Hörgeräte: HdO-Nachteile, Tragezeit & Binaural

20/05/2023

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Die Wahl des richtigen Hörgeräts ist ein wichtiger Schritt, um die Lebensqualität bei Hörverlust zu verbessern. Auf dem Markt gibt es verschiedene Typen von Hörsystemen, die sich in Bauform, Technologie und Anpassungsmöglichkeiten unterscheiden. Zwei Hauptkategorien sind die Im-Ohr-Hörgeräte (IdO) und die Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO). In diesem Artikel beleuchten wir insbesondere die Hinter-dem-Ohr-Modelle, ihre potenziellen Nachteile, die empfohlene Tragedauer für eine erfolgreiche Eingewöhnung und die faszinierende Welt der modernen Hörgerätetechnologie, insbesondere der binauralen Kopplung.

Was ist der Nachteil eines HdO-Hörgeräts?
Da HdO-Hörgeräte außerhalb des Ohrs sitzen, sind sie leichter zu erkennen. Sie können sie beispielsweise durch Haare unauffälliger gestalten. Bei Menschen mit starkem Hörverlust sind HdO-Hörgeräte in der Regel nicht so gut geeignet .

HdO-Hörgeräte, wie der Name schon sagt, sitzen hinter dem Ohr. Ein kleiner Schlauch oder dünner Draht leitet den Schall vom Gerät ins Ohr, wo ein Ohrstück oder eine Otoplastik platziert ist. Sie gehören zu den beliebtesten Hörgerätetypen und bieten eine Reihe von Vorteilen, die sie für viele Menschen zur bevorzugten Wahl machen. Dazu gehören oft eine einfachere Handhabung, eine längere Batterielaufzeit und eine geringere Anfälligkeit für Feuchtigkeit und Cerumen (Ohrenschmalz) im Gehörgang, da die empfindliche Elektronik außerhalb des Ohrs sitzt. Auch in puncto Rückkopplung, einem unangenehmen Pfeifen, das auftritt, wenn Mikrofon und Hörer zu nah beieinander liegen, sind HdO-Geräte oft im Vorteil, da diese Komponenten räumlich getrennt sind.

Übersicht

Potenzielle Nachteile von HdO-Hörgeräten

Trotz ihrer vielen Vorzüge haben auch HdO-Hörgeräte einige Nachteile, die bei der Entscheidung berücksichtigt werden sollten. Es ist wichtig zu verstehen, dass kein Hörgerät für jeden Träger perfekt ist und die individuellen Bedürfnisse und Präferenzen eine große Rolle spielen.

Sichtbarkeit und Diskretion

Einer der am häufigsten genannten Nachteile von HdO-Hörgeräten ist ihre Sichtbarkeit. Da das Hauptteil des Geräts hinter dem Ohr platziert ist, ist es in der Regel von außen erkennbar. Für viele Menschen, denen Diskretion bei ihrem Hörgerät wichtig ist, kann dies ein entscheidender Faktor sein. Zwar gibt es mittlerweile sehr kleine und farblich angepasste HdO-Modelle, die weniger auffällig sind, aber im Vergleich zu Im-Ohr-Geräten oder gar unsichtbaren Modellen sind sie präsenter. Man kann versuchen, sie durch die Frisur zu verdecken, aber vollständig unsichtbar sind sie in der Regel nicht.

Leistung bei starkem Hörverlust

Während HdO-Geräte für viele Grade des Hörverlusts geeignet sind, können sie bei sehr starkem oder hochgradigem Hörverlust manchmal an ihre Grenzen stoßen. Im-Ohr-Geräte, insbesondere solche, die tiefer im Gehörgang sitzen, können manchmal eine höhere Verstärkung und Ausgangsleistung bieten, die für eine schwere Hörminderung notwendig ist. Es ist zwar möglich, auch leistungsstarke HdO-Geräte für starken Hörverlust zu finden, aber generell bieten Im-Ohr-Geräte in diesem Bereich oft mehr Optionen. Die Wahl hängt hier stark vom individuellen Audiogramm ab.

Klangqualität

Ein weiterer Aspekt, der je nach Modell und Technologie variieren kann, ist die wahrgenommene Klangqualität. Obwohl moderne HdO-Geräte exzellenten Klang liefern, wird manchmal argumentiert, dass Im-Ohr-Geräte oder solche, die tiefer im Gehörgang platziert sind, aufgrund ihrer Positionierung näher am Trommelfell einen natürlicheren Klang erzeugen können. Sie nutzen die natürliche Form der Ohrmuschel besser aus, um den Schall zu sammeln. Dieser Punkt ist jedoch oft subjektiv und stark von der individuellen Anpassung und den spezifischen Funktionen des Geräts abhängig.

Windgeräusche

Da sich das Mikrofon bei HdO-Geräten exponiert hinter dem Ohr befindet, sind sie anfälliger für Windgeräusche, insbesondere wenn man sich im Freien oder in zugigen Umgebungen aufhält. Dieses Rauschen kann als störend empfunden werden und das Sprachverstehen erschweren. Viele moderne Hörgeräte verfügen über Funktionen zur Reduzierung von Windgeräuschen, die dieses Problem minimieren können. Solche Zusatzfunktionen können jedoch den Preis des Hörgeräts erhöhen.

Wie viele Stunden am Tag sollte man ein Hörgerät tragen?
Wir empfehlen eine durchschnittliche Tragezeit der Hörgeräte von 12 bis 15 Stunden pro Tag.

Es ist offensichtlich, dass die Wahl eines Hörgeräts eine Abwägung von Vor- und Nachteilen ist. Die Entscheidung sollte immer in enger Zusammenarbeit mit einem qualifizierten Hörakustiker getroffen werden, der Ihr individuelles Hörprofil und Ihre Bedürfnisse berücksichtigt.

Vorteile von HdO-HörgerätenNachteile von HdO-Hörgeräten
Oft erschwinglicherSichtbarer / Weniger diskret
Komfortabel zu tragen (kein direkter Kontakt im Gehörgang)Manchmal weniger Leistung bei starkem Hörverlust
Weniger anfällig für CerumenPotenziell weniger „natürliche“ Klangwahrnehmung (subjektiv)
Geringeres Risiko von RückkopplungenAnfälliger für Windgeräusche
Längere Batterielaufzeit möglich
Einfachere Handhabung/Reinigung

Die Bedeutung der täglichen Tragedauer

Nachdem ein Hörgerät ausgewählt und angepasst wurde, beginnt die Phase der Eingewöhnung. Ein entscheidender Faktor für den Erfolg dieser Phase und die langfristige Zufriedenheit mit dem Hörgerät ist die konsequente und ausreichende Tragedauer pro Tag.

Viele neue Hörgeräteträger müssen sich erst an die veränderte Klangwelt gewöhnen. Geräusche, die lange Zeit nicht oder nur gedämpft wahrgenommen wurden, sind plötzlich wieder präsent. Das Gehirn muss lernen, diese neuen Informationen zu verarbeiten und wichtige von unwichtigen Geräuschen zu unterscheiden. Dieser Lernprozess, auch auditive Gewöhnung genannt, erfordert Zeit und vor allem regelmäßiges Training.

Experten und Hörakustiker empfehlen dringend, Hörgeräte während der Eingewöhnungsphase und darüber hinaus möglichst ganztägig zu tragen. Eine durchschnittliche Tragedauer von 12 bis 15 Stunden pro Tag wird als ideal angesehen. Das bedeutet, die Geräte sollten vom Aufwachen bis zum Schlafengehen getragen werden. Nur so kann sich das Gehirn effektiv an die neuen Höreindrücke anpassen.

Das Tragen der Hörgeräte nur zu bestimmten Anlässen oder für wenige Stunden am Tag verzögert oder verhindert die notwendige Gewöhnung. Das Gehirn bekommt nicht genügend „Übungsmaterial“, um die Verarbeitung der akustischen Signale zu optimieren. Konsequentes Tragen hilft nicht nur bei der Gewöhnung an die Lautstärke und Klarheit, sondern auch bei der Verbesserung des Sprachverstehens in unterschiedlichen Umgebungen und der Lokalisierung von Schallquellen.

Der Anpassungsprozess und Nachsorge

Die Anpassung von Hörgeräten ist ein Prozess, der in der Regel mehrere Termine beim Hörakustiker erfordert. Typischerweise sind 4 bis 6 Termine über einen Zeitraum von etwa 4 bis 6 Wochen notwendig. In diesen Terminen werden das Hörvermögen präzise analysiert, die Geräte individuell eingestellt und feinjustiert sowie Messungen durchgeführt, um den Erfolg der Anpassung zu dokumentieren.

Nach der erfolgreichen Anpassung ist die Betreuung durch den Hörakustiker noch nicht beendet. Regelmäßige Service- und Kontrolltermine sind entscheidend, um die optimale Funktion der Hörgeräte langfristig zu gewährleisten. Es wird empfohlen, etwa alle 4 Monate zur Inspektion und für Servicearbeiten vorbeizukommen. Diese Termine sind oft kostenfrei und dienen dazu, eventuelle Leistungsabweichungen frühzeitig zu erkennen und zu beheben.

Was kostet ein gutes Diktiergerät?
Budget für dein Diktiergerät: Vom USB Recoder (20-40 Euro), Voice Tracker (30-90 Euro) bis hin zum professionellen Diktiergerät (100 Euro aufwärts). Stromversorgung: wechselbare Batterien oder interne Akkus.

Zusätzlich ist es ratsam, etwa einmal im Jahr das Hörprofil überprüfen zu lassen. Sollte sich Ihr Hörvermögen im Laufe der Zeit verändern, kann der Hörakustiker die Einstellungen Ihrer Hörgeräte entsprechend anpassen, um weiterhin die bestmögliche Unterstützung zu bieten.

Binaurale Kopplung: Intelligentes Hören

Die Technologie in modernen Hörgeräten hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Heutige Hörsysteme sind hochentwickelte Mikrocomputer, die in der Lage sind, komplexe akustische Situationen zu analysieren und darauf zu reagieren. Ein zentraler Fortschritt in dieser Entwicklung ist die binaurale Technologie, oft auch binaurale Kopplung genannt.

Was bedeutet binaurale Kopplung? Sie beschreibt die Fähigkeit des linken und rechten Hörgeräts, drahtlos miteinander zu kommunizieren und Informationen auszutauschen. Während wir mit zwei Ohren hören, um Schallquellen zu lokalisieren und Sprache in geräuschvollen Umgebungen besser zu verstehen, imitieren binaurale Hörsysteme diese natürliche Funktion.

Über eine Funkverbindung tauschen die beiden Geräte kontinuierlich große Datenmengen aus. Sie analysieren gemeinsam die akustische Umgebung und passen ihre Einstellungen in Echtzeit aufeinander ab. Das Ergebnis ist ein verbessertes räumliches Hören – ein authentischer Raumklang, der es dem Träger ermöglicht, die Richtung von Geräuschen wahrzunehmen und sich in komplexen Hörumgebungen besser zurechtzufinden.

Ein weiterer signifikanter Vorteil der binauralen Kopplung ist die nachhaltige Verbesserung des Sprachverstehens im Lärm. Früher war dies oft die „Achillesferse“ von Hörgeräten. Durch die gemeinsame Analyse der Geräuschkulisse können die binaural gekoppelten Geräte Störgeräusche effektiver reduzieren und die Sprache hervorheben, unabhängig davon, aus welcher Richtung sie kommt. Sie arbeiten als ein System, um das optimale Signal für das Gehirn aufzubereiten.

Moderne binaurale Systeme können beispielsweise erkennen, ob Sie in einem ruhigen Raum sind, auf der Straße oder in einem belebten Restaurant. Sie passen dann automatisch ihre Einstellungen an, optimieren die Richtcharakteristik der Mikrofone und die Verstärkung, um das bestmögliche Hörerlebnis in dieser spezifischen Situation zu ermöglichen. Diese intelligente Vernetzung der beiden Ohren stellt einen echten Fortschritt dar und trägt maßgeblich zu einem natürlicheren und entspannteren Hören bei.

Häufig gestellte Fragen

Was sind die Hauptnachteile von HdO-Hörgeräten?
Zu den Hauptnachteilen können die größere Sichtbarkeit im Vergleich zu Im-Ohr-Geräten, eine potenziell geringere Leistung bei sehr starkem Hörverlust, eine subjektiv empfundene weniger natürliche Klangqualität und eine höhere Anfälligkeit für Windgeräusche zählen.

Wie lange braucht das Gehirn, um sich an Hörgeräte zu gewöhnen?
Im Allgemeinen genügen einige Wochen, um sich an ein Hörgerät zu gewöhnen.

Wie viele Stunden am Tag sollte ich mein Hörgerät tragen?
Um eine optimale Eingewöhnung und langfristigen Erfolg zu erzielen, wird empfohlen, Hörgeräte täglich 12 bis 15 Stunden zu tragen, idealerweise den ganzen Tag von morgens bis abends.

Was ist der Zweck der täglichen Tragedauer?
Die konsequente Tragedauer hilft Ihrem Gehirn, sich an die neuen Klänge zu gewöhnen, das Sprachverstehen zu verbessern und Geräusche richtig zu lokalisieren. Es ist ein notwendiger Lernprozess für das auditive System.

Wie oft muss ich für die Anpassung zum Hörakustiker?
Der Anpassungsprozess dauert in der Regel 4 bis 6 Wochen und erfordert etwa 4 bis 6 Termine beim Hörakustiker zur Einstellung und Feinjustierung.

Was bedeutet binaurale Kopplung?
Binaurale Kopplung bezeichnet die drahtlose Kommunikation zwischen dem linken und rechten Hörgerät. Die Geräte tauschen Daten aus, um gemeinsam die akustische Umgebung zu analysieren, räumliches Hören (Raumklang) zu ermöglichen und das Sprachverstehen im Lärm zu verbessern.

Welche Vorteile bietet die binaurale Technologie?
Die binaurale Technologie verbessert den Raumklang, ermöglicht eine bessere Schalllokalisierung und steigert das Sprachverstehen signifikant, insbesondere in lauten und komplexen Hörsituationen.

Die Entscheidung für ein Hörgerät ist eine sehr persönliche. Die hier besprochenen Punkte – die spezifischen Eigenschaften von HdO-Geräten, die Wichtigkeit der Tragedauer und die Vorteile moderner Technologien wie der binauralen Kopplung – sind wichtige Aspekte, die Sie auf Ihrem Weg zu besserem Hören berücksichtigen sollten. Eine individuelle Beratung und Anpassung durch einen Fachmann ist dabei unerlässlich.

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