03/05/2023
Einen Kugelschreiber zu verkaufen mag auf den ersten Blick trivial erscheinen. Es ist schließlich ein alltägliches Objekt, das fast jeder besitzt oder zumindest leicht verfügbar hat. Doch hinter dem einfachen Akt des Verkaufs eines Stiftes verbergen sich grundlegende Prinzipien des Vertriebs, die in jeder Branche und für jedes Produkt relevant sind. Genau deshalb ist die Frage „Verkaufen Sie mir diesen Stift“ zu einer klassischen Übung in Verkaufsgesprächen und einem häufigen Test im Vorstellungsgespräch geworden.

Personalverantwortliche nutzen diese Frage, um die Verkaufsfähigkeiten, die Denkweise unter Druck und die Kreativität eines Bewerbers zu prüfen. Es geht nicht darum, wie gut Sie die spezifischen Merkmale eines bestimmten Stiftes kennen, sondern darum, wie Sie an eine Verkaufssituation herangehen. Können Sie auf den Kunden eingehen? Erkennen Sie Bedürfnisse? Können Sie überzeugend argumentieren und mit Einwänden umgehen?
Warum wird diese Frage gestellt?
Die Frage „Verkaufen Sie mir diesen Stift“ mag unerwartet kommen, besonders wenn Sie sich nicht direkt auf eine Stelle als Schreibgerät-Verkäufer bewerben. Doch sie dient mehreren Zwecken:
- Test der Verkaufsfähigkeiten: Sie zeigt, ob Sie die grundlegenden Schritte eines Verkaufsgesprächs beherrschen.
- Umgang mit Druck: Sie simuliert eine spontane, potenziell unangenehme Situation, in der Sie schnell und souverän reagieren müssen.
- Kreativität und Anpassungsfähigkeit: Sie fordert Sie heraus, über den Tellerrand hinauszuschauen und den Wert eines scheinbar einfachen Objekts zu kommunizieren.
- Kundenorientierung: Sie enthüllt, ob Ihr Fokus auf dem Produkt oder auf dem potenziellen Käufer liegt.
- Begeisterung für den Vertrieb: Ein guter Verkäufer sollte bei der Aussicht, etwas zu verkaufen, Enthusiasmus zeigen, nicht Stress.
Ihre Reaktion auf diese Frage kann viel über Ihre Eignung für eine vertriebliche Rolle aussagen.

Was Sie NICHT tun sollten
Es gibt einige Fallen, in die Bewerber oder ungeübte Verkäufer tappen, wenn sie aufgefordert werden, einen Stift zu verkaufen:
- Die Antwort verweigern: Sagen Sie niemals, dass Sie kein Stiftverkäufer sind oder sich unwohl fühlen. Das zeigt mangelnde Bereitschaft und Flexibilität.
- Sofort Merkmale aufzählen: Beginnen Sie nicht damit, einfach nur zu sagen, wie toll der Stift ist (z.B. „Dieser Stift schreibt auf dem Kopf, er ist superleicht...“). Das ist ein Monolog, kein Verkaufsgespräch, und geht am Kunden vorbei.
- Unsicherheit zeigen: Zögern, nervös wirken oder „Äh...“ sagen vermittelt mangelndes Selbstvertrauen im Verkauf.
- Den Kunden beleidigen oder unter Druck setzen: Sagen Sie nicht, dass der Kunde minderwertig aussieht, wenn er keinen guten Stift hat, oder drängen Sie ihn aggressiv zum Kauf.
Der erfolgreiche Ansatz: Kundenbedürfnisse im Fokus
Die erfolgreichste Methode, nicht nur einen Stift, sondern jedes Produkt zu verkaufen, beginnt nicht beim Produkt, sondern beim potenziellen Käufer. Dieser Ansatz wird von Vertriebsexperten wie Jordan Belfort (bekannt aus „The Wolf of Wall Street“, auch wenn seine Methoden ethisch fragwürdig waren, versteht er die Psychologie des Verkaufs) betont.
Bedürfnisse erfragen
Der erste und wichtigste Schritt ist, Fragen zu stellen, um die Kundenbedürfnisse zu verstehen. Finden Sie heraus, wofür der Kunde einen Stift benötigt, wie oft er ihn benutzt und welche Erfahrungen er mit aktuellen Schreibgeräten gemacht hat. Mögliche Fragen sind:
- Wie oft benutzen Sie typischerweise einen Stift?
- Wofür verwenden Sie Stifte am häufigsten? (z.B. schnelle Notizen, Unterschriften, längere Texte, für die Arbeit, privat?)
- Welche Art von Stift benutzen Sie derzeit und sind Sie damit zufrieden?
- Gibt es etwas, das Sie an Ihren aktuellen Stiften stört oder was Sie sich von einem Stift wünschen würden?
- Bevorzugen Sie eine bestimmte Tintenfarbe oder Strichstärke?
Durch diese Fragen erfahren Sie, ob der Kunde Wert auf Zuverlässigkeit, Schreibkomfort, Prestige, Haltbarkeit, Umweltfreundlichkeit oder etwas anderes legt. Dies liefert Ihnen die notwendigen Informationen, um Ihr Verkaufsargument maßzuschneidern.
Von Bedürfnissen zu Vorteilen übergehen
Sobald Sie die Bedürfnisse des Kunden verstanden haben, ist es an der Zeit, die Vorteile Ihres Stiftes hervorzuheben – aber *nur* die Vorteile, die für den Kunden relevant sind. Verbinden Sie die Merkmale des Stiftes direkt mit den geäußerten Bedürfnissen. Hat der Kunde gesagt, er braucht einen zuverlässigen Stift für Unterschriften? Dann sprechen Sie nicht nur über die schöne Farbe, sondern betonen Sie den gleichmäßigen Tintenfluss, die hochwertige Mechanik, die ein Auslaufen verhindert, und das angenehme Gewicht, das ihn professionell wirken lässt.
- Wenn der Kunde viel schreibt: Betonen Sie die Ergonomie und den Schreibkomfort.
- Wenn der Kunde Wert auf Aussehen legt: Sprechen Sie über Design, Material und Verarbeitung.
- Wenn Zuverlässigkeit wichtig ist: Erwähnen Sie die lange Lebensdauer der Mine oder die robuste Bauweise.
- Wenn es um Prestige geht: Weisen Sie auf die Marke, das Design oder die Materialien hin, die Status vermitteln.
Der Übergang von der Fragephase zur Präsentation sollte fließend sein. Sie zeigen, dass Sie zugehört haben und eine Lösung anbieten, die auf den Kunden zugeschnitten ist.
Ein Testangebot machen
Ein sehr effektiver Ansatz, besonders in einer Interview-Situation, ist es, dem Interviewer den Stift zum Testen anzubieten. Bieten Sie an, den Stift für eine bestimmte Zeit (z.B. eine Woche) kostenlos zu nutzen. Das nimmt den Druck vom Kunden, reduziert das Risiko und zeigt Ihr Vertrauen in das Produkt.
- „Nehmen Sie den Stift gerne mit und probieren Sie ihn eine Woche lang aus.“
- „Schreiben Sie damit Ihre Notizen, unterschreiben Sie wichtige Dokumente und sehen Sie selbst, wie er sich anfühlt.“
- „Wenn er Sie nicht überzeugt, komme ich nächste Woche wieder und nehme ihn einfach zurück.“
Dieses Vorgehen nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“ ist sehr überzeugend.
Einwände behandeln
Seien Sie auf Einwände vorbereitet. Der Kunde könnte sagen: „Ich brauche keinen Stift“, „Ich habe schon genug Stifte“, „Dieser Stift ist zu teuer“. Einwände sind keine Ablehnung Ihrer Person, sondern oft nur Fragen oder Bedenken, die ausgeräumt werden müssen.
- „Ich brauche keinen Stift“: Fragen Sie nach Situationen, in denen ein physischer Stift nützlich sein könnte (z.B. bei Stromausfall, für Unterschriften, als Geschenk, wenn digitale Geräte nicht erlaubt sind).
- „Ich habe schon genug Stifte“: Fragen Sie, ob unter diesen Stiften auch *ein* Stift ist, auf den sie sich wirklich verlassen können oder den sie besonders gerne benutzen. Betonen Sie die Qualität über die Quantität.
- „Dieser Stift ist zu teuer“: Sprechen Sie über den Wert statt über den Preis. Rechnen Sie den Preis pro Nutzung herunter, betonen Sie die Langlebigkeit, die Nachfüllbarkeit, die positiven Auswirkungen auf das Image oder den Komfort. „Es ist keine Ausgabe, sondern eine Investition in Ihr Arbeitsgefühl/Ihr Auftreten.“
Wichtig ist, Einwände nicht persönlich zu nehmen, sondern sie als Chance zu sehen, mehr zu erfahren und Bedenken zu zerstreuen. Manchmal hilft es auch, alternative Modelle anzubieten, falls Farbe oder Design nicht passen.
Den Verkauf abschließen
Nachdem Sie die Bedürfnisse ermittelt, die Vorteile aufgezeigt und Einwände behandelt haben, kommt der entscheidende Schritt: der Verkaufsabschluss. Viele Verkäufer zögern hier. Seien Sie direkt und selbstbewusst.
- „Soll ich Ihnen diesen Stift einpacken?“
- „Wie möchten Sie bezahlen?“
- „Wie viele dieser Stifte möchten Sie bestellen?“
- „Diese Stifte eignen sich auch hervorragend als hochwertige Geschenke für Ihre Mitarbeiter oder Geschäftspartner. Möchten Sie gleich ein paar mehr nehmen?“
Manchmal muss man einfach fragen, um den Prozess zum Ende zu bringen. Wenn Sie ein Testangebot gemacht haben, ist der Abschluss beim Folgetermin einfacher: „Hat der Stift Sie überzeugt? Wunderbar! Dann können wir den Kauf jetzt abschließen.“
Beispiele für gute Antworten
Gute Antworten konzentrieren sich auf den Dialog und den Kunden:
- „Wann haben Sie das letzte Mal einen Stift benutzt? Wofür war das?“
- „Welche Eigenschaften sind Ihnen bei einem Schreibgerät besonders wichtig?“
- „Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Ihre Stifte nicht zuverlässig sind oder nicht gut in der Hand liegen?“
- „Stellen Sie sich vor, Sie müssten ein wichtiges Dokument unterschreiben. Würden Sie dafür irgendeinen alten Stift nehmen, oder lieber einen, der zuverlässig schreibt und professionell wirkt?“
Beispiele für schlechte Antworten
Schlechte Antworten sind produktzentriert oder ausweichend:
- „Dieser Stift ist der beste der Welt, er hat eine tolle Mine und liegt super in der Hand.“ (Ohne zu wissen, was dem Kunden wichtig ist)
- „Ich bin kein Stiftverkäufer.“
- „Wenn Sie diesen Stift nicht kaufen, verpassen Sie etwas.“
Beispiel-Interview: „Verkaufen Sie mir diesen Stift“
Interviewer: Verkaufen Sie mir diesen Stift.

Sie: (Nehmen den Stift an und lächeln) Gerne! Bevor ich Ihnen diesen speziellen Stift vorstelle, würde mich interessieren: Wofür benutzen Sie normalerweise Stifte und welche Bedeutung hat ein gutes Schreibgerät für Sie?
Interviewer: Naja, ich benutze Stifte hauptsächlich für schnelle Notizen während Besprechungen oder Telefonaten. Manchmal auch, um Dokumente zu unterschreiben.
Sie: Verstehe. Und haben Sie dabei bestimmte Anforderungen? Zum Beispiel an den Schreibfluss, das Gewicht oder das Aussehen?
Interviewer: Wichtig ist vor allem, dass er zuverlässig schreibt, ohne zu kratzen oder auszusetzen. Ein angenehmes Gefühl in der Hand ist auch nett, und wenn er dabei noch ordentlich aussieht, ist das ein Plus.
Sie: Perfekt. Genau da kommt dieser Stift ins Spiel. Er wurde entwickelt, um genau diesen Anforderungen gerecht zu werden. Beachten Sie, wie gut er in der Hand liegt? Das ausgewogene Gewicht sorgt für einen ermüdungsfreien Schreibkomfort, auch bei längeren Notizen. Die Mine liefert einen unglaublich gleichmäßigen und flüssigen Tintenfluss vom ersten Strich an – ideal für wichtige Unterschriften, bei denen jeder Strich sitzen muss. Außerdem hat er ein klassisches, unaufdringliches Design, das bei jeder Besprechung einen professionellen Eindruck hinterlässt.
Interviewer: Er fühlt sich tatsächlich gut an. Aber ich habe schon einige Stifte auf dem Schreibtisch.
Sie: Das glaube ich Ihnen gerne. Es geht auch nicht darum, die Anzahl Ihrer Stifte zu erhöhen, sondern darum, *den einen* zuverlässigen Stift zu haben, auf den Sie sich in jeder Situation verlassen können und den Sie gerne benutzen. Dieser hier könnte genau dieser Stift sein, der nicht im Chaos auf dem Schreibtisch verschwindet, sondern immer griffbereit ist, wenn es darauf ankommt. Wie wäre es, wenn Sie ihn einfach mal eine Woche lang ausprobieren? Nutzen Sie ihn für alle Ihre Notizen und Unterschriften. Wenn er Sie bis nächste Woche nicht restlos überzeugt hat, komme ich vorbei und nehme ihn einfach wieder mit. Ohne Wenn und Aber.
Interviewer: Eine Woche testen, unverbindlich? Das klingt fair.
Sie: Genau. Ich bin überzeugt, dass er Sie begeistern wird. Darf ich ihn Ihnen bis nächste Woche überlassen?
Interviewer: Ja, gut. Machen Sie das.
Sie: Wunderbar. Ich bin gespannt auf Ihr Feedback nächste Woche!
Häufig gestellte Fragen
- Gilt dieser Ansatz nur für teure Stifte?
- Nein, die Prinzipien der Bedarfsanalyse und des Hervorhebens relevanter Vorteile gelten für jedes Produkt, unabhängig vom Preis. Auch bei einem günstigeren Stift können Sie Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit (z.B. im Großpack), bestimmte Funktionalitäten oder ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis betonen, basierend auf den Kundenbedürfnissen.
- Was, wenn der Kunde wirklich keinen Stift braucht?
- Manchmal passt das Produkt einfach nicht zum Kunden. Ein guter Verkäufer akzeptiert das, bleibt aber professionell und freundlich. Vielleicht kennt dieser Kunde jemanden, der einen Stift braucht? Oder vielleicht können Sie in Zukunft ein anderes Produkt anbieten, das besser passt. Nicht jeder Kontakt führt sofort zum Verkauf.
- Wie finde ich die relevanten Vorteile heraus?
- Indem Sie aktiv zuhören! Die Fragen zu Beginn sind entscheidend. Jede Antwort des Kunden gibt Ihnen Hinweise darauf, welche Merkmale des Stiftes für ihn zu einem Vorteil werden könnten.
Vergleich: Produkt- vs. Kundenfokus
| Produktfokus (Weniger effektiv) | Kundenfokus (Effektiver) |
|---|---|
| Zählt Merkmale des Stiftes auf (z.B. Farbe, Material). | Fragt nach den Bedürfnissen und der Nutzung des Kunden. |
| Spricht über die Eigenschaften des Stiftes isoliert. | Verbindet Merkmale des Stiftes mit den Vorteilen für den Kunden. |
| Geht nicht auf Einwände ein oder wird defensiv. | Hört sich Einwände an und geht konstruktiv darauf ein. |
| Drängt zum Kauf. | Bietet Lösungen und Vertrauen (z.B. Testangebot). |
| Spricht die ganze Zeit. | Stellt Fragen und hört zu. |
Die Fähigkeit, einen Kugelschreiber überzeugend zu verkaufen, insbesondere in einer herausfordernden Situation wie einem Interview, zeigt, dass Sie die Grundlagen des Vertriebs verstehen: Kundenorientierung, aktives Zuhören, das Erkennen von Bedürfnissen, das Aufzeigen von Vorteilen und das souveräne Behandeln von Einwänden. Diese Fähigkeiten sind weit über den Verkauf von Büromaterial hinaus wertvoll.
Üben Sie diesen Ansatz. Denken Sie bei Ihrem nächsten Stift daran, welche Bedürfnisse er erfüllt und wie Sie seinen Wert für verschiedene Personen hervorheben könnten. So sind Sie nicht nur auf die „Verkaufen Sie mir diesen Stift“-Frage vorbereitet, sondern verbessern Ihre Verkaufsfähigkeiten insgesamt.
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