Wie die Tattoomaschine Farbe unter die Haut bringt

25/10/2017

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Tätowierungen sind aus unserem modernen Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Was einst Nischenkunst war, ist heute in nahezu allen gesellschaftlichen Schichten angekommen. Vom dezenten Symbol bis zum großflächigen Kunstwerk – die Möglichkeiten sind vielfältig. Doch hinter jedem Tattoo steckt nicht nur künstlerisches Talent, sondern auch präzise Technik. Das Herzstück dieses Prozesses ist die Tattoomaschine, oft auch als Tattoogun bezeichnet. Aber wie funktioniert dieses Gerät eigentlich und wie schafft es die Farbe, dauerhaft in der Haut zu bleiben?

Die Reise der Tätowierungswerkzeuge begann weit entfernt von den High-Tech-Geräten, die wir heute kennen. In den Anfängen war das Tätowieren eine mühsame Handarbeit. Man benutzte einfache Nadeln, oft aus Knochen oder Metall gefertigt, und stach Punkt für Punkt in die Haut, um Linien und Muster zu erzeugen. Diese Methode war nicht nur extrem zeitaufwändig, sondern das Ergebnis war auch oft ungleichmäßig. Die mangelnde Präzision führte häufig zu „verlaufenen“ oder unsauberen Tattoos. Angesichts dieser Herausforderungen begannen kreative Köpfe, nach Wegen zu suchen, den Prozess zu beschleunigen und zu verbessern. Dies war der Beginn der Entwicklung der ersten mechanisierten Tätowiermaschinen.

Sind Tätowiermaschinen im Stiftstil gut?
Präzision und Kontrolle: Die Stift-Tätowiermaschine ermöglicht höhere Präzision und Kontrolle und ist daher ideal für komplizierte Linienführung und detaillierte Tattoos . Dieses Design hilft Künstlern, eine ruhige Hand zu behalten und feine Linien zu erzielen.
Übersicht

Von Handarbeit zur Mechanisierung

Die Notwendigkeit, schneller und präziser arbeiten zu können, trieb die Entwicklung voran. Die ersten mechanischen Maschinen waren oft Eigenkonstruktionen, die auf einfachen Prinzipien basierten, um die Nadelbewegung zu automatisieren. Diese frühen Erfindungen legten den Grundstein für die heutige Tattoo-Industrie. Mit der Zeit wurden diese Maschinen immer weiter verfeinert und spezialisiert, was zur Entstehung verschiedener Maschinentypen führte, die jeweils ihre eigenen Vorteile und Funktionsweisen haben.

Die klassische Magnetspulenmaschine

Eine der bekanntesten und ältesten Arten von Tattoomaschinen ist die Magnetspulenmaschine. Sie war maßgeblich an der Revolutionierung des Tätowierens beteiligt und ist auch heute noch bei vielen Künstlern im Einsatz. Das Funktionsprinzip dieser Maschine beruht auf Elektromagnetismus. Im Inneren der Maschine befinden sich zwei Spulen, die bei Stromfluss ein Magnetfeld erzeugen. Über diesen Spulen ist eine Ankerstange angebracht, an deren Ende die Tätowiernadel befestigt ist. Ein Kontaktschraube schließt den Stromkreis, der die Spulen mit Strom versorgt.

Sobald Strom durch die Spulen fließt, werden diese magnetisch und ziehen die Ankerstange nach unten. Diese Abwärtsbewegung treibt die Nadel in die Haut. Wenn die Ankerstange nach unten gezogen wird, unterbricht sie gleichzeitig den Kontakt zur Kontaktschraube. Der Stromkreis wird unterbrochen, die Spulen verlieren ihren Magnetismus, und die Ankerstange wird von einer Feder wieder nach oben gezogen. Dieser Zyklus – Strom an, Ankerstange runter, Kontakt unterbrochen, Strom aus, Ankerstange hoch – wiederholt sich extrem schnell, hunderte Male pro Sekunde. Diese schnelle Auf- und Abbewegung der Nadel ermöglicht es, die Farbe effizient in die Haut einzubringen. Magnetspulenmaschinen sind bekannt für ihren charakteristischen „Buzz“-Sound und erzeugen spürbare Vibrationen.

Die moderne Rotationsmaschine

Als Weiterentwicklung der Magnetspulenmaschinen kamen die Rotationsmaschinen auf den Markt. Diese Maschinen arbeiten mit einem kleinen Elektromotor anstelle von Spulen. Der Motor erzeugt eine Drehbewegung. Diese Drehbewegung wird mittels eines Exzenters – einer kleinen Scheibe oder eines Rades, das außermittig gelagert ist – in eine lineare Auf- und Abbewegung für die Nadel umgewandelt. Man kann sich das Prinzip ähnlich wie bei einer Nähmaschine vorstellen, die ebenfalls eine rotierende Bewegung in eine lineare Nadelbewegung übersetzt.

Der Hauptvorteil von Rotationsmaschinen liegt in ihrer Laufruhe und geringeren Vibration. Da kein ständiges Ein- und Ausschalten eines Magnetfelds stattfindet, arbeiten diese Maschinen wesentlich leiser als Spulenmaschinen. Die reduzierte Vibration ist nicht nur für den Tätowierer angenehmer, insbesondere bei langen Sitzungen, sondern ermöglicht auch eine ruhigere und präzisere Handführung. Dies macht Rotationsmaschinen besonders beliebt für feine Arbeiten, Schattierungen und auch für Permanent Make-up, wo höchste Präzision entscheidend ist. Viele moderne Rotationsmaschinen verwenden außerdem Cartridge-Systeme für die Nadeln, was den Wechsel hygienischer und schneller gestaltet.

Der entscheidende Moment: Farbe in der Haut

Unabhängig vom Maschinentyp ist der grundlegende Prozess der Farbeinbringung ähnlich. Der Tätowierer taucht die Nadelspitze in die Tätowierfarbe, die aus feinen Farbpigmenten besteht, die in einer Trägerflüssigkeit suspendiert sind. Die schnell bewegliche Nadelspitze nimmt eine kleine Menge Farbe auf. Dann wird die Nadel mit hoher Geschwindigkeit in die Haut gestoßen und wieder herausgezogen. Bei jedem Einstich wird eine winzige Menge Farbe in die Haut eingebracht.

Der Schlüssel für ein dauerhaftes Tattoo ist es, die Farbe in die richtige Hautschicht zu platzieren. Unsere Haut besteht aus mehreren Schichten. Die oberste Schicht ist die Epidermis (Oberhaut), die sich ständig erneuert. Darunter liegt die Dermis (Lederhaut), eine stabilere Schicht, die Bindegewebe, Blutgefäße und Nerven enthält. Innerhalb der Dermis befindet sich die sogenannte Basalzellschicht. Dies ist die Zielschicht für die Tätowierfarbe. Wenn die Nadel die Epidermis durchdringt und die Farbe in die Basalzellschicht der Dermis einbringt, wird die Farbe dort von bestimmten Immunzellen, den Makrophagen, aufgenommen und eingeschlossen. Da diese Zellen und die Dermis im Gegensatz zur Epidermis nicht ständig erneuert werden, bleibt die Farbe dauerhaft sichtbar.

Was passiert, wenn die Farbe nicht in der Basalzellschicht landet? Sticht der Tätowierer zu tief, gelangt die Farbe in tiefere Bereiche der Dermis oder sogar in die Unterhaut. Dies ist nicht nur schmerzhafter, sondern kann auch dazu führen, dass die Farbe unter der Haut „verläuft“ (Blowout), da die tieferen Gewebeschichten weniger dicht sind und die Pigmente sich dort unkontrolliert ausbreiten können. Das Ergebnis ist eine unscharfe Linie oder ein verschwommener Bereich. Sticht der Tätowierer hingegen zu flach, nur in die Epidermis, wird die Farbe mit der natürlichen Hauterneuerung abgestoßen. Das Tattoo verliert dann während des Heilungsprozesses stark an Farbe oder verschwindet sogar teilweise, was ein Nachstechen erforderlich macht.

Die Wahl der Nadeln

Neben der Maschine und der Technik des Tätowierers spielt auch die Auswahl der richtigen Nadeln eine entscheidende Rolle für das Ergebnis. Tätowiernadeln sind nicht einfach einzelne Nadeln, sondern bestehen meist aus mehreren feinen Nadeln, die zu verschiedenen Konfigurationen zusammengefasst sind. Im Groben unterscheidet man zwischen Nadeln zum Konturieren (Liner) und Nadeln zum Füllen und Schattieren (Shader).

Wie funktioniert ein Tattoo-Pen?
Eine Tätowiermaschine funktioniert auf den ersten Blick ähnlich wie eine Nähmaschine: Eine oder mehrere Nadeln oszillieren und punktieren dabei die Haut. Mit mehreren tausend Stichen pro Minute gelangt die Farbe an die gewünschte Körperstelle.

Liner-Nadeln sind meist eng zusammengefasst und laufen an der Spitze zu einer feinen Punktformation zusammen. Sie sind dafür optimiert, präzise Linien und Konturen zu stechen. Shader-Nadeln hingegen sind breiter angeordnet, oft in einer flachen Reihe (Magnum) oder in runder Anordnung (Round Shader). Diese breiteren Konfigurationen ermöglichen es, größere Flächen schnell mit Farbe zu füllen oder weiche Übergänge und Schattierungen zu erzeugen. Die Anzahl der Nadeln in einer Gruppe und ihre Anordnung werden vom Tätowierer je nach Motiv, Stil und gewünschtem Effekt ausgewählt.

Vergleich: Spulenmaschine vs. Rotationsmaschine

MerkmalMagnetspulenmaschineRotationsmaschine
MechanismusElektromagnetische Spulen ziehen Ankerstange anElektromotor treibt Exzenter an
NadelbewegungDurch Unterbrechung des StromkreisesDurch Umwandlung der Rotations- in Linearbewegung
GeräuschpegelLautes „Buzz“-GeräuschDeutlich leiser
VibrationStarke VibrationGeringe Vibration
HandhabungKann schwerer sein, erfordert Übung für RhythmusEinfacher zu handhaben, ruhigere Führung
NadeltypenKlassische Nadelstangen, Cartridges möglichOft optimiert für Cartridge-Systeme, Nadelstangen möglich
Gefühl für KünstlerGutes Feedback von der Haut, „Schlag“ spürbarGleichmäßigerer, sanfterer Stich

Beide Maschinentypen haben ihre Berechtigung und werden von Tätowierern auf der ganzen Welt geschätzt. Die Wahl hängt oft von persönlichen Vorlieben, dem zu tätowierenden Stil und der Erfahrung des Künstlers ab.

Häufig gestellte Fragen zur Tattoomaschine und Farbe

Hier beantworten wir einige gängige Fragen rund um die Funktionsweise und den Prozess des Tätowierens mit der Maschine:

Wie tief geht die Nadel in die Haut?
Die Nadel dringt nur wenige Millimeter tief in die Haut ein, typischerweise in die Basalzellschicht der Dermis. Dies ist die entscheidende Schicht für ein dauerhaftes Tattoo. Die genaue Tiefe wird vom Tätowierer kontrolliert und hängt von der Hautstelle und dem Maschinentyp ab.

Tut das Tätowieren weh?
Ja, Tätowieren ist in der Regel mit Schmerz verbunden, da die Nadel die Haut durchdringt. Das Schmerzempfinden ist jedoch sehr individuell und hängt von der Körperstelle, der Dauer der Sitzung und der persönlichen Toleranz ab. Die Maschinen selbst sind Werkzeuge, die den Prozess ermöglichen, aber nicht den Schmerz verursachen – dieser entsteht durch die Interaktion der Nadel mit den Nervenenden in der Haut.

Warum verläuft Farbe manchmal unter der Haut?
Verlaufene Farbe, auch Blowout genannt, tritt auf, wenn die Nadel zu tief sticht und die Farbe in lockerere Gewebeschichten unterhalb der Basalzellschicht gelangt. Dort können sich die Pigmente unkontrolliert ausbreiten, was zu unscharfen Linien führt. Dies ist meist auf mangelnde Erfahrung oder Präzision zurückzuführen.

Kann die Farbe wieder entfernt werden?
Tätowierfarbe ist dauerhaft in der Dermis eingeschlossen. Eine vollständige Entfernung ist schwierig und erfordert spezialisierte Verfahren wie die Laserentfernung, bei der die Farbpigmente durch Laserenergie zertrümmert werden, damit der Körper sie abbauen kann. Dieser Prozess ist oft langwierig und teuer.

Sind alle Tätowierfarben gleich?
Nein, die Qualität und Zusammensetzung von Tätowierfarben können stark variieren. Seriöse Tätowierer verwenden hochwertige Farben, die speziell für die Verwendung unter der Haut entwickelt wurden und strenge Reinheits- und Sicherheitsstandards erfüllen. Die Farben bestehen aus Pigmenten und einer Trägerflüssigkeit.

Die Welt des Tätowierens ist ständig in Bewegung. Maschinen, Farben und Techniken entwickeln sich weiter, um noch präzisere und sicherere Ergebnisse zu ermöglichen. Die Tattoomaschine, ob Spulen- oder Rotationsmodell, bleibt dabei das unverzichtbare Werkzeug, das es Künstlern ermöglicht, ihre Visionen dauerhaft auf die Haut zu bringen und die Farbe Millimeter für Millimeter in die gewünschte Tiefe zu transportieren.

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