20/03/2025
Die Arbeit mit einer Kettensäge gehört zu den potenziell gefährlichsten Aufgaben im Forst oder Garten. Eine laufende Sägekette stellt eine erhebliche Bedrohung dar, und selbst erfahrene Anwender sind nicht vor Unfällen gefeit. Während Schutzkleidung wie Schnittschutzhosen, Helm mit Visier und Gehörschutz oft als selbstverständlich angesehen werden, wird die Bedeutung geeigneter Handschuhe manchmal unterschätzt. Dabei sind die Hände bei der Bedienung einer Kettensäge besonders exponiert. Richtige Schnittschutzhandschuhe sind daher ein unverzichtbarer Bestandteil einer vollständigen persönlichen Schutzausrüstung (PSA).

- Warum Schnittschutzhandschuhe bei der Kettensägenarbeit unerlässlich sind
- Die linke Hand: Warum sie besonders gefährdet ist
- Schnittschutz ist nicht gleich Schnittschutz: Worauf es bei Kettensägenhandschuhen ankommt
- Die EN 381-7 Norm: Der Standard für Kettensägen-Schutzhandschuhe
- Materialien und Funktionsweise des Schnittschutzes
- Handschuhe für jede Jahreszeit: Sommer vs. Winter
- Pflege und Haltbarkeit von Schnittschutzhandschuhen
- Bekannte Hersteller von Schnittschutzhandschuhen
- Häufig gestellte Fragen zu Schnittschutzhandschuhen für Kettensägen
- Fazit: Sicherheit geht vor
Warum Schnittschutzhandschuhe bei der Kettensägenarbeit unerlässlich sind
Manche Kettensägenführer argumentieren, dass ihre Hände sicher an den Griffen der Säge positioniert sind und spezielle Schutzhandschuhe daher überflüssig seien. Diese Annahme birgt jedoch erhebliche Risiken. Es gibt kritische Situationen, in denen die Hände trotz korrekter Haltung in den Gefahrenbereich der Kette geraten können. Ein plötzlicher Rückschlag (Kickback) kann dazu führen, dass die Hand vom Griff abrutscht. Auch ein reißende Kette kann unkontrolliert umherschlagen. In solchen Momenten sind die Hände extrem gefährdet. Schwerwiegende Schnittverletzungen können die Folge sein, die im schlimmsten Fall bleibende Schäden verursachen. Ihre Hände sind Ihre wichtigsten Werkzeuge – nicht nur bei der Arbeit, sondern im gesamten Leben. Der Verzicht auf Schnittschutzhandschuhe ist ein unnötiges Risiko, das Sie nicht eingehen sollten.
Die linke Hand: Warum sie besonders gefährdet ist
Die Standardbedienung einer Kettensäge sieht vor, dass die rechte Hand den hinteren Griff und die linke Hand den vorderen Griff hält. Diese Haltung gilt gleichermaßen für Rechts- und Linkshänder. Aufgrund dieser Positionierung befindet sich die linke Hand deutlich näher an der laufenden Sägekette als die rechte Hand. Bei einem Rückschlag oder einem Kettenriss ist die Wahrscheinlichkeit, dass die linke Hand getroffen und verletzt wird, um ein Vielfaches höher. Selbst wenn Sie der Meinung sind, dass Sie keinen vollständigen Schnittschutz an beiden Händen benötigen, ist es dringend ratsam, zumindest an der linken Hand stets einen Schnittschutzhandschuh zu tragen, um das erhöhte Risiko an dieser exponierten Stelle zu minimieren.
Schnittschutz ist nicht gleich Schnittschutz: Worauf es bei Kettensägenhandschuhen ankommt
Wenn Sie online oder im Fachhandel nach „Schnittschutzhandschuhen“ suchen, werden Sie eine große Vielfalt an Produkten finden, die für unterschiedlichste Anwendungen konzipiert sind. Nicht jeder Handschuh, der als schnittfest beworben wird, bietet auch Schutz vor einer laufenden Kettensäge. Es gibt dünne Modelle für die Küchenarbeit, die vor Messerschnitten schützen, aber einer Sägekette nicht standhalten. Robustere Arbeitshandschuhe für Schreiner oder Schlosser enthalten manchmal Stahleinlagen oder -fäden. Diese bieten zwar Schutz vor scharfen Kanten oder Messern, werden aber von einer Kettensäge mühelos durchtrennt. Selbst Handschuhe, die explizit für Waldarbeiten beworben werden, verfügen nicht immer über einen echten Schnittschutz, da dieser den Tragekomfort und die Beweglichkeit beeinträchtigen kann – ein Kompromiss, den manche Forstarbeiter bewusst eingehen. Um Ihre Hände effektiv vor einer Kettensäge zu schützen, müssen Sie gezielt nach speziellen Kettensägen-Schutzhandschuhen suchen. Diese müssen der europäischen Norm EN 381-7 entsprechen. Diese Norm legt die spezifischen Anforderungen an die Schutzkleidung für Kettensägenführer fest, wobei Punkt 7 speziell die Handschuhe behandelt. Nur Handschuhe, die nach dieser Norm zertifiziert sind, bieten den notwendigen Schutz vor einer Kettensäge.
Die EN 381-7 Norm: Der Standard für Kettensägen-Schutzhandschuhe
Die Norm EN 381-7 ist das entscheidende Kriterium beim Kauf von Schnittschutzhandschuhen für die Kettensägenarbeit. Sie stellt sicher, dass die Handschuhe so konstruiert und getestet wurden, dass sie im Falle eines Kontakts mit der Sägekette einen Schutzmechanismus aktivieren, der die Verletzungsgefahr reduziert. Dieser Schutz wird in der Regel durch spezielle Fasereinlagen realisiert, die bei Kontakt mit der Kette herausgezogen werden und das Sägeblatt blockieren. Die Norm unterscheidet dabei verschiedene Schutzklassen und Formen, die Aufschluss über das Schutzniveau und den geschützten Bereich des Handschuhs geben.
Schnittschutzklassen nach EN 381-7
Die Schnittschutzklassen basieren auf der Kettengeschwindigkeit, bei der der Schutzmechanismus wirksam ist. Es gibt fünf Klassen von 0 bis 4, wobei eine höhere Zahl einen Schutz bei höherer Kettengeschwindigkeit bedeutet. Es ist wichtig zu verstehen, dass sich die angegebene Geschwindigkeit auf die Kette bezieht, wenn sie auf den Handschuh trifft. Das bedeutet, dass der Schutz am effektivsten ist, wenn der Gashebel bereits losgelassen wurde und die Kette ausläuft.
- Schnittschutzklasse 0: Schutz bei einer Kettengeschwindigkeit von bis zu 16 Metern pro Sekunde.
- Schnittschutzklasse 1: Schutz bei einer Kettengeschwindigkeit von bis zu 20 Metern pro Sekunde. Dies ist die am weitesten verbreitete Schutzklasse bei Schnittschutzhandschuhen für Kettensägen. Sie bietet einen guten Kompromiss zwischen Schutz und Beweglichkeit.
- Schnittschutzklasse 2: Schutz bei einer Kettengeschwindigkeit von bis zu 24 Metern pro Sekunde.
- Schnittschutzklasse 3: Schutz bei einer Kettengeschwindigkeit von bis zu 28 Metern pro Sekunde.
- Schnittschutzklasse 4: Schutz bei einer Kettengeschwindigkeit von bis zu 32 Metern pro Sekunde. Handschuhe dieser Klasse sind sehr robust und schränken die Beweglichkeit stark ein.
Die meisten handelsüblichen Schnittschutzhandschuhe verfügen über die Schutzklasse 1. Dies liegt daran, dass ein höherer Schutzgrad deutlich dickere und steifere Einlagen erfordern würde, was den Handschuh sehr unhandlich und unbequem machen würde. Bei der Verwendung von leistungsstarken Benzin-Kettensägen, die oft höhere Kettengeschwindigkeiten als 20 m/s erreichen, sollten Sie sich bewusst sein, dass Handschuhe der Klasse 1 keinen absoluten Schutz garantieren können, wenn die Kette mit voller Geschwindigkeit auftrifft. Sie reduzieren jedoch das Verletzungsrisiko erheblich.
Schnittschutzformen nach EN 381-7
Neben den Schutzklassen definiert die Norm EN 381-7 auch zwei Formen für den Schnittschutzbereich bei Handschuhen:
- Form A: Dies sind typische 5-Finger-Handschuhe. Der Schnittschutz ist hier auf den Handrücken der linken Hand konzentriert – genauer gesagt auf den Bereich zwischen Handgelenk und Fingern. Diese Form bietet eine hohe Fingerfertigkeit, da die Handinnenfläche und die Fingerkuppen oft ungeschützt oder nur leicht geschützt sind, um ein gutes Gefühl für die Säge zu gewährleisten.
- Form B: Diese Form kann als 5-Finger-Handschuh oder als Fäustling ausgeführt sein. Der Schnittschutzbereich ist hier größer als bei Form A. Er schützt sowohl den Handrücken als auch die Langfinger. Bei Form B steht der Schutz deutlicher im Vordergrund als die maximale Beweglichkeit.
Es ist wichtig zu beachten, dass bei beiden Formen, A und B, der Daumenbereich laut Norm nicht zwingend geschützt sein muss. Achten Sie beim Kauf genau auf die Kennzeichnung, um sicherzustellen, dass Sie die für Ihre Bedürfnisse und Ihren Arbeitsstil passende Form und Schutzklasse wählen.
Materialien und Funktionsweise des Schnittschutzes
Der eigentliche Schnittschutzmechanismus bei Kettensägenhandschuhen basiert auf der Verwendung von speziellen, lose verwebten Fasern. Diese Fasern sind extrem reißfest. Bei Kontakt mit der laufenden Kette werden die Fäden aus dem Handschuh herausgerissen und in die Kettenradgarnitur der Säge gezogen. Dort verfangen sie sich und blockieren die Kette innerhalb von Sekundenbruchteilen. Dieses Prinzip ist dasselbe wie bei Schnittschutzhosen. Die Dichte und Festigkeit dieser Fasern bestimmen, welche Kettengeschwindigkeit blockiert werden kann und somit die Schnittschutzklasse des Handschuhs.

Abgesehen von der Schnittschutzeinlage, die meist aus hochfesten Kunstfasern besteht, können die Materialien für die Innen- und Außenseite der Handschuhe variieren. Oft wird für die Handinnenfläche imprägniertes Leder verwendet, das guten Grip und Haltbarkeit bietet. Die Außenseite besteht häufig aus wasserabweisenden und robusten Materialien wie Polyestergewebe oder Spandex, um die Hände trocken zu halten und den Handschuh vor Abnutzung zu schützen. Für Arbeiten bei kalten Temperaturen gibt es auch Modelle mit einer zusätzlichen Fütterung, die die Finger warmhält.
Handschuhe für jede Jahreszeit: Sommer vs. Winter
Die Arbeit im Freien stellt unterschiedliche Anforderungen an die Handschuhe, je nach Jahreszeit. Im Sommer kann es unter dicken Schutzhandschuhen schnell heiß und schweißtreibend werden, während im Winter kalte und nasse Hände die Arbeit erschweren und das Risiko erhöhen können.
Für die Sommerarbeit eignen sich leichtere 5-Finger-Handschuhe der Form A besonders gut. Sie bieten den erforderlichen Schnittschutz an der linken Hand, ermöglichen aber durch weniger Material an den Fingern und der Handinnenfläche eine höhere Beweglichkeit und ein besseres Tastgefühl. Achten Sie im Sommer auf atmungsaktive Materialien, die eine gute Belüftung ermöglichen und Feuchtigkeit (Schweiß) schnell nach außen ableiten, um die Hände trocken und komfortabel zu halten.
Im Winter sind gefütterte Handschuhe unerlässlich. Hier können sowohl 5-Finger-Handschuhe der Form A oder B als auch spezielle Winter-Fäustlinge der Form B zum Einsatz kommen. Fäustlinge bieten in der Regel die beste Wärmeisolierung, da sich die Finger gegenseitig wärmen. Einige Hersteller wie Husqvarna bieten spezielle Winter-Fäustlinge für Kettensägenführer an, bei denen Zeigefinger und Daumen separat ausgeführt sind, um die Bedienung der Säge zu ermöglichen. Zusätzlich zur Fütterung ist es im Winter besonders wichtig, dass das Außenmaterial der Handschuhe wasserabweisend ist. Nasses oder schneebedecktes Holz kann die Handschuhe schnell durchnässen, was nicht nur unangenehm ist, sondern auch die Hände auskühlt und den Griff beeinträchtigt.
Pflege und Haltbarkeit von Schnittschutzhandschuhen
Damit Ihre Schnittschutzhandschuhe ihre Schutzfunktion lange erfüllen und einsatzbereit bleiben, ist die richtige Pflege entscheidend. Wurden die Handschuhe nass, lassen Sie sie unbedingt langsam und gründlich an einem gut belüfteten Ort trocknen. Hängen Sie sie nicht direkt auf eine Heizung oder trocknen Sie sie mit starker Hitze (z.B. im Wäschetrockner). Extreme Hitze kann die Fasern des Schnittschutzes beschädigen und brüchig machen, wodurch ihre Schutzwirkung verloren geht. Lagern Sie trockene Handschuhe an einem sauberen, trockenen Ort, geschützt vor direkter Sonneneinstrahlung und Chemikalien.
Für die Reinigung sollten Sie die Pflegehinweise des Herstellers beachten. Viele Hersteller bieten spezielle Reinigungs- und Pflegemittel an, die auf die Materialien der Schnittschutzhandschuhe abgestimmt sind. Diese Mittel säubern die Handschuhe, ohne die speziellen Schutzfasern zu verkleben oder zu beschädigen. Verwenden Sie keine aggressiven Reinigungsmittel oder Weichspüler, da diese die Funktion des Schnittschutzes beeinträchtigen können. Überprüfen Sie die Handschuhe regelmäßig auf Beschädigungen, insbesondere an den Schnittschutzeinlagen. Auch kleine Schnitte oder Risse im Schutzmaterial können die Wirksamkeit herabsetzen. Beschädigte Handschuhe sollten umgehend ersetzt werden.
Bekannte Hersteller von Schnittschutzhandschuhen
Viele renommierte Hersteller von Forstausrüstung und Kettensägen bieten auch passende Schnittschutzhandschuhe in ihrem Sortiment an. Diese Hersteller sind oft für die Qualität und Zuverlässigkeit ihrer Produkte bekannt. Zu den bekannten Marken, die hochwertige Schnittschutzhandschuhe für die Kettensägenarbeit anbieten, gehören beispielsweise:
- Husqvarna
- Stihl
- Oregon
- McCulloch
Informieren Sie sich über die spezifischen Modelle dieser Hersteller, da sie oft Handschuhe mit unterschiedlichen Schutzklassen, Formen und Materialien für verschiedene Anforderungen und Vorlieben im Angebot haben. Die Wahl eines Produkts von einem erfahrenen Hersteller kann zusätzliche Sicherheit und Komfort gewährleisten.
Häufig gestellte Fragen zu Schnittschutzhandschuhen für Kettensägen
Sind Schnittschutzhandschuhe bei der Kettensägenarbeit wirklich notwendig?
Ja, obwohl manche Anwender darauf verzichten, sind sie dringend empfohlen. Sie schützen vor schweren Handverletzungen durch Kettenrisse, Abrutschen oder Rückschläge, insbesondere an der stark gefährdeten linken Hand.

Schützen alle Arbeitshandschuhe vor einer Kettensäge?
Nein, keineswegs. Normale Arbeitshandschuhe, Küchen-Schnittschutzhandschuhe oder Handschuhe mit Stahleinlagen bieten keinen Schutz vor einer laufenden Kettensäge. Nur Handschuhe, die der Norm EN 381-7 entsprechen und speziell als Kettensägen-Schutzhandschuhe zertifiziert sind, bieten den notwendigen Schutz.
Was bedeuten die Schnittschutzklassen (0-4)?
Die Klassen geben an, bis zu welcher Kettengeschwindigkeit der Schutzmechanismus des Handschuhs wirksam ist. Klasse 1 (bis 20 m/s) ist am häufigsten. Höhere Klassen bieten mehr Schutz, schränken aber die Beweglichkeit stärker ein.
Was ist der Unterschied zwischen Form A und Form B?
Form A schützt den Handrücken der linken Hand für gute Fingerfertigkeit. Form B schützt zusätzlich die Langfinger und bietet insgesamt mehr Schutz, schränkt aber die Beweglichkeit stärker ein.
Wie funktioniert der Schnittschutz im Handschuh?
Der Schutz basiert auf speziellen, lose verwebten Fasern im Handschuh. Bei Kontakt mit der Kette werden diese Fasern herausgezogen und blockieren das Sägeblatt.
Kann ich dieselben Handschuhe im Sommer und Winter tragen?
Es ist ratsam, separate Handschuhe für Sommer und Winter zu haben. Sommerhandschuhe sind leichter und atmungsaktiver. Winterhandschuhe sind gefüttert und oft wasserabweisend, um vor Kälte und Nässe zu schützen.
Wie pflege ich meine Schnittschutzhandschuhe richtig?
Nasse Handschuhe an einem luftigen Ort trocknen lassen (nicht auf der Heizung!). Trocken und sauber lagern. Für die Reinigung spezielle Pflegemittel verwenden und Herstellerhinweise beachten. Beschädigte Handschuhe ersetzen.
Fazit: Sicherheit geht vor
Die Arbeit mit einer Kettensäge birgt immer Risiken, doch ein Großteil davon lässt sich durch die konsequente Nutzung der richtigen persönlichen Schutzausrüstung minimieren. Schnittschutzhandschuhe, die der Norm EN 381-7 entsprechen, sind ein fundamentaler Bestandteil dieser Ausrüstung. Sie bieten einen wichtigen Schutz für Ihre Hände, insbesondere die exponierte linke Hand, vor den gravierenden Folgen eines Kontakts mit der Sägekette. Achten Sie beim Kauf auf die richtige Schutzklasse und Form für Ihre Bedürfnisse sowie auf hochwertige Materialien, die Komfort und Haltbarkeit gewährleisten. Investieren Sie in gute Schnittschutzhandschuhe – es ist eine Investition in Ihre Sicherheit und die Unversehrtheit Ihrer Hände.
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