Ernst Reuters politische Reise und Stationen

01/03/2012

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Ernst Reuter war eine herausragende Persönlichkeit der deutschen Politik des 20. Jahrhunderts. Sein Lebensweg führte ihn durch verschiedene Länder, politische Systeme und Parteien. Basierend auf den verfügbaren Informationen zeichnet dieser Artikel einige Stationen seiner politischen Karriere und die Orte nach, an denen er lebte und wirkte.

Wo wohnte Ernst Reuter?
Datei:Berlin Zehlendorf Bülowstraße 33 Ernst Reuter. jpgBeschreibungBerlin-Zehlendorf, Bülowstraße 33, Wohnhaus von Ernst Reuter (1948–1953)DatumApril 2009QuelleSelbst fotografiertUrheberPhoto: Andreas PraefckeAndere Versionen
Übersicht

Frühe Jahre und Wirken in Russland

Ernst Reuters politische Entwicklung begann während seiner Zeit als Kriegsgefangener in Russland im Ersten Weltkrieg. Die Oktoberrevolution von 1917 markierte für ihn einen grundlegenden Wandel. Er begrüßte die Revolution und hegte die Hoffnung, aktiv am Aufbau einer gerechteren, sozialistischen Gesellschaft mitzuwirken. Besonders beeindruckte ihn der Wille der Bolschewiki, rasch Frieden mit den Mittelmächten zu schließen.

In dieser Zeit wurde Reuter zusammen mit zwei weiteren Personen zum Geschäftsführer jenes Bergwerks ernannt, in dem er zuvor selbst Zwangsarbeit hatte leisten müssen. Schnell übernahm er die Verantwortung, die Bergleute mit notwendigen Lebensmitteln und Medikamenten in einem zunehmend unorganisierten Land zu versorgen. Als Vertreter des lokalen Arbeiter- und Soldatenrats reiste er nach Tula, um mit dem Gebietssowjet über diese Angelegenheit zu verhandeln. Dort machte er sich den Bolschewiki erstmals als russisch sprechender deutscher Sozialdemokrat bekannt.

Wenig später, im Februar 1918, holten ihn die Bolschewiki nach Moskau und ernannten ihn zum Vorsitzenden eines von ihnen unterstützten internationalen Gefangenenkomitees. Reuters politische Arbeit unter den Kriegsgefangenen in der Zeit bis zum Friedensschluss von Brest-Litowsk im März 1918 zielte darauf ab, Revolutionäre für einen möglichen politischen Umbruch in Deutschland heranzubilden. Er sprach sich dabei gegen Überlegungen aus, diese Kriegsgefangenen für den Aufbau der Roten Armee zu nutzen.

Im April 1918 schied Reuter aus der politischen Arbeit mit Kriegsgefangenen aus. Lenin, Stalin und weitere führende Bolschewiki beauftragten ihn, eine autonome Verwaltung für die deutschen Siedler an der Wolga aufzubauen, die loyal gegenüber den neuen Machthabern in Moskau sein sollte. Stalin telegrafierte Ende April 1918 an die Sowjetbehörden in Saratow an der Wolga und ebnete Reuter den Weg zur Errichtung eines Wolgakommissariats für deutsche Angelegenheiten.

Reuters Aufgabe in dieser Funktion war es, die deutschen Kolonisten zu loyalen Bürgern des sich etablierenden Sowjetstaates zu machen. Dabei sollte sozialistischer Schulunterricht in deutscher Sprache eine besondere Rolle spielen. Eine weitere elementare Aufgabe, insbesondere in Zeiten des Russischen Bürgerkriegs, war die Sicherstellung der Versorgung der Großstädte, darunter Moskau und Petrograd, mit Getreide aus dieser Überschussregion. Ebenso gehörte zu Reuters Obliegenheiten der Kontakt mit Vertretern des kaiserlichen Deutschlands im Gebiet der Wolgadeutschen, wobei er darauf achten musste, konterrevolutionäre Aktivitäten dieser Reichsvertreter zu unterbinden.

Das Wolgakommissariat trug maßgeblich dazu bei, dass am 30. Juni 1918 in Saratow ein erster wolgadeutscher Sowjetkongress stattfand. Dieser Kongress beschloss Wahlen zu Dorfsowjets und die Einleitung einer sozialistischen Bodenreform. Auch in den wolgadeutschen Dörfern kam es zu Konflikten bei der Requirierung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Ein Regierungsbeschluss vom 26. Juli 1918, mitunterzeichnet von Lenin, legte fest, dass zukünftig alle Kontributionen, Konfiskationen und Requisitionen nur noch mit Zustimmung des deutschen Wolgakommissariats statthaft seien.

Bis zum zweiten wolgadeutschen Sowjetkongress, der am 20. Oktober 1918 in Seelmann stattfand, war das Wolgagebiet unter Reuters Führung administrativ und politisch konsolidiert. Es galt als Vorbild für die Gründung anderer autonomer Gebiete. Dieser zweite Kongress, nun stärker von Kommunisten dominiert, sprach dem Kommissariat das Vertrauen aus und wählte eine Exekutive, der Reuter erneut vorstand. Direkt nach dem Kongress reiste Reuter am 24. Oktober 1918 nach Moskau ab, um am sechsten Allunionskongress der Sowjets teilzunehmen. An die Wolga kehrte er nicht mehr zurück, da ihn in Moskau die Nachrichten von der deutschen Novemberrevolution erreichten.

Ende 1918 empfahl Lenin den jungen Reuter Clara Zetkin für den Gründungsparteitag der KPD mit den Worten, er sei ein brillanter und klarer Kopf, wenn auch ein wenig zu unabhängig.

Wo wohnte Ernst Reuter?
Datei:Berlin Zehlendorf Bülowstraße 33 Ernst Reuter. jpgBeschreibungBerlin-Zehlendorf, Bülowstraße 33, Wohnhaus von Ernst Reuter (1948–1953)DatumApril 2009QuelleSelbst fotografiertUrheberPhoto: Andreas PraefckeAndere Versionen

Rückkehr nach Deutschland und Engagement in der KPD

Im Dezember 1918 kehrte Ernst Reuter zusammen mit Karl Radek und Felix Wolf aus Russland nach Deutschland zurück und überquerte die Grenze bei Eydtkuhnen. In den Weihnachtstagen traf er in Berlin ein und bezog das Zimmer, das er bereits bis 1915 bewohnt hatte. Am 7. Januar 1920 heiratete Reuter in Berlin Lotte Krappek, die Pflegetochter seiner Vermieterin. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, Hella und Gerd Harry.

An der Jahreswende 1918/19 nahm Reuter am Gründungskongress der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) teil, jedoch nicht als Spartakusbund-Delegierter, sondern als Vertreter der russischen Sowjetmacht. Sein erster Parteiauftrag führte ihn in die durch Aufstände destabilisierte Region Oberschlesien. Ab März 1919 begann er dort unter dem Decknamen „Friesland“ einen schlagkräftigen kommunistischen Parteiapparat aufzubauen, da offene politische Arbeit wegen des Belagerungszustandes nicht möglich war.

Diese Tarnung hielt nicht lange. Bereits nach wenigen Wochen wurde Reuter denunziert und verhaftet. Ein außerordentliches Kriegsgericht in Beuthen verurteilte ihn zu drei Monaten Gefängnis, weil er trotz Verbot eine politische Versammlung abgehalten hatte. Nach Verbüßung der Haft im Spätsommer 1919 kam er frei, besuchte seine Eltern in Aurich und wandte sich im Oktober 1919 erneut nach Berlin.

Sein zweiter Parteiauftrag war die Organisation der Berliner Sektion der KPD. Dieser Aufgabe widmete er sich in den folgenden anderthalb Jahren als Berliner Bezirkssekretär. Dies war eine schwierige Zeit für die junge Partei, geprägt von Verboten, internen Richtungskämpfen und Führungslosigkeit nach den Morden an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht im Januar 1919.

Seine führende Position im Berliner Parteiapparat ebnete Reuter den Weg in die Parteispitze. Ende Februar 1920 wählten ihn die Delegierten des dritten Parteitags der KPD zum Ersatzmann in die Parteizentrale. Während des Kapp-Putsches sprach sich Reuter gegen eine Unterstützung des Generalstreiks aus, da seiner Ansicht nach die Arbeiterschaft noch nicht reif für eine Revolution und Räterepublik sei und sich nicht für den Schutz der Republik einsetzen solle. Fortan wurde Reuter dem linken Flügel der KPD zugerechnet.

Im Herbst 1920 fusionierte der linke Flügel der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) mit der KPD, und die neue Partei schloss sich der Kommunistischen Internationale (Komintern) an. Die nun Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands (VKPD) verfügte über eine breitere Basis. Innerhalb der VKPD wurde Reuter Vorsitzender und Erster Sekretär des Bezirks Berlin-Brandenburg.

Die Märzaktion und der Bruch mit den Kommunisten

Unter Ernst Reuters Leitung gehörte der Parteibezirk Berlin-Brandenburg zu den scharfen Kritikern des Parteivorsitzenden Paul Levi, der die Partei auf einen Einheitsfrontkurs ohne revolutionäre Aktionen festlegen wollte. Nach Levis Rücktritt wagte die Partei, unter starkem Druck der Komintern, im März 1921 die Märzaktion, einen Aufstandsversuch in Mitteldeutschland, der jedoch rasch niedergeschlagen wurde.

Reuter befürwortete den Aufstand zunächst und verteidigte diese revolutionäre Offensivstrategie auch in den anschließenden internen Kontroversen. Erst nachdem Lenin und Trotzki auf dem III. Weltkongress der Komintern im Juli 1921 die Märzaktion scharf verurteilten und eine Periode der Konsolidierung forderten, schwenkte Reuter um. Lange Unterredungen mit Lenin und anderen führenden Bolschewiki überzeugten ihn von der Notwendigkeit eines Politikwechsels der deutschen Kommunisten.

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Diese Erfahrungen auf dem Moskauer Kongress führten dazu, dass sich Reuter von einem Vertreter der Parteilinken zu einem Wortführer der Parteirechten entwickelte. Mit dem Vertrauen der russischen Parteiführer ausgestattet und nach einem Appell zur Überwindung interner Kämpfe, wählten die Delegierten des Jenaer Parteitags der VKPD Reuter im August 1921 zum Generalsekretär der Partei.

Reuter konnte sich jedoch nur kurz auf diesem Posten halten. Bereits im September 1921 zeichneten sich Konflikte mit der Komintern ab, da diese weiterhin massiv Einfluss auf die deutschen Kommunisten nehmen wollte, während Reuter und die neue Parteiführung diesen Einfluss ablehnten. Am 21. November 1921 griffen Wilhelm Pieck und Fritz Heckert Reuter auf einer Leitungssitzung der VKPD an und warfen ihm Behinderung der Komintern vor.

Ein Antrag, Pieck zu Reuters Nachfolger als Generalsekretär zu machen, scheiterte zunächst. Am 25. November 1921 veröffentlichte die sozialdemokratische Zeitung „Vorwärts“ Dokumente, die belegten, dass die VKPD im Vorfeld und während der Märzaktion Provokationsstrategien angewandt hatte, darunter vorbereitete Sprengstoffattentate durch den militärpolitischen Apparat der Partei. Diese sollten der „Reaktion“ angelastet werden, um den Kampfgeist des Proletariats zu befeuern. Das Bekanntwerden dieser Pläne empörte weite Teile der Arbeiterschaft.

Auch Reuter war entrüstet und forderte mehrfach eine schonungslose parteiinterne Aufklärung und personelle Konsequenzen. Verantwortliche für solche Pläne müssten zurücktreten. Reuters Forderung stand im Widerspruch zur Parteiführung, die eine offene Debatte scheute und Kritiker verketzerte. Reuters Beharren auf Kritik und Konsequenzen hätte einen Bruch mit der Komintern bedeutet, den die Mehrheit der Parteiführung nicht riskieren wollte.

Am 13. Dezember 1921 schaffte die Parteiführung stattdessen das Amt des Generalsekretärs ab und entmachtete Reuter auf diese Weise. Am 23. Januar 1922 folgte Reuters Parteiausschluss, da er weiterhin Parteimitglieder und Funktionäre mobilisierte, um die Verantwortlichen für die Märzaktion zur Rechenschaft zu ziehen und den Einfluss der Komintern einzudämmen. Dieser Parteiausschluss beendete die sogenannte Frieslandkrise in der Partei.

Spätere politische Laufbahn

Basierend auf den Titeln weiterer Abschnitte der vorliegenden Informationen kann geschlossen werden, dass Ernst Reuter nach seinem Ausschluss aus der Kommunistischen Partei seine politische Laufbahn fortsetzte. Er wurde später als sozialdemokratischer Kommunalpolitiker in Berlin und Magdeburg aktiv.

Häufig gestellte Fragen

Frage: Welchen Parteien gehörte Ernst Reuter laut dem vorliegenden Text an?

Antwort: Laut dem Text war Ernst Reuter zunächst als russisch sprechender deutscher Sozialdemokrat bekannt und arbeitete eng mit den Bolschewiki in Russland zusammen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er maßgeblich am Aufbau und der Führung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bzw. der Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands (VKPD) beteiligt, bis er 1922 ausgeschlossen wurde. Spätere Titel im Text deuten darauf hin, dass er danach als sozialdemokratischer Kommunalpolitiker wirkte.

Frage: Wo lebte und wirkte Ernst Reuter laut dem vorliegenden Text?

Antwort: Der Text beschreibt Ernst Reuters Wirken an verschiedenen Orten. In Russland war er in der Nähe der Wolga (auch Saratow, Seelmann) tätig, reiste nach Tula und arbeitete in Moskau. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland lebte er in Berlin, wo er auch heiratete und politisch sehr aktiv war. Er hatte auch eine Aufgabe in Oberschlesien, wo er in Beuthen inhaftiert war, und besuchte seine Eltern in Aurich. Er nahm an einem Parteitag in Jena teil. Spätere Titel im Text erwähnen zudem Magdeburg als Ort seines Wirkens.

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