04/09/2012
Die Frage, ob man bei Pelikan Füllern die Feder wechseln kann, beschäftigt viele Besitzer dieser traditionsreichen Schreibgeräte. Die gute Nachricht lautet: Ja, bei vielen Modellen von Pelikan ist der Wechsel der Feder möglich. Diese Möglichkeit ist eng mit der Entwicklungsgeschichte des Unternehmens und insbesondere mit einer bedeutenden Innovation aus der Mitte des 20. Jahrhunderts verbunden.

Pelikan, ein Unternehmen mit Wurzeln in Hannover, das auf das Jahr 1838 zurückgeht, hat sich im Laufe der Zeit zu einem der bekanntesten Hersteller von Bürobedarf und Schreibgeräten entwickelt. Besonders die Füllfederhalter genießen weltweit einen exzellenten Ruf. Von den Anfängen mit der Produktion von Tinte und Farben bis hin zum ersten Kolbenfüller Modell „100“ im Jahr 1929 zeigte Pelikan stets Innovationsgeist. Ein entscheidender Schritt für die Modularität der Füller, und damit auch für die Möglichkeit des Federnwechsels, war die Einführung der sogenannten Einsteckfeder.
Die Entwicklung der Einsteckfeder bei Pelikan
Ein neuer Zeitabschnitt begann im Jahr 1958, maßgeblich geprägt durch zwei Entwicklungen von Theodor Kovács und Pelikan: der innenliegende Tintenleiter mit einer Einsteckfeder und die Tintenpatronen. Dieses System erlaubte eine einfachere Handhabung und Wartung der Füllhalter.
- 1955: Theodor Kovács entwickelt den innenliegenden Tintenleiter mit 'Thermic-Regler'.
- 1956: Pelikan arbeitet parallel an der Entwicklung der Tintenpatronen.
- Feb 1957: Das Patent für die Tintenpatrone wird beantragt (Erteilung 6/1959).
- 1958: Das Patent für den Thermic-Regler wird erteilt und von Pelikan übernommen.
- Sep 1958: Die ersten Kolbenfüller P1S und P1RG mit diesem neuen Thermic-Regler und Einsteckfeder kommen auf den Markt.
- 22. März 1960: Der Pelikano (Modell 1) wird als neuer Schulfüller präsentiert. Er ist der erste Patronenfüller von Pelikan und nutzt ebenfalls das Einsteckfeder-System.
- 31. Juli 1961: Patronenfüller für Erwachsene (P15/P25) mit diesem System werden eingeführt.
Die Form der Feder entwickelte sich weiter. Ab 1965 wurde die Federform für den Pelikano überarbeitet (nur noch halb verdeckt), und auch neue Kolben- sowie Patronenfüller für Erwachsene wurden mit dieser modifizierten Feder angeboten. 1969 erfolgte eine weitere Anpassung der Federform und der entsprechenden Füllermodelle.
In den 1970er Jahren wurden spezielle Federn für Modelle wie den Steno-Füller und den Primapenna eingeführt. Ab 1979 erhielt der Pelikano Modell 5 eine neue Federform, die in den folgenden Jahren in vielen weiteren Modellserien Verwendung fand. Ebenfalls 1979 wurde für die Serie Signum eine modifizierte Feder des Pelikanos eingesetzt.
Ab 1992 wurde eine weiter veränderte Federform des Signum beim Jugendfüller GO! eingeführt. Diese Grundform findet in leicht abgeänderten Versionen bis heute Anwendung, unter anderem in Modellen wie dem Pelikano juniors, der Level-Line, der Serie Pura und Dion sowie beim Happy Pen.
Diese kontinuierliche Entwicklung der Einsteckfeder von 1958 bis heute zeigt, dass das Konzept der modularen Feder bei vielen Pelikan-Modellen, insbesondere im Bereich der Schüler- und Einsteigerfüller, fest verankert ist.

Federnwechsel bei der Souverän-Serie und anderen Modellen
Neben den Modellen mit dem klassischen Einsteckfeder-System bietet Pelikan auch hochwertige Füllhalterserien wie die berühmte Souverän-Reihe an. Diese Serie, die vom M100 über den M400 (bekannt als Stresemann) bis zum Flaggschiff M1000 reicht, zeichnet sich durch Kolbenmechanik und edle Materialien aus.
Die Souverän-Füller sind in der Regel mit hochwertigen Goldfedern (14 Karat oder 18 Karat) ausgestattet, oft als Bi-Color-Federn. Die preislich darunter angesiedelte Serie des M150 bis M250 verwendet typischerweise Edelstahlfedern.
Pelikan ist stolz darauf, einer der wenigen Hersteller zu sein, die ihre Füllerfedern noch selbst herstellen. Diese eigene Produktion stellt nicht nur die hohe Qualität der Federn sicher, sondern ist auch eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Ersatzfedern oder Federn mit anderen Eigenschaften (z.B. andere Strichbreiten) verfügbar sind. Auch wenn die Federn bei der Souverän-Serie nicht im Sinne der 'Einsteckfeder' einfach gesteckt sind wie bei den oben genannten Modellen, so sind doch die Federeinheiten (Feder und Tintenleiter zusammen) bei diesen Modellen in der Regel austauschbar oder vom Fachmann wechselbar. Dies ermöglicht es Besitzern, ihren Füller bei Bedarf mit einer anderen Feder auszustatten oder eine beschädigte Feder zu ersetzen.
Gründe für einen Federnwechsel
Es gibt verschiedene Gründe, warum jemand die Feder seines Pelikan Füllers wechseln möchte:
- Änderung der Strichbreite: Pelikan bietet Federn in verschiedenen Breiten an (z.B. F für fein, M für mittel, B für breit, aber auch spezielle Federn wie OBB, OM, etc.). Wer eine andere Strichbreite für unterschiedliche Schreibanforderungen wünscht, kann die Feder wechseln, sofern das Modell dies zulässt und die entsprechende Ersatzfeder verfügbar ist.
- Beschädigung der Feder: Eine verbogene oder gespaltene Feder kann das Schreibgefühl stark beeinträchtigen oder den Füller unbrauchbar machen. Ein Federnwechsel kann das Problem beheben.
- Persönliche Präferenz: Manchmal bevorzugt man einfach ein anderes Schreibgefühl, das eine andere Feder bietet, auch wenn die ursprüngliche Feder intakt ist.
- Upgrade: Bei einigen Modellen, die mit einer Edelstahlfeder geliefert wurden, ist es eventuell möglich, auf eine Goldfeder aufzurüsten, sofern eine kompatible Federeinheit verfügbar ist.
Wie erfolgt der Federnwechsel?
Basierend auf der Beschreibung der 'Einsteckfeder' handelt es sich hierbei um ein System, bei dem die Feder zusammen mit dem Tintenleiter als Einheit in das Vorderteil des Füllers eingesteckt ist. Bei vielen Modellen, die auf diesem System basieren (wie z.B. der Pelikano und verwandte Modelle), kann die Federeinheit oft einfach herausgezogen und eine neue Einheit eingesteckt werden. Dies macht den Wechsel relativ unkompliziert.
Bei den hochwertigeren Serien wie der Souverän-Reihe ist die Federeinheit meist verschraubt. Hier ist der Wechsel ebenfalls möglich, erfordert aber oft etwas mehr Sorgfalt und sollte im Zweifel von einem Fachhändler oder direkt vom Hersteller durchgeführt werden, um Beschädigungen zu vermeiden. Die Tatsache, dass Pelikan seine Federn selbst produziert, ist ein starkes Indiz dafür, dass entsprechende Federeinheiten für Wartung und Austausch verfügbar sind.
Pelikan – Mehr als nur Füller
Obwohl die Füllfederhalter und die Möglichkeit des Federnwechsels ein zentrales Thema sind, ist es interessant, Pelikan im breiteren Kontext zu sehen. Das Unternehmen hat eine lange Geschichte in der Herstellung verschiedenster Büro- und Kunstmaterialien.
| Produktkategorie | Bekannte Beispiele |
|---|---|
| Tinte | Die legendäre Eisengallustinte „4001“ |
| Klebstoffe | Pelikanol |
| Farben | Deckfarbkasten K12, PLAKA-Farben |
| Büromaterial | Kohlepapier, Farbbänder (historisch), später auch Druckerzubehör |
| Schreibgeräte | Füllfederhalter (Modell 100, 400/Souverän, Pelikano etc.), Kugelschreiber, Bleistifte |
| Kunstbedarf | Aquarellfarben, Tusche |
Diese Vielfalt zeigt Pelikans umfassendes Engagement im Bereich Bürobedarf und Papeterie, auch wenn sich das Unternehmen in den letzten Jahren strukturell verändert hat, wie z.B. durch den Verkauf des Toner- und Tinte-Geschäfts an Print-Rite Holdings im Jahr 2017 oder die Übernahme durch die Groupe Hamelin Ende 2023.

Häufig gestellte Fragen zum Federnwechsel
Können Federn bei allen Pelikan Füllern gewechselt werden?
Nein, nicht bei allen historischen oder sehr einfachen Modellen. Aber bei einem Großteil der seit 1958 produzierten Füller, die auf dem Einsteckfeder-System basieren, sowie bei den hochwertigeren Serien wie Souverän ist ein Federnwechsel in der Regel möglich.
Was ist eine "Einsteckfeder"?
Die Einsteckfeder ist ein von Pelikan (mit Theodor Kovács) ab 1958 entwickeltes System, bei dem die Schreibfeder und der Tintenleiter eine Einheit bilden, die modular in das Vorderteil des Füllers gesteckt wird. Dies erleichtert die Produktion und Wartung.
Stellt Pelikan seine Federn selbst her?
Ja, Pelikan ist einer der wenigen Füllerhersteller weltweit, die ihre Federn noch in eigener Produktion herstellen. Dies spricht für die Qualität und die Verfügbarkeit von Ersatzfedern.
Warum sollte ich die Feder meines Füllers wechseln?
Typische Gründe sind der Wunsch nach einer anderen Strichbreite, eine Beschädigung der aktuellen Feder, die Verbesserung des Schreibgefühls oder ein Upgrade auf ein anderes Federmaterial (z.B. von Edelstahl auf Gold, sofern das Modell dies zulässt).
Ist der Federnwechsel kompliziert?
Bei Modellen mit dem Einsteckfeder-System ist der Wechsel oft relativ einfach, da die Einheit gesteckt ist. Bei anderen Modellen, insbesondere den hochwertigeren Serien, ist die Federeinheit meist verschraubt. Hier ist etwas mehr Sorgfalt geboten, und im Zweifel sollte ein Fachhändler kontaktiert werden.
Fazit
Die Möglichkeit, die Feder bei Pelikan Füllern zu wechseln, ist ein wichtiges Merkmal vieler Modelle und basiert historisch auf der Einführung der innovativen Einsteckfeder im Jahr 1958. Dieses System ermöglichte eine Modularität, die bei vielen Schüler- und Einsteigermodellen bis heute zu finden ist. Auch bei den renommierten Serien wie der Souverän-Reihe ist ein Federnwechsel in der Regel möglich, was durch Pelikans eigene Federnproduktion und die Verfügbarkeit von Federeinheiten unterstützt wird. Diese Flexibilität macht Pelikan Füller zu langlebigen Begleitern, die an individuelle Schreibbedürfnisse angepasst oder bei Bedarf repariert werden können.
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