31/05/2024
Oft stellt sich die Frage: Sind Kassel und Kassel-Wilhelmshöhe dasselbe? Die Antwort ist einfach: Nein. Bad Wilhelmshöhe, früher bekannt als Wilhelmshöhe und auch Kassel-Wilhelmshöhe genannt, ist seit dem 1. Juli 1906 ein bedeutender Stadtteil der nordhessischen Stadt Kassel. Seit dem Jahr 2002 trägt der Stadtteil zudem die Anerkennung als staatlich anerkanntes Heilbad und Kneippheilbad. Diese doppelte Identität als Teil einer Großstadt und gleichzeitig als renommierter Badeort verleiht Bad Wilhelmshöhe seinen besonderen Reiz und macht ihn international bekannt.

Die Bekanntheit verdankt Bad Wilhelmshöhe insbesondere dem imposanten Bergpark Wilhelmshöhe, der sich im Habichtswald erstreckt. Hier finden die berühmten Kasseler Wasserspiele statt, ein Schauspiel, das Besucher aus aller Welt anzieht. Doch Bad Wilhelmshöhe ist mehr als nur sein berühmter Park. Es liegt im Westen Kassels, malerisch am Fuße des Habichtswalds gelegen, und gilt als eines der bevorzugten Wohnquartiere der Stadt. Die Grenzen des Stadtteils sind vielfältig: Im Nordwesten und Norden grenzt er an Gemarkungen, die zu Harleshausen gehören, während im Nordosten Kirchditmold angrenzt. Östlich des wichtigen Bahnhofs Kassel-Wilhelmshöhe finden sich die Stadtteile Vorderer Westen und Wehlheiden, und weiter südlich liegen Süsterfeld-Helleböhn sowie Brasselsberg.
Die Geographie und Struktur des Stadtteils
Ein großer Teil des Gebiets von Bad Wilhelmshöhe wird von ausgedehnten und bewaldeten Flächen des Hohen Habichtswaldes eingenommen. Damit hat Bad Wilhelmshöhe einen direkten Anteil am Naturpark Habichtswald, in dessen Herzen der Bergpark Wilhelmshöhe liegt. Der eigentliche, östliche Teil des Stadtteils präsentiert sich hingegen zumeist als dicht bebautes Gebiet. Innerhalb dieses bebauten Bereichs findet sich der ursprüngliche und historische Ortsbezirk Wahlershausen beziehungsweise des Rammelsbergs. Dieser Teil ist geprägt von einer eher dörflichen Bebauung mit altem Fachwerk, durchsetzt mit Wiesen- und Ackerflächen, die einen reizvollen Kontrast bilden. Die Drusel, ein kleiner Fluss, durchfließt den Stadtteil unterhalb des Straßenbahndepots, bevor sie am Bundessozialgericht verrohrt wird.
Südlich der Wilhelmshöher Allee, einer einst prächtigen Verbindung zwischen Stadt und Parkschloss, ähnlich der Anlage der Berliner Residenz, erstrecken sich die gründerzeitlichen Quartiere. Diese zeichnen sich durch mondäne Vorgärten und teilweise noch prunkvolle eklektizistische Architekturelemente aus, besonders entlang der Landgraf-Karl-Straße. Die höchste Erhebung innerhalb des zu Bad Wilhelmshöhe gehörenden Gebiets ist das bewaldete Hohe Gras mit 614,8 m über Normalnull, ebenfalls im Hohen Habichtswald gelegen.
Die westliche Grenze des Stadtteils im Habichtswald verläuft etwa zwischen dem Hohen Gras und der Gaststätte Zum Silbersee. Hier grenzt Bad Wilhelmshöhe an das Gemeindegebiet von Habichtswald, zu dem die Gaststätte gehört, wobei die Grenze unmittelbar an der Gaststätte liegt. Zwischen dem Hohen Gras und dem Berg Kleiner Herbsthaus stößt das Gebiet von Bad Wilhelmshöhe an die Gemeinde Schauenburg, die südlich von Habichtswald liegt.
Ortsbezirke und besondere Gebiete
Innerhalb von Bad Wilhelmshöhe gibt es mehrere spezifische Gebiete und Ortsbezirke, die jeweils ihren eigenen Charakter haben:
Mulang – Villen und Historie
Das Villenviertel Mulang ist eine bekannte Siedlung innerhalb des Ortsbezirks Bad Wilhelmshöhe und grenzt direkt an den Bergpark Wilhelmshöhe. Die Namensgebung des Mulang ist Gegenstand zweier unterschiedlicher Theorien. Eine besagt, dass der Name auf ein Jagdgebiet eines chinesischen Kaisers namens „Mulan“ zurückgeht, inspiriert von der China-Begeisterung (Chinoiserie) des 18. Jahrhunderts. Eine andere Erklärung führt den Namen auf eine Mühle („Moulin“ auf Französisch) zurück, die sich in der kleinen Siedlung befand, die heute den Kern des Mulang bildet. Die französische Bezeichnung soll von den Kasselern im Laufe der Zeit zu „Mulang“ umgeformt worden sein.
Wahlershausen – Das ehemals eigenständige Dorf
Unmittelbar nordwestlich des Bahnhofs Wilhelmshöhe, direkt nördlich der Wilhelmshöher Allee und unterhalb des Bergparks Wilhelmshöhe liegt das ehemals eigenständige Dorf Wahlershausen. Dieses wurde am 1. April 1906 in die Stadt Kassel eingemeindet. Auch dieser Bereich wird teilweise von der Drusel durchflossen. Wahlershausen wurde bereits im Jahr 1123 in einer Urkunde des Klosters Hasungen unter dem Namen Warolfeshusen erstmals urkundlich erwähnt.
Im westlichen Teil von Wahlershausen befindet sich der 1978 gegründete Zoo am Rammelsberg. Dieser Zoo beherbergt knapp 60 Arten, hauptsächlich Kleintiere, und bietet ein lokales Freizeitziel.
Marbachshöhe – Vom Militärgebiet zum Wohnquartier
Die Marbachshöhe ist ein Gebiet, das einst militärisch genutzt wurde und zu einem modernen Wohngebiet umgebaut wurde. Sie liegt am westlichen Rand von Wilhelmshöhe und ist vom Bahnhof Wilhelmshöhe aus schnell mit Bus und Bahn erreichbar. Das Gebiet ist geprägt von ehemaligen Kasernen, die heute als Wohnhäuser dienen, sowie von neu errichteten Reihenhäusern. Das Zentrum der Marbachshöhe ist der Rohrbachplatz, ein beliebter Treffpunkt für Basketball, Skateboarding und andere Aktivitäten. Zudem haben sich hier kleine Kunstgewerbe und ein großer Technologiepark angesiedelt. Die Marbachshöhe grenzt an den Marbachsgraben, ein idyllisches kleines Naturschutzgebiet.
Infrastruktur und Wirtschaft
Die Infrastruktur in Bad Wilhelmshöhe ist vielfältig und auf die Bedürfnisse eines modernen Stadtteils mit historischer Bedeutung ausgerichtet. Seit 1877 liegt im Bereich der Kurhessen-Therme, nördlich der Wilhelmshöher Allee und unterhalb des Bergparks, der Betriebshof Wilhelmshöhe der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG). Hier ist der Großteil der Straßenbahnen der KVG stationiert und wird in den Werkstätten gewartet und repariert. Der Betriebshof Sandershäuser Straße beherbergt Regiotrams und Busse.
Bad Wilhelmshöhe ist auch ein wichtiger Standort für überregionale Institutionen und Unternehmen. Der Hessische Rundfunk (hr) betreibt in Bad Wilhelmshöhe ein Fernsehstudio und sendet von dort auch das Radioprogramm hr4. Das Studio, gegründet 1952, wurde Mitte der 1990er Jahre auf dem Gelände eines ehemaligen Gutshofes durch einen Neubau erweitert. In den 1980er Jahren gab es auf diesem Gelände sogar einen Ponyhof.

Das bundesweit tätige Finanzdienstleistungsunternehmen Plansecur hat seit 1997 seinen architektonisch bemerkenswerten Stammsitz in Bad Wilhelmshöhe, gelegen an der Einmündung zur Heinrich-Schütz-Allee. Unweit davon entfernt, in der Monteverdistraße, befindet sich seit 1993 die Hauptverwaltung des regionalen Energieversorgungsunternehmens EAM.
Die lokale Geschäftswelt in Bad Wilhelmshöhe zeichnet sich durch eine Vielfalt an inhabergeführten Geschäften aus. Diese haben sich zur Interessengemeinschaft Bad Wilhelmshöhe (IGW) zusammengeschlossen, die als größte Interessengemeinschaft von Geschäftsleuten in der Stadt Kassel gilt. An der Wendeschleife Rolandstraße der KVG gibt es zudem noch eine Post-Geschäftsstelle, die wichtige Dienstleistungen für die Bewohner und Unternehmen des Stadtteils bietet.
Sehenswürdigkeiten und Freizeit
Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Stadtteils konzentrieren sich rund um den Bergpark Wilhelmshöhe. Dazu gehören der Herkules auf dem Karlsberg, das Schloss Wilhelmshöhe und die Löwenburg. Diese Bauwerke liegen am Osthang des Berges, dem Schauplatz der Kasseler Wasserspiele.
In der Nähe des Schlosses, unweit von Ballhaus und Großem Gewächshaus, befindet sich das Schlosshotel. Dieses Hotel, in den 1950er Jahren gebaut, galt lange Zeit als das erste Haus am Platz. Von den 1990er Jahren bis 2006 beherbergte das restaurierte Schlosshotel eine Spielbank des Landes Hessen. Heute stehen Fragen des Denkmalschutzes im Vordergrund. Neben den Hotels „Hessenland“ und „Reiss“ gehört das Schlosshotel zu den repräsentativen Bauten der Wiederaufbaumoderne in Kassel.
Im bebauten Teil des Stadtteils sind die Christuskirche sowie die Überreste der ehemaligen Domäne zu finden. Zahlreiche Privatanwesen aus der Gründerzeit, insbesondere im Ortsbezirk Mulang, prägen ebenfalls das Bild.
Ein weiteres Highlight ist die Kurhessen-Therme. Dieses Thermal-, Spaß- und Erlebnisbad wurde 1983 eröffnet, nachdem am Rande des Bergparks südlich der Wilhelmshöher Allee eine erfolgreiche Sole-Tiefbohrung durchgeführt wurde. Sie bietet Entspannung und Vergnügen mit Thermalwasser.
Das Schlosshotel Bad Wilhelmshöhe, ein 4-Sterne-Superior-Hotel, erlangte historische Bedeutung, als dort am 21. Mai 1970 die zweiten innerdeutschen Gespräche zwischen Bundeskanzler Willy Brandt und dem Ministerpräsidenten der DDR, Willi Stoph, stattfanden.
Verkehrsanbindung
Die völlig gerade in Ost-West-Richtung verlaufende Wilhelmshöher Allee ist die dominierende Hauptverkehrsstraße des Stadtteils. Sie beginnt unterhalb des Schloss Wilhelmshöhe und führt als eine der Kasseler Hauptachsen, teilweise prachtvoll angelegt, in Richtung Osten bis in die Kasseler Mitte und damit zur Innenstadt. Das Westende der Allee geht über die Tulpenallee in die Rasenallee über, die weiter nach Norden durch Harleshausen und die Gemeinde Ahnatal zum Schloss Wilhelmsthal in Calden führt. Von dort gibt es weitere Straßenverbindungen zum Flughafen Kassel-Calden.
Von der Wilhelmshöher Allee zweigen wichtige Zubringerstraßen zu insgesamt drei Autobahnen ab. Über diese Straßen erreicht man beispielsweise die Anschlussstelle Kassel-Bad Wilhelmshöhe an der Konrad-Adenauer-Straße im Stadtteil Brasselsberg, die Anschluss an die A 44 bietet. Über die A 44 gelangt man in Richtung Westen ins Ruhrgebiet und nach Osten zur A 7 und A 49.
Der Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt. Er ist nicht nur ein wichtiger Haltepunkt für verschiedene ICE-Linien und bindet Bad Wilhelmshöhe an das Fernschienennetz der Deutschen Bahn an, sondern bietet auch zahlreiche ÖPNV-Verbindungen. Mit den Linien von KVG und NVV können sowohl Ziele innerhalb der Stadt Kassel als auch Orte in den Nachbarregionen erreicht werden.

Ein Blick auf die lokale Politik
Die politische Partizipation im Stadtteil wird durch die Ortsbeiratswahlen deutlich. Bei der Ortsbeiratswahl 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 56,7 %. Die Sitzverteilung im Ortsbeirat Bad Wilhelmshöhe, der insgesamt 11 Sitze hat, stellte sich nach der Wahl wie folgt dar:
| Partei | Stimmenanteil 2021 |
|---|---|
| Grüne | 36,6 % |
| CDU | 21,6 % |
| SPD | 19,7 % |
| Linke | 9,7 % |
| FDP | 8,7 % |
| FW | 3,7 % |
Diese Daten geben einen Einblick in die politische Landschaft auf Stadtteilebene, basierend auf den zuletzt verfügbaren Informationen.
Wasserläufe und Stillgewässer
Bad Wilhelmshöhe wird von der Drusel durchflossen, die im Habichtswald entspringt. Sie durchläuft unter anderem die Wilhelmshöher Ortsbezirke Mulang und Wahlershausen, bevor sie sich westlich in Richtung Fulda wendet. Innerhalb des Bergparks Wilhelmshöhe gibt es mehrere künstlich angelegte Stillgewässer, sogenannte Teiche. Zu diesen gehören unter anderem der Asch, der Fontänenteich (bekannt als Ausgangspunkt der Fontäne der Kasseler Wasserspiele) und der Schlossteich, der auch Lac genannt wird.
Häufig gestellte Fragen
Hier finden Sie Antworten auf einige häufig gestellte Fragen zu Bad Wilhelmshöhe:
Wie komme ich vom Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe zum Herkules?
Die Anreise zum Herkules vom Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Sie nehmen die Straßenbahn Linie 4 bis zur Endhaltestelle Druseltal. Die Bahnen verkehren sonntags zwischen 12 und 15 Uhr sowie an Werktagen bis 20 Uhr im 15-Minuten-Takt. Außerhalb dieser Zeiten fahren die Straßenbahnen halbstündlich.
Von der Haltestelle Druseltal bringen Sie die Busse der Linie 22 oder 23 direkt zum Herkules, dem Startpunkt der Wasserspiele. Beachten Sie, dass die Linie 23 nur an den Tagen der Wasserspiele im Einsatz ist. An diesen Tagen fährt die Linie 23 zwischen 12 und 18 Uhr alle zehn bis 30 Minuten. Die Linie 22 verkehrt halbstündlich zwischen der Endhaltestelle Druseltal und dem Herkules.
Eine Alternative an Wasserspiel-Tagen ist die Fahrt mit der Straßenbahn Linie 1 bis zur Endhaltestelle Wilhelmshöhe (Park). Von dort bringt Sie der Bus 23 über die Haltestelle Druseltal ebenfalls zum Herkules.
Wie funktionieren die Wasserspiele in Kassel-Wilhelmshöhe?
Die Wasserspiele in Kassel-Wilhelmshöhe sind ein faszinierendes Schauspiel, das allein durch natürlichen Druck funktioniert, ganz wie zur Zeit der Landgrafen und Kurfürsten. Das Wasser nimmt seinen Weg über die Kaskaden, den Steinhöfer Wasserfall und die Teufelsbrücke. Es fällt weiter über das Aquädukt und die Peneuskaskaden hinab zum Schlossteich. Dort erzeugt der Wasserdruck die beeindruckende „Große Fontäne“, die über 50 Meter in die Höhe schießt. Dieser Moment bildet den krönenden Abschluss und Höhepunkt der Wasserspiele.
Jedes Wasserbild wird für etwa 10 Minuten inszeniert. Das gesamte Schauspiel endet gegen 16 Uhr. Wenn Sie dem Wasserlauf vom Herkules bis zum Schloss Wilhelmshöhe folgen, legen Sie dabei eine Strecke von circa 2,3 Kilometern zurück. Der Eintritt für den Bergpark und die Wasserspiele ist frei.
Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird aufgrund der begrenzten Parkplatzsituation empfohlen. Aktuell verfügbare Parkplätze können im Vorfeld abgefragt werden.
Fazit
Bad Wilhelmshöhe ist weit mehr als nur ein Stadtteil von Kassel. Mit seinem weltberühmten Bergpark, den beeindruckenden Wasserspielen, seiner Geschichte als staatlich anerkanntes Heilbad und Kneippheilbad sowie seiner Mischung aus bevorzugtem Wohngebiet, historischen Bereichen und moderner Infrastruktur bietet er eine einzigartige Lebensqualität und zieht jährlich zahlreiche Besucher an. Die gelungene Verbindung von Natur, Kultur und urbanem Leben macht Bad Wilhelmshöhe zu einem der attraktivsten und bekanntesten Stadtteile Kassels.
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