2005. Kontaktloses Bezahlen per NFC kam ab 2014 (Schweiz) bzw. 2015 (Deutschland/Dänemark). Aldi Süd bietet seit 2016 (mit Mindesteinkauf, seit 2020 ab 5 Euro) auch Bargeldabhebung an der Kasse an. Innovativ sind Tests mit kassenlosen Supermärkten (Aldi UK 2022) und Self-Checkouts (Aldi Süd 2023).
Pfandrückgabe: Die Umstellung auf Leergutautomaten erfolgte in den Jahren 2005/2006, teilweise bedingt durch neue Pfandregelungen. Beide schlossen sich dem ILN-System an, wählten aber unterschiedliche Hersteller für die Automaten (Aldi Nord: Wincor Nixdorf, Aldi Süd: Tomra Systems). Beide Systeme pressen die Flaschen sofort. Die Annahme von Dosengebinden erfolgte später, ab 2015, und führte zur Wiedereinführung von Getränkedosen ins Sortiment.
Weitere Geschäftsfelder: Über das klassische Discount-Sortiment hinaus sind beide Aldi-Gruppen in weiteren Bereichen aktiv. Sie betreiben eigene Kaffeeröstereien (Aldi Nord in Weyhe und Herten, Aldi Süd in Mülheim – geschlossen 2023 – und Ketsch – erweitert 2023). Aldi Nord kaufte 2022 die Altmühltaler Mineralbrunnen GmbH. Aldi Süd ist über die Lukas-Stiftung und die Boscor Gruppe auch in der Landwirtschaft aktiv und zählt zu den größten Grundeigentümern in Thüringen.
Marktposition und Einfluss: Aldi nutzt seine Marktmacht gegenüber Lieferanten, verzichtet aber auf viele branchenübliche Forderungen wie Werbekostenzuschüsse. In Deutschland zählt die Aldi-Gruppe zu den größten Akteuren im Lebensmittelhandel. 2010 lag sie auf Platz 4 nach Umsatz. Auch in anderen Sortimentsbereichen wie Textilien oder Gesundheitsprodukten außerhalb der Apotheke erzielte Aldi signifikante Marktanteile. Interessant ist die breite Kundenbasis über verschiedene soziale Schichten hinweg. Die Marktanteile und Umsätze zeigen die Größe und den Einfluss der beiden getrennten Aldi-Gruppen. Im Jahr 2020 lag Lidl im Gesamtumsatz in Deutschland sogar vor Aldi Süd und Aldi Nord einzeln betrachtet, was die Konkurrenzsituation unterstreicht. 2022 belegte die Aldi-Gruppe gemeinsam Platz 4 im Lebensmittelhandel.
Nachhaltigkeit und Umwelt: Aldi Süd hat stark in Photovoltaikanlagen auf Filialen und Logistikzentren investiert. Sie bieten auch Ladestationen für Elektrofahrzeuge an (anfangs kostenlos, seit Mitte 2022 kostenpflichtig). Beide Aldi-Gruppen reagierten auf Kritik an Plastikverpackungen, indem sie seit 2019 einen Cent für dünne Plastiktüten im Obst- und Gemüsebereich verlangen.
Kontroversen und Kritik: Auch große Unternehmen wie Aldi und Lidl bleiben nicht von Kritik verschont. Der Text erwähnt Vorwürfe gegen Lidl bezüglich der Verhinderung von Gewerkschaftsgründungen und der Sammlung von Mitarbeiterdaten (2008). Aldi war in der Vergangenheit ebenfalls in Kontroversen verwickelt, etwa im Zusammenhang mit dem Pferdefleischskandal (2013) oder Vorwürfen des Lohn Diebstahls. Gegen Aldi wurde auch Kritik wegen des Verkaufs von Produkten aus fragwürdiger Holzwirtschaft laut (z.B. Meranti-Holz 2004, Mangrovenholz 2010), woraufhin Aldi versprach, künftig stärker auf FSC-zertifiziertes Holz zu setzen. Aldi Nord stand zudem wegen Zahlungen an die Arbeitgeber-nahe Organisation AUB in der Kritik (2008), was später zu einer Strafzahlung führte. Die Schließung von Regionalzentren führte Ende 2021 zum Verlust der letzten Betriebsratsmandate, die der Gewerkschaft ver.di angehörten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Hier beantworten wir einige der gängigsten Fragen zur Beziehung zwischen Aldi, Lidl und der Struktur von Aldi:
Gehören Lidl und Aldi zusammen?
Nein, absolut nicht. Lidl und Aldi sind zwei voneinander unabhängige Unternehmen. Sie sind Konkurrenten auf dem deutschen und internationalen Markt, auch wenn sie beide das Discountmodell verfolgen und aus Deutschland stammen.
Warum gibt es Aldi Nord und Aldi Süd?
Der ursprüngliche Aldi-Konzern wurde in den 1960er Jahren von den Gründerbrüdern Theo und Karl Albrecht aufgrund einer geschäftlichen Meinungsverschiedenheit (über den Verkauf von Zigaretten) in zwei separate, voneinander unabhängige Unternehmensgruppen aufgeteilt: Aldi Nord und Aldi Süd. Sie operieren seitdem getrennt, sowohl in Deutschland (in unterschiedlichen geografischen Regionen) als auch international.
Wem gehört Trader Joe's in den USA?
Trader Joe's, eine beliebte Supermarktkette in den USA, gehört zur Unternehmensgruppe Aldi Nord. Dies ist ein Beispiel dafür, wie die beiden Aldi-Gruppen international getrennte Wege gehen.
Sind Aldi Nord und Aldi Süd komplett getrennt?
Ja, rechtlich und wirtschaftlich sind Aldi Nord und Aldi Süd zwei komplett getrennte Unternehmensgruppen mit eigener Verwaltung, Logistik und Einkauf. Auch wenn sie manchmal bei bestimmten Themen zusammenarbeiten (z.B. bei der Einführung von Kassensystemen oder Pfandautomaten), agieren sie im Wesentlichen als unabhängige Wettbewerber.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Annahme einer Verbindung zwischen Lidl und Aldi ein weit verbreiteter Irrtum ist. Beide sind starke, unabhängige Akteure im Discountsegment. Innerhalb der Aldi-Welt existiert jedoch eine historische und bis heute bestehende Trennung in zwei ebenfalls unabhängige Gruppen, Aldi Nord und Aldi Süd, die jeweils eigene Strategien verfolgen und Märkte bedienen. Ihre Geschichten und Entwicklungen zeigen, wie aus Familienunternehmen globale Handelsgiganten wurden, die trotz ihrer Preisorientierung auch Innovationen vorantreiben und sich mit aktuellen Themen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung auseinandersetzen müssen.
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