27/02/2012
Viele Deutsche zieht es regelmäßig über die Grenze in die Niederlande, sei es für einen Kurztrip, den Urlaub oder einfach nur zum Einkaufen. Dabei stellt sich oft die Frage: Ist Einkaufen in unserem Nachbarland eigentlich teurer als in Deutschland? Und was unterscheidet die Supermärkte dort von unseren?
Die Supermarktlandschaft in den Niederlanden weist einige Ähnlichkeiten, aber auch deutliche Unterschiede zu Deutschland auf. Die bekanntesten Ketten sind Albert Heijn und Jumbo, die man am ehesten mit deutschen Vollsortimentern wie Rewe oder Edeka vergleichen kann. Daneben gibt es natürlich auch die bekannten Discounter Aldi Nord und Lidl, deren Sortiment zwar Parallelen zum deutschen Markt aufweist, aber keinesfalls identisch ist.

Egal ob Vollsortimenter oder Discounter, eines haben die niederländischen Supermärkte gemeinsam: Sie bieten eine Fülle an typisch holländischen Produkten, die bei deutschen Besuchern sehr beliebt sind. Dazu gehören Klassiker wie Stroopwafels, eine riesige Auswahl an Käse, Vanille-Vla (ein puddingähnliches Dessert), Poffertjes für die Mikrowelle, weiche Brötchen, fertige Satésoße, Calvé Pindakaas (Erdnussbutter) und natürlich Hagelslag (Schokostreusel) in unzähligen Varianten.
Supermärkte in Holland vs. Deutschland – Die wesentlichen Unterschiede
Um es direkt vorwegzunehmen: Ja, die Lebensmittelpreise in den Niederlanden sind im Durchschnitt oft höher als in Deutschland. Besonders auffällig ist dies bei Fleischwaren, Fertiggerichten und vorbereiteten Salaten. Es gibt jedoch Möglichkeiten, Kosten zu sparen, zum Beispiel durch die Nutzung von Kundenkarten wie der „Bonuskaart“ bei Albert Heijn oder dem „Jumbo Extra Pass“, die Zugang zu Vergünstigungen und Sonderangeboten bieten. Ein kleiner Tipp: Selbst ohne eigene Karte kann man oft einen Mitarbeiter bitten, seine Karte einzuscannen, um von den Angeboten zu profitieren.
Das Produktsortiment: Ein Paradies für Entdecker
Abgesehen vom Preis sind die Unterschiede im Sortiment besonders spannend. Im Kühlbereich findet man eine deutlich größere Auswahl an „Ready-to-Cook“-Gerichten. Auch das Angebot an fertigen Tapas-Variationen und Produkten aus dem asiatischen Raum ist in der Regel umfangreicher als in deutschen Supermärkten. Letzteres liegt oft an der historischen Verbindung der Niederlande zu Indonesien, was sich in einer großen Vielfalt indonesischer Spezialitäten wie Kroepoek, Ketjap Manis oder eben Satésoße niederschlägt.
Ein weiteres Highlight ist die Abteilung für süßen Brotbelag. Neben den üblichen Verdächtigen wie Marmelade und Nuss-Nougat-Creme gibt es eine beeindruckende Auswahl an Erdnussbutter (Pindakaas), wobei Calvé's Erdnussbutter für viele Niederländer das Maß aller Dinge ist. Dazu kommen die bereits erwähnten Hagelslag (Streusel) und Vlokken (Schokoflocken) in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen und Farben, Speculoos-Pasta (ein Brotaufstrich auf Spekulatius-Basis) und Kokosbrood, das an Esspapier mit Kokosgeschmack erinnert.
Auch der Tiefkühlbereich hält Überraschungen bereit, vor allem für Liebhaber von frittierten Snacks. Die Auswahl an Artikeln für Fritteuse oder Airfryer ist riesig und umfasst typisch niederländische Spezialitäten wie Frikandel (eine Art Fleischrolle), Kroketten, Bitterballen (kleine Fleischkroketten) und Kaassoufflé (frittierter Käse in Teigmantel).
Die Tapas-Abteilung ist ebenfalls einen Besuch wert. Sie bietet eine große Vielfalt an Fleisch-, Fisch- und vegetarischen Häppchen sowie diverse Dips. Oft gibt es hier attraktive Angebote, bei denen man beispielsweise drei Tapas-Schalen zu einem reduzierten Preis erhält.

Service und Einkaufserlebnis: Selbstbedienung im Fokus
Ein markanter Unterschied betrifft die Frischetheken. Während man in Deutschland oft bediente Theken für Fleisch, Wurst, Käse und Fisch findet, arbeiten die niederländischen Supermärkte seit vielen Jahren vorwiegend mit Prepack-Verpackungen. Mitarbeiter schneiden und verpacken die Produkte hinter den Theken zu unterschiedlichen Tageszeiten vor, sodass sich die Kunden selbst an den fertig abgepackten Waren bedienen können. Dies spart Wartezeit an der Theke, nimmt aber vielleicht etwas vom Erlebnis der persönlichen Beratung.
Ein Trend, der in den Niederlanden noch stärker ausgeprägt ist als in Deutschland, ist die Selbstbedienung an der Kasse. Selbst-Scan-Kassen sind in fast jedem Supermarkt zu finden, und in städtischen Gebieten muss man manchmal regelrecht nach einer Kasse mit Personal suchen. Dies hat für deutsche Touristen den Vorteil, dass sie ihren Einkauf anonym abschließen können, ohne Niederländisch sprechen zu müssen.
Beim Selbst-Scanning gibt es oft zwei Optionen: Entweder man scannt alle Produkte am Ende des Einkaufs an speziellen Scannerkassen, oder man nimmt zu Beginn des Einkaufs ein Handscangerät mit und scannt die Produkte bereits während des Einpackens in den Einkaufswagen.
Öffnungszeiten: Flexibilität am Sonntag
Die Öffnungszeiten ähneln denen in Deutschland, wobei viele Supermärkte bis 20:00, 21:00 oder sogar 22:00 Uhr geöffnet haben. Der große Unterschied liegt jedoch im Sonntagseinkauf. Im Gegensatz zu Deutschland kann man in nahezu jedem niederländischen Ort auch sonntags einkaufen gehen, was viele Besucher aus dem Nachbarland sehr schätzen.
Welche Produkte sind in Holland günstiger?
Obwohl der Durchschnittseinkauf in den Niederlanden teurer sein mag, gibt es durchaus Produkte, bei denen man sparen kann. Dies gilt insbesondere für Produkte, die direkt in den Niederlanden angebaut werden, wie bestimmte Obst- und Gemüsesorten (Äpfel, Birnen, Salate, Tomaten) oder auch Schnittblumen. Allerdings können die Preise je nach Saison und Verfügbarkeit variieren.
Ein traditioneller Tipp für Sparfüchse ist der Kauf von Kaffee. Da in den Niederlanden keine Kaffeesteuer erhoben wird, ist Kaffee dort oft deutlich günstiger als in Deutschland. Auch bei nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Aspirin oder Paracetamol kann man in niederländischen Apotheken oder Drogerien oft einiges sparen, da die Preise hier im Vergleich zu Deutschland um ein Vielfaches niedriger sein können.
Die bekanntesten Supermarktketten im Überblick
Um Ihnen einen besseren Überblick zu geben, stellen wir die wichtigsten Supermarktketten der Niederlande kurz vor:
1. Albert Heijn
Albert Heijn ist die älteste und größte Supermarktkette der Niederlande mit dem höchsten Marktanteil. Als Vollsortimenter bietet Albert Heijn ein sehr breites Sortiment. Bekannt ist die Kette für ihre Bonuskaart und die regelmäßigen „Hamsterweken“, bei denen es besonders viele Angebote gibt. Neben den Standardgeschäften gibt es auch größere Albert Heijn XL-Märkte und kleinere Albert Heijn to Go-Filialen, oft in Stadtzentren oder an Bahnhöfen.

2. Jumbo
Jumbo ist der zweitgrößte Lebensmittelhändler in den Niederlanden und ebenfalls ein Vollsortimenter, vergleichbar mit Albert Heijn, aber mit gelbem Branding. Auch Jumbo bietet spezielle Angebote, die man über den Jumbo Extra Pass oder die App nutzen kann. Jumbo ist in fast jedem niederländischen Ort vertreten.
3. Aldi und Lidl
Die deutschen Discounter Aldi und Lidl spielen auch in den Niederlanden eine wichtige Rolle. Ihr gemeinsamer Marktanteil ist beträchtlich. Das Sortiment ist ähnlich wie in Deutschland, aber nicht identisch; insbesondere bei Aldi gibt es Abweichungen. Ein Unterschied zu Deutschland ist, dass in den niederländischen Filialen von Aldi und Lidl tendenziell weniger Markenprodukte angeboten werden.
4. Weitere Ketten und Spezialisten
Neben den großen Playern gibt es zahlreiche weitere Supermarktketten wie Plus, Spar, Dirk und Hoogvliet, die oft regional unterschiedlich stark vertreten sind. Für Bio-Produkte gibt es spezialisierte Ketten wie Odin und Ekoplaza, die ein breites Bio-Sortiment anbieten, dessen Preise im Durchschnitt etwas über denen deutscher Biohändler liegen können.
5. Grenznahe Einkaufsparadiese: 2 Brüder
Für deutsche Besucher an der Grenze kann sich ein Besuch bei Supermärkten wie „2 Brüder“ in Venlo oder Siebengewald besonders lohnen. Diese Märkte richten ihr Sortiment gezielt auf deutsche Kunden aus und locken oft mit Sonderangeboten, insbesondere bei Kaffee und Käse, wo man tatsächlich sparen kann.
Vergleichstabelle: Einkaufen NL vs. DE
| Merkmal | Niederlande | Deutschland |
|---|---|---|
| Durchschnittspreis Lebensmittel | Tendenziell höher | Tendenziell niedriger |
| Preis Fleisch/Fertiggerichte | Oft deutlich teurer | Günstiger im Vergleich |
| Preis Kaffee | Oft günstiger (keine Kaffeesteuer) | Teurer (Kaffeesteuer) |
| Preis rezeptfreie Medikamente | Deutlich günstiger | Teurer |
| Sortiment | Große Auswahl an typisch niederl. Produkten (Hagelslag, Vla, Pindakaas etc.), Asiatische Produkte, Tapas, Tiefkühl-Snacks | Standard-Sortiment, weniger Fokus auf spezifische niederl. Spezialitäten oder bestimmte internationale Bereiche |
| Frischetheken | Überwiegend Selbstbedienung (Prepack) | Häufig bediente Theken |
| Selbst-Scan Kassen | Sehr weit verbreitet | Verbreitet, aber weniger dominant |
| Sonntagseinkauf | In fast jedem Ort möglich | Stark eingeschränkt (Ausnahmen) |
| Kundenkarten/Angebote | Wichtig zur Preisersparnis (Bonuskaart, Extra Pass) | Vorhanden (Payback, App-Coupons etc.) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind Supermärkte in Holland teurer als in Deutschland?
Im Durchschnitt sind Lebensmittel in den Niederlanden teurer, besonders Fleisch und Fertiggerichte. Es gibt aber Ausnahmen wie Kaffee, rezeptfreie Medikamente und saisonale regionale Produkte.
Welche Produkte sind typisch niederländisch und in Supermärkten erhältlich?
Eine große Auswahl an Käse, Stroopwafels, Hagelslag (Schokostreusel), Pindakaas (Erdnussbutter), Vla (Pudding), Poffertjes, Frikandel, Kroketten, Bitterballen, Kaassoufflé, Speculoos-Pasta und Kokosbrood.

Gibt es in den Niederlanden auch Aldi und Lidl?
Ja, Aldi Nord und Lidl sind in den Niederlanden vertreten. Ihr Sortiment ähnelt dem deutschen, ist aber nicht identisch und bietet oft weniger Markenprodukte.
Kann man sonntags in Holland einkaufen?
Ja, im Gegensatz zu Deutschland haben Supermärkte in fast allen niederländischen Orten auch sonntags geöffnet.
Was ist eine Bonuskaart oder ein Jumbo Extra Pass?
Das sind Kundenkarten der großen Supermarktketten Albert Heijn und Jumbo, mit denen man Zugang zu speziellen Angeboten und Rabatten erhält. Man kann sie online beantragen oder oft auch an der Kasse.
Was bedeutet Prepack bei den Frischetheken?
Prepack bedeutet, dass Fleisch, Wurst und Käse hinter der Theke vom Personal vorab geschnitten, verpackt und etikettiert werden. Kunden bedienen sich dann selbst an diesen fertig vorbereiteten Päckchen.
Lohnt sich ein Einkauf bei „2 Brüder“ an der Grenze?
Diese Supermärkte richten sich gezielt an deutsche Kunden und bieten oft attraktive Preise und Angebote auf typisch niederländische Produkte wie Kaffee und Käse, was sich für Grenzgänger lohnen kann.
Fazit
Das Einkaufen in den Niederlanden ist im Durchschnitt zwar etwas teurer als in Deutschland, bietet aber ein einzigartiges Sortiment und ein anderes Einkaufserlebnis. Die große Auswahl an spezifisch niederländischen Produkten, die umfangreicheren Abteilungen für asiatische Spezialitäten und Tapas sowie die Flexibilität der Sonntagsöffnung machen einen Einkaufstrip über die Grenze reizvoll. Während man bei Fleisch und Fertiggerichten tiefer in die Tasche greifen muss, kann man bei Kaffee, bestimmten regionalen Produkten oder rezeptfreien Medikamenten durchaus sparen. Letztlich ist der Einkauf in den Niederlanden nicht nur eine Notwendigkeit, sondern oft auch eine kleine kulinarische Entdeckungsreise, bei der man die Vielfalt des Nachbarlandes kennenlernt.
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