21/01/2020
Die Namen Leitz und Leica sind in ihren jeweiligen Bereichen – sei es Präzisionsoptik oder Fotografie – weltbekannt. Oftmals stellt sich die Frage nach der Verbindung zwischen diesen beiden Marken. Die Antwort liegt tief in der deutschen Industriegeschichte und beginnt in der Stadt Wetzlar, einem traditionellen Zentrum optischer Technologien.

Die Wurzeln des Optischen Instituts
Die Geschichte, die Leitz und Leica verbindet, beginnt lange bevor die erste Leica-Kamera das Licht der Welt erblickte. Im Jahr 1849 gründete Carl Kellner in Wetzlar das „Optische Institut“. Kellner war ein Mathematiker und Optiker, dessen Ziel es war, optische Instrumente von höchster Präzision zu fertigen. Sein Institut erwarb sich schnell einen guten Ruf für die Qualität seiner Mikroskope.
Nach Kellners frühem Tod übernahm zunächst seine Witwe die Leitung, doch die Zukunft des Instituts war unsicher. Hier tritt Ernst Leitz (1843-1920) auf den Plan. Leitz, ein gelernter Mechaniker, trat 1864 in das Institut ein und bewies rasch sein Können und seinen Unternehmergeist. Im Jahr 1869 übernahm er schließlich das Unternehmen vollständig und führte es unter dem Namen „Ernst Leitz, Optisches Institut“ weiter. Unter seiner Führung expandierte das Unternehmen und etablierte sich als führender Hersteller von Mikroskopen und anderen optischen Geräten.
Ernst Leitz II trifft eine wegweisende Entscheidung
Nach dem Tod von Ernst Leitz I im Jahr 1920 übernahm sein Sohn Ernst Leitz II (1871-1956) die alleinige Leitung des Unternehmens. Ernst Leitz II führte das Erbe seines Vaters fort, war aber auch offen für Innovationen, die über das traditionelle Geschäft mit Mikroskopen hinausgingen. In dieser Zeit arbeitete ein Mitarbeiter des Unternehmens namens Oskar Barnack an einer revolutionären Idee.
Oskar Barnack (1879-1936) war ein Pionier der Kleinbildfotografie. Er litt an Asthma und suchte nach einer leichteren und kompakteren Kamera als die damals üblichen Plattenkameras. Seine Idee war es, handelsüblichen 35mm-Kinofilm für Einzelbilder zu nutzen. Er entwickelte einen Prototyp einer Kamera, die genau das tat – die sogenannte „Ur-Leica“. Dieser Prototyp war zunächst nicht für die Serienproduktion gedacht, sondern diente Barnack als Belichtungsmesser für Kinofilm.
Doch Ernst Leitz II erkannte das Potenzial dieser Erfindung. Trotz der Skepsis vieler Berater und der wirtschaftlich schwierigen Zeit (Deutschland litt unter Inflation), traf er im Jahr 1924 eine mutige und weitsichtige Entscheidung: Der von Barnack entwickelte „Apparat“ sollte in Serie gefertigt werden. Diese Entscheidung war ein Wendepunkt für das Unternehmen und die Geschichte der Fotografie.
Die Geburt der Leica Kamera
Mit der Serienproduktion im Jahr 1925 unter dem Namen „Leica“ (eine Kombination aus Leitz und Camera) begann eine neue Ära der Fotografie. Die Leica I war kompakt, relativ leicht zu bedienen und nutzte den bereits weit verbreiteten 35mm-Film. Sie revolutionierte die Reportage-, Reise- und Alltagsfotografie, da sie es Fotografen ermöglichte, unauffälliger und spontaner zu arbeiten.
Die Leica Kamera wurde schnell zum Erfolg und begründete den legendären Ruf der Marke für Qualität, Präzision und Innovation. Sie war nicht nur ein technisches Meisterwerk, sondern auch ein kulturelles Phänomen, das die Art und Weise, wie Menschen fotografierten und die Welt sahen, veränderte. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Leica zunächst ein Produkt, eine Sparte innerhalb des Leitz-Unternehmens war, das weiterhin auch Mikroskope und andere optische Instrumente herstellte.
Die Ära der Söhne und die Weiterentwicklung
Nach Ernst Leitz II traten nacheinander seine drei Söhne – Ernst Leitz III, Ludwig Leitz und Günther Leitz – in das Unternehmen ein und übernahmen die Leitung. Sie führten das Erbe der Familie fort und bauten sowohl das Optikgeschäft als auch die Kamerproduktion weiter aus. Unter ihrer Führung entwickelte sich die Leica-Kamera weiter, mit Modellen, die neue Standards setzten, wie die Leica II (mit eingebautem Entfernungsmesser) und die Leica III (mit langsamen Verschlusszeiten).
Bis ins Jahr 1956, dem Endpunkt des uns vorliegenden Zeitraums, war das Unternehmen Ernst Leitz Wetzlar sowohl ein führender Hersteller von optischen Instrumenten als auch ein Synonym für hochwertige Kameras. Die Entscheidung von Ernst Leitz II, Barnacks Erfindung zur Serienreife zu bringen, hatte das Unternehmen auf einen neuen und äußerst erfolgreichen Weg geführt.
Die Verbindung zwischen Leitz und Leica ist also eine der Herkunft: Die weltberühmte Leica-Kamera wurde im Optischen Institut Ernst Leitz in Wetzlar entwickelt und von Ernst Leitz II zur Serienproduktion freigegeben. Leica war über Jahrzehnte ein integraler Bestandteil des Leitz-Unternehmens, bevor sich die Geschäftsbereiche in späterer Zeit strukturell weiterentwickelten.
Zusammenfassung der Schlüsseldaten
Um die historische Verbindung noch klarer zu machen, hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse:
| Jahr | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1849 | Gründung des Optischen Instituts durch Carl Kellner in Wetzlar. | Die Keimzelle des späteren Leitz-Unternehmens. |
| 1869 | Ernst Leitz I übernimmt das Optische Institut. | Das Unternehmen wird unter dem Namen Leitz fortgeführt und ausgebaut. |
| 1920 | Ernst Leitz II übernimmt die alleinige Leitung. | Die Ära, in der die Entscheidung für die Kamera fallen wird, beginnt. |
| Ca. 1913-1924 | Oskar Barnack entwickelt den Prototyp der Kleinbildkamera. | Die technische Grundlage für die Leica wird geschaffen. |
| 1924 | Ernst Leitz II entscheidet sich für die Serienfertigung der Kamera. | Die entscheidende Weichenstellung für die Geburt der Marke Leica. |
| 1925 | Die Leica I kommt auf den Markt. | Beginn der Leica-Erfolgsgeschichte. |
| Bis 1956 | Die Söhne von Ernst Leitz II übernehmen schrittweise die Führung. | Fortsetzung der Familientradition und Weiterentwicklung beider Geschäftsbereiche. |
Diese Tabelle verdeutlicht, wie die Leica-Kamera direkt aus dem Leitz-Unternehmen und den Entscheidungen der Leitz-Familie hervorgegangen ist.
Häufig gestellte Fragen zur Verbindung Leitz & Leica
Die gemeinsame Geschichte führt oft zu Fragen. Hier sind einige Antworten auf die häufigsten:
War Leica schon immer eine eigene Firma?
Nein. Anfangs war Leica ein Produktname und eine Sparte innerhalb des Unternehmens Ernst Leitz Wetzlar. Die Ausgliederung oder strukturelle Trennung der Geschäftsbereiche erfolgte erst sehr viel später in der Geschichte.
Wer hat die Leica Kamera erfunden?
Die grundlegende Idee und der erste funktionierende Prototyp (die Ur-Leica) stammen von Oskar Barnack, einem Mitarbeiter des Leitz-Unternehmens.
Wann wurde die Entscheidung getroffen, die Leica in Serie zu bauen?
Die wegweisende Entscheidung zur Serienfertigung wurde von Ernst Leitz II im Jahr 1924 getroffen.
Was stellte das Unternehmen Leitz vor der Leica her?
Das Unternehmen, das ursprünglich von Carl Kellner gegründet und dann von Ernst Leitz I übernommen wurde, war primär auf die Herstellung hochwertiger optischer Instrumente spezialisiert, insbesondere von Mikroskopen.
Welche Rolle spielte Ernst Leitz II?
Ernst Leitz II war der Sohn des Firmengründers und traf die entscheidende unternehmerische Entscheidung, Barnacks Prototyp in Serie zu produzieren. Ohne seinen Weitblick und seinen Mut gäbe es die Leica-Kamera in der Form, wie wir sie kennen, wahrscheinlich nicht.
Die Geschichte von Leitz und Leica ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Innovation, unternehmerischer Mut und präzise Handwerkskunst zu Produkten führen können, die ganze Industrien prägen und weltweiten Ruhm erlangen. Die Verbindung ist nicht nur historischer Natur, sondern erzählt auch die Geschichte einer Familie und eines Unternehmens, das bereit war, neue Wege zu gehen.
Während sich das Unternehmen Leitz in späteren Jahrzehnten auch als führender Anbieter von Büroartikeln wie Ordnern und Heftern etablierte – ein Bereich, der heute oft stärker mit dem Namen Leitz assoziiert wird – liegen die gemeinsamen Wurzeln mit der Kameramarke Leica fest im Bereich der optischen Präzisionsinstrumente des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Wetzlar. Die Leica-Kamera ist und bleibt ein direktes Erbe des ursprünglichen Optischen Instituts und der Vision der Familie Leitz.
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