Martin Luthers Umfassendes Schriftwerk

10/11/2015

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Martin Luther, eine zentrale Figur der Reformation, hinterließ ein außerordentlich umfangreiches schriftliches Werk, das bis heute von immenser Bedeutung ist. Sein Leben lang verfasste er theologische Abhandlungen, die das Verständnis des Christentums grundlegend veränderten. Hinzu kamen zahlreiche politische Schriften und scharfe Streitschriften, die sich aus seinen Engagements und Auseinandersetzungen ergaben. Dank der damals aufkommenden Druckkunst konnten seine lateinischen und deutschen Schriften schnell und weit verbreitet werden, was ihre Wirkung vervielfachte.

Was waren die wichtigsten Werke von Martin Luther?
EINTRÄGE IN DER KATEGORIE „WERK VON MARTIN LUTHER“Ach Gott, vom Himmel sieh darein.An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung.Aus tiefer Not schrei ich zu dir.

Das Werk Luthers ist beachtlich. Zählt man auch die mehr oder weniger genauen Mitschriften seiner Reden hinzu, kommt man auf über 600 Titel. Als Theologe, Prediger und Schriftsteller verstand es Luther, selbst schwierige und komplexe Themen in einer vergleichsweise einfachen und zugänglichen Sprache auszudrücken, sei es in Latein oder Deutsch. Der Dominikaner Yves Congar bezeichnete Luther treffend als „eins der größten religiösen Genien der Geschichte“, der das Christentum „neu durchdacht“ habe. Luthers Hauptschriften lassen sich verschiedenen Gattungen zuordnen, die im Folgenden näher beleuchtet werden.

Übersicht

Theologische Schriften

Ein Eckpfeiler von Luthers Werk ist zweifellos seine Bibelübersetzung. Während seines Aufenthalts auf der Wartburg, unter dem Schutz von Kurfürst Friedrich dem Weisen von Sachsen, übersetzte Luther das Neue Testament ins Deutsche. Dieses Werk, das im September 1522 mit einem Vorwort Luthers und Illustrationen von Lucas Cranach erschien, gilt als sein erstes großes Werk. Die vollständige Übersetzung der Bibel wurde schließlich im Jahr 1534 fertiggestellt. Die weite Verbreitung der Lutherbibel durch die Druckkunst machte die Heilige Schrift einem breiten Publikum im deutschen Sprachraum zugänglich. Darüber hinaus trug Luthers Übersetzung maßgeblich zur Standardisierung und Entwicklung des Hochdeutschen bei.

Neben der Bibelübersetzung hinterließ Luther eine große Zahl an Predigten, die zumeist in deutscher Sprache gehalten wurden. Diese Predigten behandelten eine Vielzahl von Themen, darunter:

  • Sieben Predigten (Wittenberg 1522) über das Verhältnis von Glaube und Nächstenliebe.
  • Von zweierlei Gerechtigkeit, in der Luther die Gerechtigkeit Christi der menschlichen Gerechtigkeit gegenüberstellt.
  • Von der Betrachtung des heiligen Leidens Christi.
  • Vom Ehestand.
  • Von Gebet und Prozession in der Kreuzwoche (vor der Auferstehung, im Hinblick auf die Ernte).
  • Von der Vorbereitung zum Sterben.
  • Vom Sakrament der Buße.
  • Von dem heiligen hochwürdigen Sakrament der Taufe.
  • Von dem hochwürdigen Sakrament des heiligen wahren Leichnams Christi und von den Bruderschaften.
  • Vom Wucher (drei Predigten).
  • Von dem Neuen Testament.

Lehrschriften

Zu den dogmatischen und lehrhaften Werken Luthers zählen neben seinen Abhandlungen auch seine umfangreiche Korrespondenz und weitere Streitschriften. In der Vorrede auf die Epistel S. Paul an die Römer, verfasst zwischen 1513 und 1515, grenzte sich Luther von der mittelalterlichen theologischen Tradition ab. Sein Ziel war es, die Botschaft des Apostels Paulus klarer zu erklären: Er betonte, dass die Gerechtigkeit dem Menschen aus dem Glauben erwächst und nicht aus eigenem Willen, eigener Kraft oder der menschlichen Natur. Durch eine „neue geistliche Geburt im Glauben“ werde der Mensch ohne Sünde und fähig zum Handeln.

Im Sermon von den guten Werken (1520) legte Luther dar, dass die Seligkeit allein aus dem Glauben resultiert. Er argumentierte, dass „alle anderen Werke [die menschliche Natur betreffend] ein Heide, Jude, Türke oder Sünder auch tun“ könne. Aber das feste Vertrauen darauf, dass man Gott wohlgefällt, sei nur einem Christen möglich, der durch Gottes Gnade erleuchtet und gefestigt sei. Die guten Werke in Kirche und Gesellschaft, so Luther, müssten notwendigerweise aus dem Glauben hervorgehen, während Werke für sich genommen nicht zur Seligkeit führen könnten.

Eine weitere wichtige Schrift ist Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche (1520). Darin setzte sich Luther kritisch mit der Sakramentenlehre auseinander. Von den damals üblichen sieben Sakramenten behielt er nur die Taufe und das Abendmahl bei. Das Bußsakrament ließ er zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch gelten. Die vier anderen, kirchlich verwalteten Sakramente – Firmung, Letzte Ölung, Priesterweihe und Ehe – lehnte er hingegen ab. Insbesondere kritisierte er das Abendmahl als unvollständig und seines Sinnes beraubt, wenn der Laienkelch, also der Wein, den Priestern vorbehalten blieb.

In seiner Abhandlung Vom Ehestand (1522) formulierte Luther Regeln und Grundsätze für die Ehe, die er als Stand für besser hielt als das Mönchtum. Er pries die Ehe, sprach sich aber auch über die Möglichkeit der Scheidung aus. 1523 veröffentlichte er eine kleine Abhandlung mit dem Titel Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei.

Zu den bedeutendsten Lehrschriften für die Unterweisung im Glauben zählen die Katechismen. Der Deutsche Katechismus oder Große Katechismus (1529) diente der Erklärung der zehn Gebote, des Glaubensbekenntnisses, des Vaterunser sowie der beiden Sakramente Taufe und Abendmahl. Im Gegensatz zu den Täufern hielt Luther an der Kindertaufe fest. Bezüglich des Abendmahls lehrte er, dass Brot und Wein zusammen mit den verkündeten Heilszusagen für diejenigen, die sie empfangen, tatsächlich Leib und Blut Christi sind. Er betonte, dass das Beichten von Sünden gegenüber einem Bruder förderlich für die Buße sein könne, dies jedoch keine Verpflichtung sein dürfe und nicht durch einen detaillierten Sündenkatalog ersetzt werden könne. Der im selben Jahr erschienene Kleine Katechismus wurde in einfacherer Sprache verfasst und war speziell für „wenig gelehrte“ Pastoren und Prediger gedacht, um ihnen ein Werkzeug für die Unterweisung an die Hand zu geben.

Das Augsburger Bekenntnis (1530), das von Philipp Melanchthon beim Augsburger Reichstag vorgelegt wurde, basierte maßgeblich auf Luthers Schriften, insbesondere auf einem Glaubensbekenntnis, das Luther 1528 im Anschluss an seine Abhandlung über das Abendmahl Christi verfasst hatte. Es zählt zu den „symbolischen Büchern“ der lutherischen Kirchen.

In den Schmalkaldischen Artikeln (1537) bekräftigte Luther seinen theologischen Standpunkt. Er bekräftigte die Rechtfertigung allein durch den Glauben, den untergeordneten Wert der Werke, die Verdammung der Messe als bloßen Opferritus und den schädlichen Charakter des Klosterlebens.

Was waren die wichtigsten Werke von Martin Luther?
EINTRÄGE IN DER KATEGORIE „WERK VON MARTIN LUTHER“Ach Gott, vom Himmel sieh darein.An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung.Aus tiefer Not schrei ich zu dir.

Streitschriften

Luthers wohl berühmtestes Werk und der Auslöser der Reformation sind die 95 Thesen, die im Jahr 1517 in Wittenberg veröffentlicht wurden. Darin brachte Luther seine Empörung über den Ablasshandel zum Ausdruck. Einige exemplarische Thesen verdeutlichen seine Kritik:

  • (32) „Wer glaubt, durch einen Ablassbrief seines Heils gewiss sein zu können, wird auf ewig mit seinen Lehrmeistern verdammt werden.“
  • (45) „Man soll die Christen lehren: Wer einen Bedürftigen sieht, ihn übergeht und statt dessen für den Ablass gibt, kauft nicht den Ablass des Papstes, sondern handelt sich den Zorn Gottes ein.“
  • (86) „Oder: Warum baut der Papst, der heute reicher ist als der reichste Crassus, nicht wenigstens die eine Kirche St. Peter lieber von seinem eigenen Geld als dem der armen Gläubigen?“

Streitschriften gegen den Papst, wie beispielsweise Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet (1545), gehören zu Luthers letzten Schriften. Sie sind außerordentlich kritisch im Ton und wurden teilweise mit drastischen Zeichnungen von Luthers Freund Lucas Cranach illustriert.

Ein Urteil über die Klostergelübde erschien 1522, drei Jahre bevor Luther selbst öffentlich aus dem Kloster austrat (1525). Luther widmete diese umfangreiche Schrift gegen das Mönchtum seinem Vater, der sich bereits 1505 gegen seinen Klostereintritt ausgesprochen hatte. Luther vertrat die Auffassung, dass die Mönchsweihe dem Glauben und der Freiheit des Evangeliums, den Geboten Gottes und der Vernunft widerspreche. Besonders kritisierte er das Keuschheitsgebot.

Politische Schriften

Der Sendbrief An den Chistlichen Adel deutscher Nation (1520) richtete sich an den Kaiser und den deutschen Adel. Luther argumentierte darin, dass „Geistliche“ und „Laien“ sich nur durch die Ämter unterscheiden, die sie ausüben. Denn alle Christen seien durch die Taufe gleichen Standes und wahrhaftige Priester. Daraus leitete Luther auch die geistliche Verantwortung der weltlichen Macht ab. Er schlug konkrete Reformen vor, wie die Abschaffung des Priesterzölibats und der Totenmessen sowie die Reform des Schulunterrichts.

1523 erschien die wichtige Schrift Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei. Darin verherrlichte Luther die weltliche Macht als von Gott eingesetzt und in der göttlichen Autorität gründend. Zugleich wies er entschieden jede Nötigung in Glaubensfragen zurück. Nach Luthers Lehre lebt der Christ in zwei Reichen: dem weltlichen und dem geistlichen, denen er unterschiedliche Gehorsamspflichten hat.

Luthers Position zum Bauernkrieg, der 1524/1525 stattfand, findet sich in der scharfen Schmähschrift Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern (1525).

Luther dachte auch über den Einsatz von Waffen nach und seine Überlegungen dazu finden sich in mehreren Abhandlungen, darunter Von weltlicher Obrigkeit (1523) und Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können (1526).

In der Heerpredigt gegen die Türken (1529) stellte Luther die Türken als Feind Gottes dar. In der späteren Schrift Vom Krieg wider die Türken (Datum nicht angegeben, aber nach 1529) erkannte er zwar die Rolle des Kaisers an, bestritt aber dessen universelle Herrschaft über die gesamte Christenheit und dessen Rolle als Beschützer des Evangeliums und des Glaubens.

1536 veröffentlichte Luther die Schrift Dass weltliche Obrigkeit den Widertäufern mit leiblicher Strafe zu wehren schuldig sei. Nachdem in der Stadt Münster Johann von Leyden eine theokratische und polygame Herrschaft errichtet hatte, hatte Luther bereits 1525 die Niederschlagung der Täuferherrschaft gebilligt.

In seinen letzten Lebensjahren betrachtete Luther Juden, Türken, Papisten und verschiedene Sekten unter einem ähnlichen Blickwinkel und beschuldigte sie, dem Antichrist zu dienen. In einigen Schriften über die Juden, wie Auslegung über das erste Buch Mose (1535), Wider die Sabbather (1538), Letzte Worte Davids (1543), vertrat Luther die Auffassung, dass die Juden Gottes Zorn auf sich ziehen, indem sie Jesus nicht als den Messias anerkennen. Die Pamphlete, die er in dieser Zeit schrieb, als der Kurfürst von Sachsen jüdische Gemeinden aus seinem Hoheitsgebiet auswies, wurden zunehmend ausfallend und riefen sogar zur Gewalt auf, beispielsweise dazu, die Juden aus ihren Häusern zu vertreiben. Dazu gehören Schriften wie Von den Juden und ihren Lügen und Vom Schem Hamphoras (beide 1543).

Welche Schriften hat Martin Luther geschrieben?
Die Streitschriften. Luthers berühmtestes Werk sind die 1517 in Wittenberg angeschlagenen 95 Thesen, in denen er seine Empörung über den Ablasshandel zum Ausdruck bringt.

In seiner Vermahnung zum Gebet wider den Türken, die 1541 während des türkischen Einmarsches in Ungarn unter Süleyman dem Prächtigen erschien, stellte Luther die türkische Gefahr als göttliche Strafe dar und ermahnte seine Zeitgenossen zur Buße.

Einige wichtige Werke im Überblick

WerkGattungHauptthemaJahr (ca.)
Bibelübersetzung (NT)TheologischZugänglichmachung der Schrift1522
95 ThesenStreitschriftKritik am Ablasshandel1517
Von der babylonischen Gefangenschaft der KircheLehrschriftSakramentenlehre1520
An den Christlichen Adel deutscher NationPolitischReform der Kirche und Gesellschaft1520
Von weltlicher ObrigkeitPolitischZwei-Reiche-Lehre, Gehorsam1523
Kleiner und Großer KatechismusLehrschriftGlaubensunterweisung1529
Schmalkaldische ArtikelLehrschriftZusammenfassung lutherischer Lehre1537
Von den Juden und ihren LügenStreitschriftKritik am Judentum1543

Häufig gestellte Fragen zu Luthers Schriften

F: Welche Sprachen nutzte Martin Luther für seine Schriften?

A: Martin Luther schrieb sowohl auf Latein als auch auf Deutsch. Er war bekannt dafür, schwierige Themen in einfacher Sprache auszudrücken.

F: Was war Luthers erstes großes Werk?

A: Laut den vorliegenden Informationen war Luthers erstes großes Werk die Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche, die im September 1522 erschien.

F: Wie trug Luthers Bibelübersetzung zur Entwicklung der deutschen Sprache bei?

A: Die Verbreitung der Lutherbibel durch die Druckkunst trug maßgeblich zur Standardisierung des Hochdeutschen bei und machte die Bibel für die Deutschen zugänglich.

F: Welche Sakramente behielt Luther in seiner Schrift „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ bei?

A: In dieser Schrift behielt Luther die Taufe und das Abendmahl bei. Das Bußsakrament ließ er zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch gelten, während er die anderen vier kirchlich verwalteten Sakramente ablehnte.

F: Was war das Hauptthema der 95 Thesen?

A: Die 95 Thesen, die 1517 veröffentlicht wurden, drückten Luthers Empörung über den Ablasshandel aus und kritisierten dessen Praktiken und theologische Grundlagen.

F: Für wen war der Kleine Katechismus gedacht?

A: Der Kleine Katechismus (1529), verfasst in einfacherer Sprache, war speziell für „wenig gelehrte“ Pastoren und Prediger gedacht, um ihnen bei der Unterweisung im Glauben zu helfen.

F: Wie sah Luther das Verhältnis zwischen weltlicher und geistlicher Macht?

A: In seiner Schrift „Von weltlicher Obrigkeit“ lehrte Luther, dass der Christ in zwei Reichen lebt, dem weltlichen und dem geistlichen. Er sah die weltliche Macht als von Gott eingesetzt an, lehnte aber jede Nötigung in Glaubensfragen durch diese ab.

F: Änderten sich Luthers Ansichten über bestimmte Gruppen im Laufe seines Lebens?

A: Ja, insbesondere seine späten Schriften über die Juden wurden laut den Informationen zunehmend ausfallend und riefen zur Gewalt auf, im Gegensatz zu früheren, gemäßigteren Äußerungen.

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