Warum heißt Wolgast Wolgast?

Wolgast: Name, Geschichte & Tor zu Usedom

01/10/2019

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Die charmante Kleinstadt Wolgast im Nordosten Deutschlands trägt nicht umsonst den Beinamen „Tor zur Insel Usedom“. Ihre besondere Lage am Peenestrom, jenem Mündungsarm der Oder und Peene, der das Festland von der beliebten Insel trennt, prägt seit jeher das Leben und die Bedeutung der Stadt. Doch Wolgast ist weit mehr als nur eine Durchgangsstation. Sie blickt auf eine reiche, vielschichtige Geschichte zurück, die sich in ihrem gut erhaltenen historischen Zentrum, dem geschäftigen Stadthafen und der bekannten Peene-Werft widerspiegelt. Viele Baudenkmale zeugen von vergangenen Zeiten und lassen Besucher erahnen, welch wichtige Rolle Wolgast einst spielte.

Warum heißt Wolgast Wolgast?
Der Name Wolgast könnte ein altpolabischer Personenname Voligost gewesen sein, dessen zweiter Namensteil gość die Bedeutung Gast, auch Freund hat.

Die Stadt teilt sich geografisch auf: Der größere Teil liegt westlich des Peenestroms auf dem Festland, während der Ortsteil Mahlzow östlich auf der Insel Usedom zu finden ist. Diese einzigartige Position, verbunden durch Brücken, festigte ihre Rolle als wichtige Verbindungsstelle und Handelsort.

Übersicht

Die Herkunft des Namens Wolgast

Der Name „Wolgast“ hat im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Wandlungen durchlaufen. Frühe urkundliche Erwähnungen zeigen Formen wie Hologost (1127), Hologosta (1165), Woligost, Wologost (1140), Wolegast (1229), Wolgust (1250) bis hin zur heutigen eingedeutschten Form Wolgast (erstmals 1189, dann wieder 1250, 1331). Auch die Burg, das „Castrum Waleguste“, wurde 1194 erwähnt.

Die genaue Bedeutung des Namens ist nicht endgültig geklärt, doch die Forschung geht von einem altpolabischen Ursprung aus. Eine verbreitete Theorie besagt, dass der Name auf einen Personennamen zurückgeht, möglicherweise „Voligost“. Der zweite Teil dieses Namens, „gość“, bedeutet im Slawischen „Gast“ oder auch „Freund“. Die erste Silbe „voli“ könnte sich vom slawischen Wort für „groß“ oder „besser“ ableiten. Demnach würde der Name jemanden bezeichnen, der einen großen/besseren Freund hat.

Eine andere Deutung stammt von Wilhelm Ferdinand Gadebusch. Auch er ging von „groß“ für die erste Silbe aus (woly). Den zweiten Teil, gast (polnisch gąszcz), interpretierte er jedoch als „Dickicht“ oder „Hain“. Nach dieser Lesart würde der Name Wolgast als „Großer Hain“ zu verstehen sein. Beide Theorien deuten auf eine slawische Besiedlung und Benennung des Ortes in vorchristlicher Zeit hin.

Wolgast im Mittelalter: Von slawischer Siedlung zur Herzogsresidenz

Die Gegend um Wolgast war ursprünglich Teil des Siedlungsgebietes der westslawischen Lutizen. Später fiel sie unter die Herrschaft des Herzogtums Pommern. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes datiert auf das Jahr 1123. Zu dieser Zeit war Wolgast bereits als wichtige Handels- und Zollstelle bekannt, was seine strategische Lage am Peenestrom unterstreicht.

Von besonderer historischer Bedeutung ist die Existenz eines Tempels, der dem slawischen Gott Jarovit geweiht war. Dieser Tempel befand sich vermutlich in Wolgast und wurde 1128 während der zweiten Missionsreise von Bischof Otto von Bamberg zerstört. Es wird angenommen, dass an dieser Stelle der Grundstein für die St.-Petri-Kirche gelegt wurde, die heute noch das Stadtbild prägt.

Der Kirchbau und ein südlich davon gelegener wendischer Rundling bildeten den Ursprung der mittelalterlichen Stadt. Im Jahr 1230 wurde letztmals ein Kastellan für Wolgast erwähnt, was auf den Übergang von einer Burgsiedlung zu einer städtischen Struktur hindeutet.

Die Verleihung der Stadtrechte erfolgte vermutlich zwischen 1250 und 1259. Ein Brief aus dem Jahr 1259, der „consules“ (Ratsherren) erwähnt, stützt diese Annahme. Eine Bestätigungsurkunde aus dem Jahr 1282 durch Herzog Bogislaw IV. belegt, dass die Stadtrechtsverleihung gemeinsam durch die Herzöge Barnim I. und Wartislaw III. erfolgte. Es ist davon auszugehen, dass diese Verleihung eine neue deutsche Stadt betraf, die mit einem regelmäßigen Straßennetz neben den bestehenden wendischen Siedlungen Kronwiek, Bauwiek und Fischerwiek geplant und angelegt wurde. 1282 erhielt Wolgast durch Herzog Bogislaw IV. eine Bestätigung des Lübischen Stadtrechts.

Eine der bedeutendsten Epochen für Wolgast begann 1295 nach der Teilung des Herzogtums Pommern in Pommern-Stettin und Pommern-Wolgast. Von 1295 bis 1625 war Wolgast Residenzstadt der Herzöge der Wolgaster Linie. Das Schloss Wolgast, ihre Residenz, galt als einer der bedeutendsten Renaissancebauten Norddeutschlands. Es befand sich auf der sogenannten Schlossinsel im Peenestrom. Obwohl das Schloss um 1820 vollständig aus dem Stadtbild verschwand (seine Steine wurden als Baumaterial genutzt), zeugen Bauwerke wie die Petrikirche mit der herzoglichen Gruft und die architektonisch bemerkenswerte Gertrudenkapelle auf dem alten Friedhof von dieser glanzvollen Zeit.

Wolgast war auch Mitglied der Hanse, dem mächtigen mittelalterlichen Städtebund. Innerhalb der Hanse erreichte Wolgast jedoch nie die überregionale Bedeutung manch anderer Hansestadt. Die Nähe der Herzogsresidenz führte dazu, dass die Stadt nicht das gleiche Maß an Unabhängigkeit und Selbstständigkeit erlangen konnte, wie es für viele andere Hansestädte charakteristisch war.

Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau: 16. bis 19. Jahrhundert

Die frühe Neuzeit brachte Wolgast erhebliche Herausforderungen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen. Am 2. September 1628 besiegten kaiserliche Truppen unter Wallenstein in der Schlacht bei Wolgast die dänischen Verteidiger unter König Christian IV. Nur zwei Jahre später, 1630, landete der schwedische König Gustav II. Adolf mit seiner Armee in Peenemünde, das damals zu Wolgast gehörte. Nach seinem Tod 1633 wurde sein Leichnam von Wolgast aus nach Schweden überführt.

Mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1648 fiel Wolgast, wie ganz Vorpommern, an Schweden und wurde Teil von Schwedisch-Pommern. Diese Zugehörigkeit dauerte bis zum Wiener Kongress 1815 an. Ab 1720 gewann Wolgast als Grenzstelle für die Ein- und Ausfahrt der Oder an Bedeutung, da die Swineausfahrt versandet war. Die Stadt profitierte von den erhobenen Zöllen und Steuern.

Ein einschneidendes Ereignis war die Brandschatzung durch den russischen Zaren Peter I. im Großen Nordischen Krieg im Jahr 1713. Bei diesem Angriff wurden das Residenzschloss endgültig zerstört und weite Teile der Stadt fast vollständig vernichtet. Das schwer beschädigte Schloss verfiel und diente fortan als Steinbruch für neue Gebäude in der Stadt und auf umliegenden Gütern. Dies erklärt, warum das heutige Stadtbild von Wolgast, trotz des weitgehend mittelalterlichen Straßennetzes, maßgeblich von barocker Architektur geprägt ist. Das historische Rathaus ist ein herausragendes Beispiel für diesen Baustil. Die St.-Petri-Kirche ist eines der wenigen erhaltenen gotischen Bauwerke, das dem Brand von 1713 entging.

Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts setzte ein neuer Aufschwung ein, getragen von Handel und aufkeimender Industrie. Speicher- und Handelshäuser wurden errichtet. Mitte des 19. Jahrhunderts verfügten die in Wolgast ansässigen Reeder über eine beachtliche Flotte von über 20 Handelsschiffen.

Charakteristisch für den alten Hafen waren die großen Getreidespeicher aus Fachwerk. Einer der bekanntesten, 1836 erbaut, soll die letzten Steine des ehemaligen Schlosses enthalten haben. Ein weiterer bedeutender Kornspeicher, 1843 für August Wilhelm Homeyer errichtet und nahe der Peene-Werft gelegen, wurde in der Nacht vom 6. auf den 7. Juni 2006 durch Brandstiftung zerstört – ein schmerzlicher Verlust für das historische Ensemble.

Wolgast im 20. und 21. Jahrhundert

Der Beginn des 20. Jahrhunderts brachte industrielle Entwicklungen nach Wolgast. Die Firma Pommerscher Industrie-Verein auf Actien, gegründet von Johannes Quistorp und später von seinem Sohn Martin geführt, nahm 1899 und 1901 zwei große Portlandzementfabriken in Betrieb. Sie nutzten Rügener Kreide als wichtigstes Rohmaterial, das per Schiff angeliefert wurde. Diese Fabriken konnten sich bis 1939 am Markt behaupten. Das Gelände wurde danach brachgelegt und während der DDR-Zeit von der Marine genutzt. Heute ist es Teil des Südhafen-Gewerbegebietes.

Den Zweiten Weltkrieg überstand Wolgast weitgehend unbeschadet. Die einzige größere Zerstörung war die Sprengung der Peenebrücke durch die Wehrmacht im April 1945. Die kampflose Übergabe der Stadt an die Rote Armee am 30. April 1945 verhinderte weitere Schäden.

In der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurde die Peene-Werft in Wolgast zu einem zentralen Wirtschaftsfaktor. Sie war auf den Militärschiffbau spezialisiert und beschäftigte zeitweise rund 3500 Mitarbeiter. Zudem wurde Wolgast zum Marinestützpunkt ausgebaut. Administrativ wurde Wolgast 1952 Kreisstadt des Kreises Wolgast im Bezirk Rostock. Die Einwohnerzahl stieg in dieser Periode deutlich an und erreichte bis 1989 etwa 17.000 Einwohner.

Nach der politischen Wende von 1989/90 begann eine Phase des Umbruchs. Ab 1991 wurden der historische Stadtkern und die Schlossinsel im Rahmen der Städtebauförderung umfassend saniert. Auch die benachbarten großen Wohngebiete erfuhren durch Stadtumbau- und Wohnumfeldverbesserungsmaßnahmen eine Sanierung. Mit der Wiedervereinigung wurden die Marinestreitkräfte abgezogen, was zusammen mit anderen wirtschaftlichen Veränderungen zu einem deutlichen Einwohnerverlust führte. Viele Menschen wanderten in andere Bundesländer ab oder zogen in kleinere Gemeinden im Umland.

Die Kreisgebietsreformen hatten ebenfalls Auswirkungen auf die administrative Zugehörigkeit Wolgasts. Bei der Kreisreform Mecklenburg-Vorpommern 1994 wurde der Kreis Wolgast mit den Kreisen Anklam und Greifswald-Land zum Landkreis Ostvorpommern zusammengefasst, dessen Kreissitz Anklam war. Mit der Kreisgebietsreform 2011 wurde Wolgast Teil des neu gebildeten Landkreises Vorpommern-Greifswald.

Eine besondere Auszeichnung erhielt die Stadt am 23. September 2008, als ihr von der Bundesregierung der Titel „Ort der Vielfalt“ verliehen wurde.

Ortsteile und Umgebung

Wolgast umfasst heute mehrere Ortsteile, die jeweils ihre eigene Geschichte und Entwicklung haben. Zu den eingemeindeten Orten gehören Buddenhagen und Hohendorf, die am 1. Januar 2012 Teil der Stadt Wolgast wurden. Buddenhagen wurde erstmals 1387 urkundlich erwähnt, Hohendorf 1319. Pritzier, erstmals 1618 genannt, war lange Zeit ein Gutssitz, der unter anderem im Besitz von Conrad Mardefelt und Carl Gustaf Wrangel war, bevor er zur Domäne wurde. Schalense, dessen urkundliche Erwähnung 1454 umstritten ist und das 1618 in der Lubinschen Karte erschien, war ein Vorwerk und später ein Gutsdorf. Zarnitz, der kleinste Ortsteil, wurde 1387 erwähnt und sein Name leitet sich vom slawischen Wort für „schwarz“ ab. Ursprünglich ein Vorwerk, entwickelte es sich zu einem Kolonistendorf und einer Streusiedlung.

Auch die Stadt selbst erweiterte sich durch neue Wohn- und Gewerbegebiete. Wolgast-Süd entstand um 1960, gefolgt von der Eigenheimsiedlung Tannenkamp um 1970. Wolgast-Nord wurde um 1980 als großer Plattenbau-Wohnbezirk errichtet. Nach 1990 entstand das Gewerbegebiet Am Schanzberg. Der frühere Wolgaster Stadtteil Wolgast-Fähre auf Usedom wurde dem späteren Ortsteil Mahlzow zugeschlagen.

Weitere Wohnplätze und Wüstungen in der Umgebung zeugen von früheren Besiedlungen und Nutzungen. Hohenfelde, erstmals 1859 genannt, beherbergte ein Forsthaus und ein Waldarbeitergehöft. Mahlzow auf Usedom, 1309 erstmals erwähnt und dessen Name wohl „klein“ bedeutet, war ursprünglich ein Straßendorf und Bauerndorf. Die wichtige Wolgaster Schanze befand sich leicht nördlich davon. Weidehof, erstmals 1859 erwähnt, war ein Vorwerk mit einer Ziegelei. In der Umgebung wurden auch frühzeitliche Funde gemacht, wie eine bronzezeitliche Knopfsichel. Verschiedene Wüstungen wie Hohestelle, Neuenzimmer, Mittelplatz und Ziese-Mühle weisen auf aufgegebene Siedlungen hin, oft Waldarbeitergehöfte oder Mühlenstandorte, die heute nicht mehr existieren.

Häufig gestellte Fragen zu Wolgast

Warum wird Wolgast als „Tor zur Insel Usedom“ bezeichnet?
Diese Bezeichnung rührt von seiner geografischen Lage her. Wolgast liegt am Peenestrom, der das Festland von der Insel Usedom trennt. Die beiden Brücken, die Usedom mit dem Festland verbinden, befinden sich in Wolgast, wodurch die Stadt zur wichtigsten Zugangsroute zur Insel wird.

Woher stammt der Name Wolgast?
Der Name hat slawische Wurzeln und ist vermutlich von einem altpolabischen Personennamen abgeleitet, möglicherweise „Voligost“. Eine Deutung bezieht sich auf „Gast“ oder „Freund“ (gość) und „groß“ oder „besser“ (voli), was „jemand, der einen großen/besseren Freund hat“ bedeuten könnte. Eine andere Deutung interpretiert den Namen als „Großer Hain“.

War Wolgast eine Herzogsresidenz?
Ja, Wolgast war von 1295 bis 1625 Sitz der Herzöge der Wolgaster Linie des Herzogtums Pommern. Das Schloss Wolgast auf der Schlossinsel diente ihnen als Residenz und war ein bedeutender Renaissancebau.

Was ist aus dem Schloss Wolgast geworden?
Das Schloss wurde bei der Brandschatzung durch Peter I. im Jahr 1713 schwer beschädigt und verfiel danach. Seine Steine wurden in der Folgezeit als Baumaterial für andere Gebäude in der Stadt und Umgebung genutzt. Um 1820 waren die letzten Reste aus dem Stadtbild verschwunden.

Gehörte Wolgast zur Hanse?
Ja, Wolgast war Mitglied der Hanse. Aufgrund seiner Rolle als Herzogsresidenz konnte die Stadt jedoch nicht die gleiche Unabhängigkeit und Bedeutung wie andere Hansestädte erlangen.

Welche Rolle spielte die Peene-Werft in Wolgast?
Die Peene-Werft war während der DDR-Zeit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber in Wolgast. Sie war auf den Militärschiffbau spezialisiert und beschäftigte Tausende von Mitarbeitern.

Zusammenfassung und Ausblick

Wolgast ist eine Stadt mit einer tiefen historischen Verwurzelung, die von ihrer strategischen Lage am Peenestrom und ihrer Rolle als „Tor zur Insel Usedom“ geprägt ist. Von einer slawischen Handels- und Zollstelle über die Zeit als bedeutende Herzogsresidenz und Hansestadt bis hin zu den Herausforderungen von Krieg und Zerstörung hat Wolgast eine wechselvolle Geschichte erlebt.

Die barocke Prägung des Stadtbildes nach der Zerstörung von 1713, die industrielle Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert sowie die Veränderungen während der DDR-Zeit und nach der Wiedervereinigung haben die Stadt geformt. Trotz des Einwohnerverlusts in den letzten Jahrzehnten bleibt Wolgast ein wichtiger regionaler Mittelpunkt und ein attraktiver Ort mit einem reichen kulturellen Erbe und einer malerischen Lage am Wasser.

Die Eingemeindung umliegender Dörfer wie Buddenhagen und Hohendorf hat die Stadtfläche vergrößert und weitere historische Siedlungsstrukturen in das Stadtgebiet integriert. Wolgast blickt auf eine lange und ereignisreiche Vergangenheit zurück, die eng mit der Geschichte Pommerns und der Entwicklung der Region verbunden ist.

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