16/02/2024
Die Marke Bene ist vielen ein Begriff, wenn es um hochwertige Büromöbel geht. Doch hinter einem so traditionsreichen Unternehmen steckt eine lange und oft auch bewegte Geschichte. Die Frage, wer heute eigentlich der Eigentümer von Bene ist, führt uns durch Jahrhunderte der Entwicklung, Expansion, wirtschaftliche Turbulenzen und entscheidende strategische Neuausrichtungen.

Die Ursprünge: Vom Handwerk zur Industrie
Die Geschichte von Bene begann weit vor der modernen Bürozeit. Im Jahr 1790 gründete Michael Bene in Waidhofen an der Ybbs eine kleine Tischlerei. Über viele Jahrzehnte, bis weit in die 1940er Jahre hinein, blieb das Unternehmen seiner handwerklichen Wurzel treu und agierte als klassische Tischlerei.
Parallel dazu entwickelte sich eine weitere Sparte: 1929 gründete Karl Bene in Wien einen Unternehmensteil, der sich auf die Herstellung von Büroartikeln konzentrierte. Hierzu zählten beispielsweise praktische Hilfsmittel wie hölzerne Briefablagen und Aktenordner. Diese frühe Diversifizierung zeigte bereits das Potenzial, das Bene im Bereich Bürobedarf sah.
Eine entscheidende Wende für die Möbelsparte in Waidhofen an der Ybbs erfolgte im Jahr 1951. Unter der Führung des damaligen Inhabers Gottfried Bene wurde die Produktion auf die industrielle Fertigung von Büromöbeln umgestellt. Dieser Schritt legte den Grundstein für das moderne Unternehmen Bene, wie wir es heute kennen. Die Umstellung auf industrielle Prozesse ermöglichte eine höhere Produktionskapazität und legte die Basis für zukünftiges Wachstum.
Expansion und Wachstum: Bene auf internationalem Parkett
Mit der Umstellung auf die industrielle Fertigung begann für Bene eine Phase des stetigen Wachstums und der Expansion. Im Mai 1975 wurde eine neue, moderne Produktionsstätte mit einer Fläche von 15.000 m² in Betrieb genommen, was die Produktionsmöglichkeiten erheblich erweiterte. Dies war ein wichtiger Schritt, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden.
Die Internationalisierung des Unternehmens nahm in den folgenden Jahren Fahrt auf. Bereits 1980 eröffnete Bene Geschäftsstellen in wichtigen internationalen Metropolen: London und Moskau. Dies markierte den Beginn der globalen Präsenz von Bene.
Im Jahr 1988 erfolgte ein weiterer wichtiger Schritt in Österreich selbst. Das Unternehmen übersiedelte von seinem damaligen Produktionsstandort im Waidhofener Ortsteil Zell in die neue Unternehmenszentrale. Dieses architektonisch bedeutsame Gebäude, entworfen vom renommierten Architekten Laurids Ortner, wurde zum Aushängeschild und Herzstück des Unternehmens.
Die Expansion nach Osteuropa folgte in den Jahren 1995 bis 1998 mit der Gründung von Filialen in Slowenien, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien und Polen. 1998 wagte die Bene-Gruppe den Schritt auf den deutschen Markt und integrierte die deutsche Handelsgruppe Objektform, um dort Fuß zu fassen.
Der Aufbau des Vertriebsnetzes in Westeuropa wurde von 2000 bis 2003 vorangetrieben. Bene eröffnete Filialen in den Beneluxstaaten und Frankreich, wodurch die Marktpräsenz in wichtigen europäischen Ländern gestärkt wurde. Zeitgleich wurde das Werk in Waidhofen an der Ybbs umfassend modernisiert und erweitert. Die Produktionsfläche wuchs um 9.000 m² auf beeindruckende 40.000 m², und es wurde ein erhebliches Investitionsvolumen von rund 22 Millionen Euro in die Modernisierung gesteckt.

Im Jahr 2002 traf Bene eine strategische Entscheidung bezüglich der Büroartikelsparte, die 1929 gegründet worden war: Sie wurde an einen amerikanischen Investor verkauft. Bene konzentrierte sich fortan verstärkt auf sein Kerngeschäft: die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Büromöbeln und Raumlösungen.
Die globale Expansion setzte sich fort. 2003 gründete Bene das Joint Venture Bene Nowy Styl S.A. in Polen, was die Position auf diesem wichtigen Markt festigte. Mit der Eröffnung einer Filiale in Dubai erschloss das Unternehmen den Mittlere Osten. 2004 folgte eine Kooperation mit dem japanischen Büromöbelproduzenten KOKUYO CO., LTD., die neue Möglichkeiten im asiatischen Raum eröffnete. Im gleichen Jahr wurde das Vertriebsnetz außerdem um die Länder Kroatien und Serbien erweitert.
Vom Börsengang zu finanziellen Herausforderungen
Ein bedeutender Schritt in der Unternehmensgeschichte war der Börsengang im Jahr 2006. Dieser erfolgte im August 2004 mit dem Einstieg eines Finanzkonsortiums unter der Führung der Unternehmens Invest AG (UIAG), das Bene schließlich an die Börse brachte. Die Notierung an der Wiener Börse sollte dem Unternehmen Zugang zu frischem Kapital verschaffen und die weitere Expansion ermöglichen. Im selben Jahr unterzog sich Bene einem Zertifizierungsprozess nach ISO 9001 und 14001, was die Qualitäts- und Umweltstandards des Unternehmens unterstrich.
Die Expansion wurde auch nach dem Börsengang fortgesetzt. Das Vertriebsnetz wurde um die Länder Bulgarien, Ukraine, Spanien, Irland und Kuwait erweitert. Im November 2006 kam es zur Übernahme der deutschen TILL-Gruppe, eines Büromöbelfachhändlers, der zuvor bereits Vertriebspartner von Bene war. Im April 2007 übernahm Bene seinen langjährigen Fachhandelspartner in Belgien, um die Kontrolle über wichtige Vertriebswege zu stärken.
Im Geschäftsjahr 2011/12 konnte die Bene-Gruppe noch einen beachtlichen Umsatz von 193,9 Millionen Euro erwirtschaften, bei einem EBITDA von 1,7 Millionen Euro. Mit 82 Vertriebsstellen in 32 Ländern war das Unternehmen international gut aufgestellt, und die Exportquote lag bei 72 %. Doch bereits zu dieser Zeit zeigten sich erste wirtschaftliche Schwierigkeiten. Von 1. August 2009 bis 31. Juli 2010 hatte die Bene AG im Rahmen eines Kosteneinsparungs- und Effizienzsteigerungsprogramms bereits die Arbeitszeit für alle Angestellten in Österreich auf 80 % bei entsprechender Gehaltsreduzierung gesenkt, um die Personalkosten zu reduzieren.
Die finanzielle Situation verschärfte sich in den folgenden Jahren dramatisch. Am 17. April 2013 präsentierte die Bene AG die vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2012/13, die einen Gruppenumsatz von EUR 213,6 Mio. zeigten, aber auch einen erheblichen Jahresfehlbetrag von EUR −28,7 Mio. Damit wurden die vom Unternehmensreorganisationsgesetz verlangten Kriterien verfehlt, und eine Sanierung wurde unumgänglich.
In dieser kritischen Phase wurde öffentlich Kritik geäußert. Der Anlegervertreter Wilhelm Rasinger kritisierte in diesem Zusammenhang die Eigentümerfamilie des Unternehmens, deren Einfluss im Unternehmen er für zu stark hielt. Er äußerte die Meinung, dass der Börsengang für das Unternehmen möglicherweise zu gewagt gewesen sei.
Sanierung und der Wechsel der Eigentümer
Die schlechte Ertragslage und die anhaltenden Verluste machten tiefgreifende Veränderungen notwendig. Im Jahr 2012 zog der Aufsichtsrat die Bremse und tauschte den kompletten Vorstand aus. Bene holte den erfahrenen Sanierer Rudolf Payer als neuen Finanzchef, der maßgeblich an der Sanierung des Feuerfestprodukte-Herstellers RHI beteiligt gewesen war. Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Michael Feldt leitete Payer harte Sanierungsmaßnahmen ein. Dazu gehörten die Schließung unrentabler Standorte, eine Umstrukturierung des Vertriebs und ein erheblicher Personalabbau. Payer führte die Schieflage des Unternehmens vor allem auf das aggressive Wachstum sowie eine zu große Vielfalt innerhalb der Produktgruppen zurück. Die Alt-Vorstände Frank Wiegmann und Wolfgang Neubert nannten hingegen wiederholt einen krisenbedingten Einbruch des Büromöbelmarktes als Hauptursache für die Verluste.
Der Personalabbau war eine schmerzliche Konsequenz der Sanierung. Allein im April 2015 meldete Bene erneut 127 Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung an und strich international weitere 29 Arbeitsplätze. Nach diesem Abbau beschäftigte Bene noch rund 850 Personen, davon etwa 600 in Österreich. Zum Zeitpunkt des Börsengangs im Jahr 2006 hatte Bene weltweit noch rund 1.200 Mitarbeiter beschäftigt, davon etwa 900 in Österreich.

Das Geschäftsjahr 2014/15 schloss Bene erneut mit einem Verlust ab, wenngleich dieser sich reduzierte. Der Nettoverlust halbierte sich von 28,6 auf 13,4 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) war mit 9,5 Millionen Euro zwar weiter negativ, im Geschäftsjahr 2013/14 betrug der Verlust noch 24,2 Millionen Euro. Das EBITDA machte 1,9 Millionen Euro aus, nach -12,5 Millionen Euro im Vorjahr. Der Konzernumsatz verringerte sich leicht von 163,1 auf 158,9 Millionen Euro. Besonders kritisch war die Eigenkapital-Situation, die sich weiter verschlechterte: Per Ende April 2015 meldete Bene ein negatives Eigenkapital von 41 Millionen Euro.
In dieser angespannten Situation fand die klärende Hauptversammlung statt, die den Weg für neue Investoren ebnete. Am 27. März 2015 wurde die Übernahme von 90 % des Unternehmens durch den Investor und Sanierer Erhard Grossnigg (über seine grosso holding) und die Bartenstein Holding (gehört Martin Bartenstein) bekanntgegeben. Die Übernahme wurde per Juni 2015 wirksam.
Der Plan der neuen Investoren sah eine umfassende Kapitalrestrukturierung vor. Das Bene-Grundkapital wurde von derzeit 24,3 Millionen Euro auf nur noch 1,9 Millionen Euro herabgesetzt. Dies geschah, indem jeweils 25 bestehende Stammaktien zu zwei zusammengelegt wurden. Zugleich beschloss die Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung um 18 Millionen Euro unter Ausschluss der Bezugsrechte der Altaktionäre. Die neuen Aktien wurden von der BGO Beteiligungsverwaltungs GmbH gezeichnet. Diese Gesellschaft, die zu je 50 Prozent Erhard Grossnigg und Martin Bartenstein gehört, hält nach Zustimmung der Bundeswettbewerbsbehörde und Eintragung des Kapitalschnittes in das Firmenbuch über 90 Prozent der Anteile der Bene AG. Ab diesem Zeitpunkt betrug das Grundkapital von Bene 19,9 Millionen Euro.
Ein weiterer Schritt war der Ausschluss der Minderheitsaktionäre (Squeeze-out). Dieser wurde bis Ende 2015 durchgeführt. Insgesamt zwei Millionen Euro wurden in bar an die restlichen Aktionäre ausbezahlt, was je nach finalem Angebot etwa sechs bis acht Cent je Aktie bedeutete. Der Anlegerschützer Wilhelm Rasinger kritisierte diesen Schritt scharf und wies darauf hin, dass die Aktionäre bezogen auf den Ausgabekurs beim Börsengang 98 Prozent ihres Investments verloren. Er bezeichnete Martin Bartenstein in diesem Zusammenhang als "extrem unflexibel", da ein Kompromissvorschlag zur Verschiebung des Squeeze-outs abgelehnt worden sei.
Mit dem Ausschluss der Minderheitsaktionäre notierte Bene ab dem 11. Dezember 2015 nicht mehr an der Wiener Börse. Das Unternehmen wird seitdem in Form einer GmbH geführt, was die Eigentümerstruktur vereinfachte und die Flexibilität erhöhte.
Die Hauptversammlung im Zuge der Übernahme segnete auch den kompletten Austausch des Aufsichtsrates ab. Die vormaligen Mitglieder, darunter auch Manfred Bene als Vorsitzender, traten zurück. Martin Bartenstein, Peter Funder, Alexander Isola und Michael Schur wurden neu in das Kontrollgremium gewählt. Damit hatte die Familie Bene fortan keinen Einfluss mehr auf die Führung des Unternehmens.
Bene heute: Nach der Sanierung
Nach dem Abschluss der umfassenden Sanierungsmaßnahmen und der Neuausrichtung unter den neuen Eigentümern konnte die Unternehmensgruppe nach eigenen Angaben seit Ende 2016 wieder Gewinne schreiben. Dies deutete auf den Erfolg der eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen hin.
Im Februar 2018 zeigte Bene erneut Wachstumsimpulse durch Akquisitionen. Es wurde bekannt gegeben, dass der oberösterreichische Büromöbelhersteller hali sowie die insolvente Firma Svoboda von Bene übernommen werden. Diese strategischen Zukäufe stärkten die Marktposition und das Produktportfolio von Bene weiter.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Eigentumsverhältnisse bei Bene seit der umfassenden Restrukturierung im Jahr 2015 klar geregelt sind. Die Mehrheit der Anteile (über 90 %) wird von der BGO Beteiligungsverwaltungs GmbH gehalten, die ein Joint Venture zwischen Erhard Grossniggs grosso holding und Martin Bartensteins Bartenstein Holding ist. Die Familie Bene, die das Unternehmen über Jahrhunderte geprägt hat, ist seit der Übernahme nicht mehr in führenden Positionen oder im Aufsichtsrat vertreten.
Häufig gestellte Fragen zu Bene
Wer ist der aktuelle Eigentümer von Bene Büromöbel?
Die Mehrheit der Anteile (über 90 %) an Bene Büromöbeln wird seit 2015 von der BGO Beteiligungsverwaltungs GmbH gehalten. Diese Gesellschaft gehört zu je 50 Prozent Erhard Grossnigg (über seine grosso holding) und Martin Bartenstein (über seine Bartenstein Holding).
Wann wurde Bene gegründet?
Das Unternehmen Bene wurde ursprünglich im Jahr 1790 von Michael Bene als kleine Tischlerei in Waidhofen an der Ybbs gegründet.
Warum wurde Bene 2015 verkauft?
Bene musste 2015 an neue Investoren verkauft werden, da das Unternehmen nach Jahren der Expansion und einem Börsengang in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geraten war und hohe Verluste schrieb (z.B. -28,7 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2012/13). Eine umfassende Sanierung unter neuen Eigentümern war notwendig, um das Überleben des Unternehmens zu sichern.
Ist Bene noch an der Börse notiert?
Nein, Bene ist seit dem 11. Dezember 2015 nicht mehr an der Wiener Börse notiert. Im Zuge der Übernahme und Sanierung wurden die Minderheitsaktionäre ausgeschlossen (Squeeze-out), und das Unternehmen wird seither als GmbH geführt.
Spielt die Familie Bene noch eine Rolle im Unternehmen?
Nach der Übernahme im Jahr 2015 traten die Mitglieder der Familie Bene aus dem Aufsichtsrat zurück und sind seither nicht mehr in führenden Positionen im Unternehmen tätig.
Seit wann schreibt Bene wieder schwarze Zahlen?
Nach eigenen Angaben schreibt die Bene Gruppe seit Ende 2016 nach dem Abschluss der Sanierung wieder Gewinne.
Welche Unternehmen hat Bene kürzlich übernommen?
Im Februar 2018 hat Bene die Büromöbelhersteller hali und Svoboda übernommen.
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