Ist ein Berührungsschutz bei Steckdosen sinnvoll?

Steckdosen: Berührungsschutz & Kindersicherheit

16/05/2023

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Elektrische Steckdosen sind allgegenwärtig – in Büros, Schulen, Kindergärten und natürlich Zuhause. Sie versorgen uns mit notwendiger Energie für unsere Geräte, bergen aber auch erhebliche Gefahren, insbesondere für neugierige Kinder. Die Frage nach effektivem Berührungsschutz und echter Kindersicherheit ist daher von zentraler Bedeutung. Doch was bedeuten diese Begriffe wirklich, und können wir uns auf die oft beworbenen Schutzmechanismen verlassen?

Leider zeigt die Praxis, dass die Realität komplexer ist als einfache Werbeversprechen. Ein Vorfall in einer Kindertagesstätte hat die Aufmerksamkeit auf die Art und Weise gelenkt, wie die Sicherheit von Steckdosen kommuniziert wird, und offenbart die potenziellen Gefahren, die trotz vermeintlicher Schutzvorrichtungen bestehen können.

Was tun, wenn das Kind in die Steckdose fasst?
Wähle sofort den Notruf 112. Bei jeder Stromverletzung solltest du zügig eine Kinderarztpraxis oder das Krankenhaus aufsuchen, denn manchmal treten Herzrhythmus-Störungen erst später auf.
Übersicht

Was bedeutet Berührungsschutz bei Steckdosen?

Berührungsschutz ist ein grundlegendes Sicherheitsprinzip in der Elektrotechnik. Es geht darum, zu verhindern, dass Personen unbeabsichtigt oder absichtlich spannungsführende Teile berühren können. Bei Steckdosen wird dies typischerweise durch die Konstruktion der Buchse erreicht, die den Zugang zu den Kontakten erschwert, solange kein Stecker eingeführt ist.

Viele moderne Steckdosen verfügen über integrierte Mechanismen, oft als „Shutter“ bezeichnet, die die Kontakteintrittslöcher verschließen und erst beim gleichzeitigen und gleichmäßigen Druck eines Steckers öffnen. Diese Shutter sollen den direkten Zugang zu den stromführenden Teilen verhindern und stellen eine Form des integrierten Berührungsschutzes dar.

Die Problematik der Bewerbung als „kindersicher“

Genau hier beginnt die Problematik, wie sie durch den besagten Unfall deutlich wurde. Steckdosen mit integriertem Shutter werden häufig mit Begriffen wie „kindersicher“, mit „Kinderschutz“ oder ähnlichen Formulierungen beworben. Dies suggeriert Verbrauchern, dass diese Steckdosen einen umfassenden Schutz für Kinder bieten und dass Kinder sie unbeaufsichtigt und gefahrlos nutzen oder zumindest in ihrer Nähe spielen könnten.

Die Marktaufsichtsbehörden und Institutionen wie der VDE weisen jedoch darauf hin, dass diese Bewerbung als irreführend einzustufen ist. Der integrierte Shutter, der primär als Berührungsschutz für den Normalgebrauch konzipiert ist, bietet keinen absoluten Schutz gegen das Einführen von Gegenständen durch Kinder, insbesondere wenn diese dünn und biegsam sind, wie beispielsweise ein Pfeifenreiniger oder eine Stricknadel.

Ein tragischer Unfall als Weckruf

Der zugrunde liegende Unfall in der Kindertagesstätte ist ein ernstes Beispiel für diese Problematik. Ein Kind soll beim Spielen mit einem zu Bastelzwecken verwendeten Pfeifenreiniger an aktive Teile einer VDE-zertifizierten Steckdose mit Shutter geraten sein. Die Steckdose wurde nach Aussage des Betreibers explizit wegen des angepriesenen „Kinderschutzes“ ausgewählt. Dieser Vorfall zeigt auf schockierende Weise, dass das Vertrauen in die beworbene „Kindersicherheit“ fatal sein kann.

Die VDE Zertifizierung einer Steckdose bescheinigt die Einhaltung bestimmter technischer Normen und Sicherheitsanforderungen für den vorgesehenen Gebrauch. Sie ist jedoch keinesfalls als Nachweis eines umfassenden „Kinderschutzes“ in dem Sinne geeignet, dass Kinder keiner Gefahr ausgesetzt wären, wenn sie versuchen, Gegenstände in die Steckdose einzuführen.

Konsequenzen für die Verwendung des VDE-Zeichens

Als direkte Reaktion auf diesen und ähnliche Vorfälle hat das VDE-Institut klargestellt, dass die Verwendung des VDE Zertifizierungszeichens für eine Steckdose mit Shutter in Verbindung mit Begriffen wie „kindersicher“, „Kinderschutz“ oder Ähnlichem als missbräuchliche Benutzung des VDE Zeichens gewertet wird. Dies kann zum Entzug des VDE Zeichens führen. Diese Vorgehensweise wird vom VDE-Institut seit dem 1. Juli 2020 aktiv verfolgt.

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Dies unterstreicht die Bedeutung einer präzisen und nicht irreführenden Kommunikation von Produktsicherheitseigenschaften. Verbraucher, sei es im privaten Haushalt oder in öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten, müssen korrekte Informationen erhalten, um fundierte Entscheidungen zum Schutz von Kindern treffen zu können.

Neue Normen für erhöhte Sicherheit

Wegen des beschriebenen ernsten Zwischenfalls und zur Erhöhung der Sicherheit wurden die relevanten Normen angepasst. Sämtliche Neuzertifizierungen von Steckdosen mit Shutter (und auch Aktualisierungen bestehender Zertifikate) erfolgen nun ausschließlich auf Grundlage der neuen Norm DIN VDE 0620-1 VDE 0620-1:2021-02.

Diese neue Norm verschärft die Anforderungen an den Berührungsschutz. Demnach dürfen unter Verwendung der Lehre 13 – einem speziellen Prüfkörper zur Simulation des Zugangs kleiner Gegenstände – sowohl über die Kontakteintrittslöcher als auch über alle weiteren im Einbauzustand zugänglichen Öffnungen der Steckdose keine spannungsführenden Teile berührbar sein. Dies ist ein wichtiger Schritt, um den Schutz vor dem Einführen von dünnen Gegenständen zu verbessern und die tatsächliche Sicherheit von Steckdosen zu erhöhen, auch wenn der Begriff „kindersicher“ weiterhin kritisch zu sehen ist.

Warum sind Steckdosen so gefährlich für Kinder?

Kinder sind naturgemäß neugierig und erkunden ihre Umgebung mit Händen und Mund. Steckdosen und elektrische Geräte üben oft eine besondere Anziehungskraft auf sie aus. Die Gefahr eines Stromunfalls ist dabei immens. Schon geringe Stromstärken können für den kleinen Körper eines Kindes lebensbedrohlich sein.

Besonders gefährlich wird es, wenn Feuchtigkeit oder Wasser im Spiel sind, da dies die Leitfähigkeit erhöht. Bei einem Stromschlag können schwerwiegende physiologische Reaktionen auftreten. Dazu gehören lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, die den Sauerstofftransport im Körper beeinträchtigen und schnell zum Tod führen können. Neben diesen inneren, oft unsichtbaren Verletzungen kann Strom auch zu Verbrennungen führen. Dabei können kleine, äußerlich sichtbare Brandmale über deutlich schwerere innere Gewebeschäden hinwegtäuschen.

Was tun, wenn das Kind in die Steckdose fasst?

Ein Stromunfall bei einem Kind ist ein absoluter Notfall. Schnelles und korrektes Handeln ist entscheidend:

  1. Trennen Sie das Kind sofort von der Stromquelle: Benutzen Sie dabei niemals Ihre bloßen Hände! Ziehen Sie den Stecker des betreffenden Geräts aus der Steckdose, schalten Sie die Sicherung im Sicherungskasten aus oder verwenden Sie einen nicht leitenden Gegenstand (z. B. einen Besenstiel aus Holz oder Plastik), um das Kind von der Stromquelle wegzuziehen.
  2. Rufen Sie sofort den Notarzt (112): Auch wenn das Kind äußerlich unverletzt erscheint oder nur leicht reagiert, ist eine sofortige medizinische Untersuchung unerlässlich. Stromschläge können innere Verletzungen verursachen, die erst später symptomatisch werden.
  3. Überprüfen Sie die Lebenszeichen: Prüfen Sie, ob das Kind bei Bewusstsein ist, atmet und einen Puls hat.
  4. Leisten Sie Erste Hilfe: Beginnen Sie bei Bedarf sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen (Herz-Lungen-Wiederbelebung), wenn das Kind nicht atmet und keinen Puls hat, bis professionelle Hilfe eintrifft.
  5. Kühlen Sie Verbrennungen: Falls sichtbare Verbrennungen vorhanden sind, kühlen Sie diese vorsichtig mit kühlem, aber nicht eiskaltem Wasser für etwa 10 Minuten. Bedecken Sie die Wunde dann steril.

Vorsorge ist jedoch immer der beste Schutz. Neben der Installation von Steckdosen, die den neuesten Sicherheitsnormen entsprechen, ist die ständige Aufsicht von Kindern in der Nähe elektrischer Geräte und Steckdosen unerlässlich.

Häufig gestellte Fragen zu Steckdosen und Kindersicherheit

Sind alle Steckdosen mit Shutter „kindersicher“?

Nein. Wie der VDE und die Marktaufsichtsbehörden betonen, ist die Bewerbung von Steckdosen mit Shutter als „kindersicher“ oft irreführend. Der Shutter bietet einen Berührungsschutz für den Normalgebrauch, schützt aber nicht zwangsläufig vor dem gezielten Einführen dünner Gegenstände durch Kinder. Der Begriff „kindersicher“ suggeriert einen Schutz, der in dieser absoluten Form nicht gegeben ist.

Ist es gesund, High Heels zu tragen?
Das Tragen von High Heels kann langfristig zu erheblichen Schäden an den Füßen führen. Viele Frauen leiden unter häufigen Fußproblemen wie Hallux valgus, Fersensporn und Zehenfehlstellungen, die nicht nur unangenehm sind, sondern auch die Lebensqualität beeinträchtigen.

Reicht die VDE-Zertifizierung als Nachweis für Kindersicherheit aus?

Nein. Die VDE-Zertifizierung bestätigt die Einhaltung technischer Sicherheitsnormen, nicht jedoch einen umfassenden Schutz für Kinder vor allen möglichen Manipulationen. Die Verwendung des VDE-Zeichens in Verbindung mit Begriffen wie „kindersicher“ wird vom VDE-Institut als missbräuchlich eingestuft, da sie eine Sicherheit suggeriert, die über die zertifizierten Eigenschaften hinausgeht.

Was besagt die neue Norm DIN VDE 0620-1:2021-02?

Die neue Norm verschärft die Anforderungen an den Berührungsschutz. Sie verlangt, dass auch mit einem speziellen Prüfkörper (Lehre 13) keine spannungsführenden Teile über zugängliche Öffnungen der Steckdose berührt werden können. Dies verbessert den Schutz vor dem Einführen dünner Gegenstände, bietet aber weiterhin keinen absoluten Schutz gegen jede Form der Manipulation durch Kinder.

Was sind die Hauptgefahren eines Stromunfalls bei Kindern?

Die Hauptgefahren sind schwere Herzrhythmusstörungen, die den Sauerstofftransport im Körper unterbrechen können und schnell lebensbedrohlich sind, sowie innere Verbrennungen, die äußerlich oft harmloser aussehen als sie sind. Wasser erhöht die Gefahr erheblich.

Welche zusätzlichen Maßnahmen zum Schutz von Kindern gibt es?

Neben dem Einsatz von Steckdosen, die den neuesten Sicherheitsnormen entsprechen, ist die ständige Aufsicht von Kindern in der Nähe elektrischer Anlagen und Geräte unerlässlich. Zusätzliche mechanische Kindersicherungen, die in die Steckdose gesteckt werden, können eine weitere Barriere darstellen, ersetzen aber nicht die Notwendigkeit der Aufsicht und des Bewusstseins für die potenziellen Gefahren.

Fazit

Während der integrierte Shutter in vielen Steckdosen einen wichtigen Berührungsschutz bietet und die Gefahr im normalen Gebrauch reduziert, ist die alleinige Bewerbung als „kindersicher“ irreführend und potenziell gefährlich. Echte Sicherheit für Kinder erfordert mehr als nur technische Schutzvorrichtungen. Es bedarf der Einhaltung strenger Normen wie der neuen DIN VDE 0620-1, einer ehrlichen Kommunikation über die Grenzen des Schutzes und vor allem ständiger Aufmerksamkeit und Aufklärung.

Für Einrichtungen wie Büros, Schulen oder Kindergärten, aber auch für Privathaushalte ist es essenziell, sich auf die tatsächlichen Prüfnormen zu verlassen und nicht auf vereinfachende, potenziell falsche Werbeversprechen. Die Sicherheit unserer Kinder hat oberste Priorität und erfordert ein umfassendes Verständnis der bestehenden Risiken und Schutzmaßnahmen.

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