04/05/2024
Die Kladde – ein unscheinbares Wort, das oft im Zusammenhang mit Notizen, Entwürfen oder vorläufigen Aufzeichnungen fällt. Doch was verbirgt sich wirklich dahinter? Ist eine Kladde einfach nur ein Notizbuch wie jedes andere, oder hat sie eine spezielle Bedeutung und Geschichte? In diesem Artikel lüften wir das Geheimnis der Kladde und beleuchten ihre Rolle im Büro, Studium, in der Schule und im kreativen Schaffen.

- Was ist eine Kladde? Definition und Varianten
- Woher kommt das Wort Kladde? Die faszinierende Etymologie
- Die Kladde im modernen Alltag: Schule, Studium und Beruf
- Merkmale und Auswahl der richtigen Kladde
- Historische und besondere Kladden
- Warum eine Kladde nutzen? Vorteile im Überblick
- Häufig gestellte Fragen zur Kladde
- Fazit
Was ist eine Kladde? Definition und Varianten
Im Kern ist eine Kladde ein Buch, das für vorläufige Eintragungen gedacht ist. Sie dient als Sammelstelle für Gedanken, Skizzen, Entwürfe, Konzepte oder auch geschäftliche Vorab-Notizen. Man könnte sie als eine Art 'erstes Auffangbecken' für Informationen bezeichnen, die noch nicht finalisiert oder ins Reine übertragen wurden.
Die Kladde unterscheidet sich oft von einem klassischen Notizbuch durch ihre spezifische Verwendung. Während ein Notizbuch für ordentliche Mitschriften oder Tagebucheinträge genutzt werden kann, ist die Kladde traditionell eher das 'Schmierheft' oder 'Skizzenheft'. Hier darf und soll gekritzelt, durchgestrichen und unvollkommen gearbeitet werden. Sie ist der Ort für den unzensierten ersten Gedanken.
Historisch betrachtet, wie im 17. Jahrhundert belegt, war die Kladde auch ein vorläufiges Geschäftsbuch. Hier wurden laufende Geschäftsvorgänge zuerst kurz niedergeschrieben (ein sogenanntes Vorbuch), bevor sie später ordentlich in die eigentlichen Grund-, Haupt- oder Rechnungsbücher übertragen wurden. Diese Art der Kladde wurde manchmal auch Stratze oder Strazza-Buch genannt, abgeleitet vom italienischen 'strazze' für 'zerreißen', was auf die oft schnelle, unordentliche Natur der Einträge hindeutet.
Neben dem geschäftlichen Kontext gibt es weitere spezifische Formen:
- Schulkladde: Besonders in Norddeutschland wird die Kladde vom 'Reinschriftheft' unterschieden. Sie dient Schülern als Heft für Entwürfe von Aufsätzen oder Rechenaufgaben, bevor die saubere Endversion erstellt wird.
- Schießkladde: Im militärischen Bereich ein Heft zur Dokumentation der ausgegebenen und zurückgegebenen Munition.
- Laborbuch: In Wissenschaft und Forschung eine Kladde, in der Experimente, Beobachtungen und Ideen detailliert und nachvollziehbar festgehalten werden.
Gleichbedeutende Begriffe für die Kladde sind unter anderem Manuskript, Konzept, Notizbuch, Schmierheft, Skizzenheft oder das französische Lehnwort Brouillon sowie das lateinische Pluralwort Adversaria.
Woher kommt das Wort Kladde? Die faszinierende Etymologie
Die Herkunft des Wortes 'Kladde' ist eng mit seiner ursprünglichen Funktion und Beschaffenheit verbunden. Der Name stammt vom niederdeutschen Wort "Klad" ab, was so viel wie "Fleck" oder "Fleckchen" bedeutet. Die ursprüngliche Bedeutung der Kladde war demnach ein Buch mit fleckigen Seiten.
Dies hatte einen praktischen Grund: Die frühen Kladden wurden oft aus recyceltem Papier hergestellt. Dieses Papier war nicht immer gleichmäßig und konnte daher unebene, fleckige Seiten aufweisen. Die Kladde war also buchstäblich ein 'Fleck-Buch'.

Das Wort 'Kladde' ist verwandt mit anderen Begriffen, die ebenfalls die Idee von Unordnung, Schmutz oder vorläufigem Festhalten beinhalten. Dazu gehören mundartliche Wörter wie 'Kladder' (Schmutzfleck, Klebendes) oder 'kladdern' (herumschmieren, beschmieren, nachlässig arbeiten). Auch Begriffe wie 'Klecks' oder 'klatschen' (im Sinne von etwas schnell notieren) zeigen eine lautmalende oder expressive Verwandtschaft, die auf das schnelle, unordentliche oder vorläufige Notieren hindeutet.
Seit dem 17. Jahrhundert ist das Wort 'Kladde' in der Literatursprache belegt und hat sich von seiner wörtlichen Bedeutung 'Schmutz' oder 'Schmiererei' zu der heutigen, allgemeineren Bedeutung eines vorläufigen Notiz- oder Skizzenbuchs entwickelt, unabhängig von der tatsächlichen Beschaffenheit des Papiers.
Die Kladde im modernen Alltag: Schule, Studium und Beruf
Auch wenn der Ursprung in fleckigem Papier und vorläufigen Geschäftseinträgen liegt, hat die Kladde heute ihren festen Platz in vielen Bereichen unseres Lebens. Sie ist ein unverzichtbares Werkzeug für jeden, der Gedanken, Ideen oder Informationen schnell und unkompliziert festhalten möchte.
In der Schule: Wie bereits erwähnt, dient die Kladde Schülern oft als erster Entwurf für schriftliche Arbeiten oder Rechenaufgaben. Hier können Fehler gemacht, korrigiert und Ideen entwickelt werden, ohne dass das 'Reine' Heft darunter leidet. Sie fördert das iterative Arbeiten und die Entwicklung von Gedankenprozessen.
Im Studium: Studierende nutzen Kladden für Vorlesungsmitschriften, Brainstorming für Hausarbeiten, das Festhalten von Forschungsnotizen oder das Ausarbeiten von Konzepten. Die freie Form der Kladde erlaubt es, schnell Notizen zu machen, Diagramme zu skizzieren oder Zitate festzuhalten, ohne sich um die endgültige Struktur sorgen zu müssen. Das dicke Papier, das oft in Kladden verwendet wird (Grammatur 90g und höher), verhindert das Durchschreiben von Tinte und macht sie ideal für intensive Notiznahme.
Im Beruf: Ob im Büro, auf Baustellen oder bei Besprechungen – eine Kladde ist praktisch, um spontane Einfälle, To-do-Listen, Gesprächsnotizen oder Projektideen festzuhalten. Sie ist schnell zur Hand und benötigt keinen Strom oder Internetzugang. Viele Berufstätige schwören auf die Einfachheit und Zuverlässigkeit einer physikalischen Kladde im Vergleich zu digitalen Notiz-Apps, besonders wenn es um schnelles Skizzieren oder freies Denken geht.
Für kreative Menschen: Künstler, Schriftsteller, Designer oder Musiker nutzen Kladden als Skizzenbücher, Ideensammlungen oder Schreibhefte. Sie sind der Ort, an dem die ersten Pinselstriche, Satzanfänge oder Melodiefetzen festgehalten werden. Die Kladde wird zum persönlichen Archiv der Kreativität.

Merkmale und Auswahl der richtigen Kladde
Kladden gibt es heute in unzähligen Ausführungen, Größen und Designs. Die Auswahl der richtigen Kladde hängt stark vom individuellen Verwendungszweck und persönlichen Vorlieben ab.
Format: Gängige Formate sind DIN A4, ideal für ausführliche Notizen und Skizzen, und kleinere Formate wie DIN A5 oder kleiner, die handlicher sind und sich gut für unterwegs eignen, um jederzeit schnell eine Idee festzuhalten.
Bindung: Die meisten Kladden haben einen festen Einband. Dieser schützt die Seiten und macht das Buch langlebiger. Die Bindung selbst kann geklebt, genäht oder als Spiralbindung ausgeführt sein. Eine genähte Bindung ist oft besonders robust und erlaubt es, das Buch flach aufzuschlagen.
Papier: Die Qualität des Papiers ist ein wichtiger Faktor. Wie erwähnt, wird oft Papier mit einer Grammatur von 90g oder höher verwendet, um das Durchschreiben von Tinte zu minimieren, insbesondere bei der Verwendung von Füllern oder Markern. Die Seiten können leer (blanko), liniert, kariert oder gepunktet sein, je nach bevorzugter Nutzung (Schreiben, Zeichnen, Tabellen). Die Farbe des Papiers ist meist weiß oder leicht elfenbeinfarben.
Einband und Design: Der Einband kann aus Karton, Leinen, Kunstleder oder anderen Materialien bestehen. Es gibt eine enorme Vielfalt an Farben, Mustern und Designs. Manche Kladden bieten sogar die Möglichkeit, den Einband zu personalisieren. Der Einband trägt nicht nur zum Schutz bei, sondern macht die Kladde auch zu einem persönlichen Gegenstand.
Bei der Auswahl sollte man sich fragen: Wofür brauche ich die Kladde? Wie oft werde ich sie benutzen? Muss sie besonders robust sein? Welche Größe ist am praktischsten? Bevorzuge ich liniertes oder blanko Papier?
Historische und besondere Kladden
Neben den alltäglichen Notizbüchern gibt es auch Kladden, die eine besondere kulturelle oder historische Bedeutung erlangt haben.

Ein bekanntes Beispiel sind die sogenannten Sudelbücher. Berühmte Persönlichkeiten wie Georg Christoph Lichtenberg oder Kurt Tucholsky führten solche Sudelbücher. Dabei handelte es sich um Kladden, in denen sie ungeordnet Gedanken, Beobachtungen, Aphorismen, Zitate und Ideen festhielten. Diese Sudelbücher waren oft eine Mischung aus Tagebuch, Notizbuch und Entwurfssammlung – der perfekte Ort für den 'sudelnden' Geist, der seine Gedanken frei fließen lässt, ohne sich um Struktur oder Vollständigkeit zu kümmern. Sie sind ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie wertvoll und aufschlussreich scheinbar ungeordnete Notizen sein können.
Eine weitere spezifische Form ist die in den 1970er Jahren von Gunther Lambert auf dem deutschen Markt eingeführte Chinakladde. Bekannt für ihren charakteristischen rot-schwarzen Einband, wurde sie schnell zu einem beliebten Notizbuch, das die Idee der einfachen, robusten Kladde verkörperte.
Warum eine Kladde nutzen? Vorteile im Überblick
In Zeiten digitaler Geräte mag die Nutzung einer Kladde altmodisch erscheinen. Doch sie bietet unbestreitbare Vorteile:
- Freiheit für den ersten Entwurf: Die Kladde ist der ideale Ort, um Ideen ohne Druck festzuhalten, Fehler zu machen und zu korrigieren.
- Unabhängigkeit: Sie funktioniert ohne Batterien, Updates oder Internetverbindung. Sie ist immer einsatzbereit.
- Haptisches Erlebnis: Das Schreiben per Hand kann kreative Prozesse fördern und hilft oft, Informationen besser zu verarbeiten und zu erinnern.
- Struktur durch Unstruktur: Paradoxerweise kann die ungeordnete Natur der Kladde dazu anregen, querzudenken und neue Verbindungen zwischen Ideen herzustellen.
- Robustheit und Langlebigkeit: Eine gut gebundene Kladde kann auch bei intensivem Gebrauch lange halten.
Häufig gestellte Fragen zur Kladde
Was heißt Kladden?
Kladden sind Bücher oder Hefte, die für vorläufige Notizen, Entwürfe, Skizzen oder ungeordnete Eintragungen verwendet werden. Sie dienen als 'Schmierheft' oder 'Vorbuch', bevor Inhalte eventuell ins Reine übertragen werden.
Woher kommt das Wort Klade?
Das Wort 'Kladde' stammt vom niederdeutschen Wort 'Klad' ab, was 'Fleck' bedeutet. Ursprünglich bezog es sich auf Bücher mit fleckigen Seiten, die oft aus recyceltem Papier hergestellt wurden. Es ist verwandt mit Wörtern, die 'Schmutz' oder 'Schmieren' bedeuten.
Was ist eine Klade für die Schule?
In der Schule, besonders in Norddeutschland, ist eine Kladde ein Heft für vorläufige Entwürfe von Aufsätzen oder Rechenaufgaben. Sie wird vom 'Reinschriftheft' unterschieden, in das die endgültige, saubere Version geschrieben wird.
Fazit
Die Kladde ist weit mehr als nur ein einfaches Notizbuch. Mit ihrer reichen Geschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht und ihre Wurzeln im Wort für 'Fleck' hat, verkörpert sie die Idee des ersten, ungeordneten Gedankens. Ob als Schmierheft für Schüler, Laborbuch für Wissenschaftler, Skizzenbuch für Künstler oder Vorbuch für Geschäftsleute – die Kladde ist ein vielseitiges und zeitloses Werkzeug, das Raum für Kreativität, Planung und Dokumentation bietet. Ihre Einfachheit, Robustheit und die Freiheit, sie nach Belieben zu füllen, machen sie auch im digitalen Zeitalter zu einem wertvollen Begleiter für jeden, der seine Gedanken festhalten möchte.
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