08/05/2019
In einer Zeit, in der digitale Bewerbungen der Standard sind und Dokumente mit wenigen Klicks versendet werden, mag die Vorstellung eines handgeschriebenen Lebenslaufs vielleicht antiquiert erscheinen. Doch tatsächlich gibt es Situationen und Berufe, in denen genau diese Form der Bewerbung verlangt wird. Der Grund dafür liegt oft in der sogenannten Graphologie, einer Lehre, die versucht, aus der Handschrift Rückschlüsse auf die Persönlichkeit und den Charakter eines Menschen zu ziehen.
Für Bewerber bedeutet dies einen deutlichen Mehraufwand, birgt aber auch die Chance, sich auf eine Weise zu präsentieren, die über die reinen Fakten eines tabellarischen Lebenslaufs hinausgeht. Ein handgeschriebener Lebenslauf ist mehr als nur Text; er ist ein Stück Persönlichkeit auf Papier. Erfahren Sie hier, warum dieser besondere Lebenslauf manchmal gefordert wird, was Sie unbedingt beachten müssen und welche Inhalte darin Platz finden sollten – oder eben nicht.
- Warum wird ein handschriftlicher Lebenslauf verlangt?
- Was verrät Ihre Handschrift über Sie? Ein Blick in die Graphologie
- Vorteile und Chancen eines handschriftlichen Lebenslaufs
- Inhalt und Struktur: Was gehört in den handgeschriebenen Lebenslauf?
- Wichtige Tipps für das Schreiben eines handschriftlichen Lebenslaufs
- Was gehört NICHT in den handgeschriebenen Lebenslauf?
- Beispielhafte Struktur eines handgeschriebenen Lebenslaufs
- Häufig gestellte Fragen zum handgeschriebenen Lebenslauf
- Fazit
Warum wird ein handschriftlicher Lebenslauf verlangt?
Der Hauptgrund, warum Arbeitgeber oder Personaler einen handschriftlich verfassten Lebenslauf anfordern, ist die Möglichkeit der graphologischen Analyse. Anhänger dieser Methode glauben fest daran, dass die individuelle Handschrift eines Menschen tiefe Einblicke in dessen Wesen, Neigungen und sogar Fähigkeiten gewährt. Ein Graphologe untersucht dabei verschiedene Merkmale der Schrift, wie Größe, Neigung, Druck, Form der Buchstaben und den Fluss des Schreibens, um ein psychologisches Profil des Bewerbers zu erstellen.
Personalverantwortliche erhoffen sich durch diese Analyse, nicht nur die fachlichen Qualifikationen zu überprüfen, sondern auch einen besseren Eindruck von Soft Skills, Arbeitsweise und der allgemeinen Eignung des Kandidaten für die spezifische Stelle und das Unternehmensklima zu erhalten. Es geht darum, im wahrsten Sinne des Wortes „zwischen den Zeilen“ zu lesen und verborgene Aspekte der Persönlichkeit zu entdecken, die in einem standardisierten, maschinengeschriebenen Lebenslauf nicht sichtbar wären.
Was verrät Ihre Handschrift über Sie? Ein Blick in die Graphologie
Die Graphologie ordnet bestimmten Merkmalen der Handschrift bestimmte Charaktereigenschaften zu. Auch wenn diese Lehre nicht unumstritten ist und wissenschaftlich oft kritisch gesehen wird, so ist sie doch der Grund für die Anforderung handschriftlicher Lebensläufe. Arbeitgeber, die auf Graphologie setzen, werden Ihre Schrift nach solchen Merkmalen bewerten. Es ist hilfreich, einige der gängigen Interpretationen zu kennen, auch wenn Sie Ihre Handschrift nicht grundlegend ändern können (und auch nicht sollten, da das die Analyse verfälschen würde).
| Merkmal der Handschrift | Mögliche graphologische Interpretation |
|---|---|
| Kleine Schriftgröße | Kann auf Sorgfalt, Fleiß, aber auch Schüchternheit oder Zurückhaltung hindeuten. |
| Mittlere Schriftgröße | Wird oft mit Anpassungsfähigkeit und Ausgeglichenheit in Verbindung gebracht. |
| Schriftneigung nach rechts | Kann Offenheit für Neues, Interesse an Erfahrungen und emotionale Zugänglichkeit signalisieren. |
| Schriftneigung nach links | Wird manchmal als Hinweis auf Zurückhaltung, Vorsicht oder ein Bedürfnis nach Distanz interpretiert. |
| Schrift ohne Neigung (gerade) | Kann auf eine praktisch veranlagte, logisch denkende und objektive Person schließen lassen. |
| Runde Buchstaben | Wird oft mit Kreativität, künstlerischer Neigung oder Geselligkeit assoziiert. |
| Spitze/eckige Buchstaben | Kann auf analytisches Denken, Energie oder auch Hartnäckigkeit hindeuten. |
Es ist wichtig zu betonen, dass dies nur einige Beispiele sind und eine vollständige graphologische Analyse weitaus komplexer ist. Dennoch zeigt es, dass bei einem handschriftlichen Lebenslauf nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form – im Sinne der Schrift – Beachtung findet.
Vorteile und Chancen eines handschriftlichen Lebenslaufs
Auch wenn der Aufwand größer ist, bietet ein handschriftlicher Lebenslauf auch Vorteile für den Bewerber. Zum einen ermöglicht das narrative Format, im Gegensatz zum tabellarischen, eine ausführlichere Darstellung des eigenen Werdegangs, der Motivation und der persönlichen Stärken. Sie haben mehr Raum, Ihre Eignung und vor allem Ihre Persönlichkeit detaillierter zu beschreiben und zu unterstreichen, warum genau Sie der oder die Richtige für die Stelle sind.
Zum anderen können Sie durch eine sorgfältige und saubere Handschrift bereits positive Eindrücke vermitteln, unabhängig von graphologischen Interpretationen. Eine leserliche, ordentliche Schrift zeugt von Sorgfalt, Geduld und der Bereitschaft, sich Mühe zu geben – Eigenschaften, die in vielen Berufen hoch geschätzt werden. Es ist Ihre Chance, sich von der Masse digitaler Bewerbungen abzuheben und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Inhalt und Struktur: Was gehört in den handgeschriebenen Lebenslauf?
Obwohl die Form anders ist, unterscheidet sich der grundlegende Inhalt eines handschriftlichen Lebenslaufs nicht wesentlich von dem eines maschinengeschriebenen. Es geht darum, Ihre Eignung für die ausgeschriebene Stelle überzeugend darzulegen. Der Unterschied liegt primär in der Darstellung: Statt Stichpunkten wird der Werdegang in fließendem Text formuliert. Die wichtigsten Informationen, die enthalten sein müssen, sind:
- Persönliche Daten: Vollständiger Name, Geburtsdatum und -ort, aktuelle Adresse, Kontaktdaten (Telefonnummer, E-Mail-Adresse). Diese Informationen sind essentiell, damit der Arbeitgeber Sie erreichen kann.
- Schulischer Werdegang: Nennen Sie Ihre Schulbildung, beginnend mit dem höchsten Abschluss. Bei Berufsanfängern kann es sinnvoll sein, auch die besuchten Schulen aufzulisten, aber vermeiden Sie die Nennung der Grundschule, es sei denn, es gibt einen sehr spezifischen Grund dafür. Geben Sie die Abschlussart und das Datum des Abschlusses an.
- Beruflicher Werdegang: Listen Sie Ihre bisherigen beruflichen Stationen auf, Praktika und relevante Nebenjobs. Beschreiben Sie Ihre Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten in narrativer Form. Konzentrieren Sie sich auf Erfahrungen, die für die angestrebte Stelle relevant sind. Bei wenig Berufserfahrung können Sie auch allgemeine Erfahrungen (z.B. erste Teamarbeit, Kundenkontakt) hervorheben.
- Kenntnisse und Fähigkeiten: Erwähnen Sie relevante Sprachkenntnisse, EDV-Kenntnisse (z.B. MS Office, spezifische Software), Führerscheine oder andere Qualifikationen.
- Zusätzliche Qualifikationen/Interessen (optional): Freiwilliges Engagement, relevante Hobbys oder besondere Projekte können hier Erwähnung finden, sofern sie Ihre Eignung unterstreichen oder positive Soft Skills zeigen.
- Motivation und Ziele: Dies ist ein wichtiger Teil des handgeschriebenen Lebenslaufs. Erklären Sie, warum Sie sich für diese Stelle interessieren, was Sie antreibt und welche beruflichen Ziele Sie verfolgen.
Der handschriftliche Lebenslauf sollte in der Regel nicht länger als zwei DIN A4-Seiten sein. Bewerber mit wenig Berufserfahrung sollten versuchen, mit einer Seite auszukommen. Achten Sie darauf, den Lebenslauf mit dem aktuellen Datum, Ort und Ihrer Unterschrift zu versehen. Die Unterschrift bestätigt die Richtigkeit Ihrer Angaben und verleiht dem Dokument Offizialität.
Wichtige Tipps für das Schreiben eines handschriftlichen Lebenslaufs
Die Anfertigung eines überzeugenden handschriftlichen Lebenslaufs erfordert Sorgfalt und Vorbereitung:
- Vorschreiben am PC: Es ist ratsam, den Inhalt des Lebenslaufs zunächst am Computer zu formulieren und sorgfältig Korrektur zu lesen. So stellen Sie sicher, dass der Inhalt stimmt, die Struktur passt und keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler enthalten sind.
- Geeignetes Papier und Stift: Verwenden Sie hochwertiges, unliniertes DIN A4-Papier (kein Collegeblock-Papier!). Ein Füllfederhalter oder ein guter Kugelschreiber (schwarze oder dunkelblaue Tinte) sind ideal. Testen Sie den Stift vorher auf einem Schmierblatt, um sicherzustellen, dass er nicht kleckst oder kratzt.
- Übung macht den Meister: Bevor Sie den endgültigen Lebenslauf schreiben, üben Sie einzelne Absätze oder sogar den gesamten Text auf Schmierpapier. So bekommen Sie ein Gefühl für die Platzaufteilung und können sicherstellen, dass Ihre Schrift über die gesamte Länge gleichmäßig bleibt.
- Zeit nehmen und Ruhe bewahren: Schreiben Sie den Lebenslauf in einer ruhigen Umgebung, in der Sie ungestört sind. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit. Hektik führt leicht zu Fehlern oder einer unruhigen Schrift.
- Keine Korrekturen: Es dürfen keine Fehler (Schmierer, durchgestrichene Wörter, Tipp-Ex) auf dem endgültigen Dokument vorhanden sein. Wenn Sie sich verschreiben, müssen Sie leider von vorne beginnen. Das ist der Grund, warum Übung und Konzentration so wichtig sind.
- Leserlichkeit ist entscheidend: Auch wenn graphologische Aspekte eine Rolle spielen, ist das Wichtigste, dass Ihr Lebenslauf gut lesbar ist. Eine unleserliche Schrift kann schnell zum Ausschluss führen.
Was gehört NICHT in den handgeschriebenen Lebenslauf?
Genauso wichtig wie der Inhalt ist, was Sie weglassen. Einige Informationen sind irrelevant, zu persönlich oder werfen im schlimmsten Fall ein negatives Licht auf Sie:
- Zu persönliche Daten: Informationen wie Familienstand, Anzahl der Kinder, Beruf der Eltern, politische oder religiöse Zugehörigkeit, sexuelle Orientierung oder Herkunft gehören in der Regel nicht in den Lebenslauf. Das Gleichbehandlungsgesetz schützt Sie davor, aufgrund dieser Merkmale diskriminiert zu werden, und sie sind für die Eignung auf die Stelle irrelevant.
- Unvorteilhafte Hobbys: Während relevante Hobbys (z.B. Ehrenamt, Sport, jobbezogene Projekte) positiv wirken können, sollten Sie Freizeitaktivitäten wie „Party machen“, „Chillen“, „Netflix schauen“ oder risikoreiche Extremsportarten besser weglassen. Sie vermitteln keinen positiven Eindruck für den Job.
- Rechtschreib- und Tippfehler: Absolute No-Gos in jeder Bewerbung, besonders aber in einem handschriftlichen Dokument, wo sie besonders auffallen. Lassen Sie Ihren Text unbedingt von jemand anderem Korrektur lesen.
- Grundschule: Die Nennung der Grundschule ist überflüssig. Konzentrieren Sie sich auf die höheren Bildungsabschlüsse.
- Irrelevante Berufserfahrung: Wenn Sie bereits über relevante Berufserfahrung verfügen, müssen Sie nicht jeden Nebenjob aus Studienzeiten auflisten, besonders wenn er nichts mit der angestrebten Stelle zu tun hat. Fassen Sie irrelevante oder sehr kurze Tätigkeiten ggf. zusammen oder lassen Sie sie weg, solange keine Lücken entstehen.
- Überflüssige Informationen ohne Jobbezug: Details über Haustiere, Wohnort in der Kindheit oder Kenntnisse, die absolut keinen Bezug zur Stelle haben (z.B. fließend Klingonisch, wenn nicht für einen Übersetzerjob gesucht wird), sind unnötig und nehmen nur Platz weg.
- Ungenau Zeitangaben: Vermeiden Sie es, nur Jahreszahlen anzugeben. Geben Sie den Zeitraum Ihrer Anstellungen und Ausbildungen mit Monat und Jahr an (z.B. „August 2019 – Juli 2021“).
- Unprofessionelle Fotos: Falls Sie ein Foto mitschicken (oft optional, aber in manchen Ländern noch üblich), verwenden Sie ein professionelles Bewerbungsfoto. Selfies, Urlaubs- oder Partyfotos sind tabu.
- Erfundene Fähigkeiten oder Falschinformationen: Lügen im Lebenslauf fallen früher oder später auf und führen zur sofortigen Disqualifikation oder schlimmeren Konsequenzen. Geben Sie nur Fähigkeiten und Erfahrungen an, die Sie tatsächlich besitzen.
- Referenzen und Details: Die genaue Adresse des früheren Arbeitgebers oder der Name des ehemaligen Chefs müssen nicht im Lebenslauf stehen. Wichtiger sind die beschriebenen Tätigkeiten. Referenzen werden oft erst später im Bewerbungsprozess angefragt.
Beispielhafte Struktur eines handgeschriebenen Lebenslaufs
Ein handgeschriebener Lebenslauf folgt oft einer chronologischen oder funktionalen Struktur, ist aber als fortlaufender Text formuliert. Hier ist eine mögliche Gliederung, inspiriert durch das bereitgestellte Beispiel:
- Einleitung/Persönliche Daten: Beginnen Sie mit Ihrem Namen, Geburtsdatum und -ort, Adresse und Kontaktdaten.
- Schulbildung: Beschreiben Sie Ihren schulischen Werdegang, beginnend mit dem höchsten Abschluss.
- Beruflicher Werdegang: Führen Sie Ihre bisherigen Anstellungen, Praktika etc. auf und beschreiben Sie Ihre Aufgaben und Erfolge.
- Kenntnisse und Fähigkeiten: Listen Sie Ihre relevanten Kenntnisse auf (Sprachen, EDV, Führerscheine etc.).
- Zusätzliche Erfahrungen/Interessen (optional): Erwähnen Sie hier relevante ehrenamtliche Tätigkeiten, Hobbys oder besondere Projekte.
- Motivation: Erklären Sie kurz, warum Sie sich für die Stelle bewerben und was Sie dazu motiviert.
- Abschluss: Fügen Sie das aktuelle Datum, den Ort und Ihre Unterschrift hinzu.
Denken Sie daran, dass jeder Abschnitt fließend in den nächsten übergehen sollte, wie in einem kurzen Bericht oder Aufsatz über sich selbst.
Häufig gestellte Fragen zum handgeschriebenen Lebenslauf
Muss mein Lebenslauf maschinenschriftlich sein?
Nein, es gibt rechtlich keine Vorschrift, dass ein Lebenslauf maschinenschriftlich sein muss. Er kann sowohl maschinenschriftlich als auch handschriftlich verfasst sein. Wichtig ist jedoch, dass er unterschrieben ist.
Gehören Hobbys in den handgeschriebenen Lebenslauf?
Das kommt auf die Hobbys an. Hobbys, die Ihre Fähigkeiten unterstreichen oder positive Eigenschaften zeigen (z.B. freiwilliges Engagement, Mannschaftssport, jobbezogene Projekte), können Sie erwähnen. Unvorteilhafte oder irrelevante Hobbys sollten Sie weglassen.
Sollte ich meinen Familienstand oder Kinder im Lebenslauf angeben?
Nein, sehr persönliche Informationen wie Familienstand, Kinder, Beruf der Eltern, politische Überzeugung, sexuelle Orientierung oder Herkunft sind für die Bewerbung irrelevant und sollten aus Gründen der Gleichbehandlung nicht angegeben werden.
Welche Ausbildungen muss ich im Lebenslauf aufführen?
Konzentrieren Sie sich auf die relevanten Ausbildungen und den höchsten erreichten Abschluss (z.B. Abitur, Studienabschluss, Berufsabschluss). Die Grundschule wird in der Regel nicht aufgeführt.
Fazit
Der handgeschriebene Lebenslauf ist eine besondere Form der Bewerbung, die heutzutage seltener verlangt wird, aber immer noch vorkommt, insbesondere wenn eine graphologische Analyse gewünscht ist. Er bietet die Chance, Ihre Persönlichkeit stärker einzubringen und sich durch Sorgfalt und Mühe von anderen Bewerbern abzuheben. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die Erstellung, achten Sie auf eine saubere und leserliche Schrift, vermeiden Sie Fehler und konzentrieren Sie sich auf relevante Informationen. Indem Sie die hier genannten Tipps befolgen und wissen, welche Inhalte Sie weglassen sollten, können Sie auch mit einem handschriftlichen Lebenslauf einen überzeugenden Eindruck hinterlassen und Ihre Chancen auf die Einladung zum Vorstellungsgespräch erhöhen.
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