21/08/2023
Die Dürr AG ist ein Name, der in der Welt des Maschinen- und Anlagenbaus Gewicht hat. Seit über einem Jahrhundert hat sich das Unternehmen von einer kleinen Bauklempnerei zu einem global agierenden Konzern entwickelt, der Schlüsselindustrien weltweit beliefert. Als Spezialist für effiziente Produktionstechnik spielt Dürr eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung moderner Fertigungsprozesse, insbesondere in der Automobilindustrie und zunehmend auch in der Holzbearbeitung sowie anderen Sektoren.

Was produziert und leistet die Dürr AG?
Im Kern ist die Dürr AG ein führender Maschinen- und Anlagenbauer. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung und Lieferung von Technologien, die Produktionsprozesse effizienter, automatisierter und nachhaltiger gestalten. Die Aktivitäten des Dürr-Konzerns sind in fünf Hauptsegmente unterteilt, die jeweils spezifische Bereiche der industriellen Fertigung abdecken:
- Paint and Final Assembly Systems: Dieses Segment ist ein Eckpfeiler des Geschäfts und bietet fortschrittliche Produktions- und Lackiertechnik für Automobilkarosserien. Hier werden Anlagen für die Oberflächenbehandlung und Lackierung entwickelt, die eine hohe Qualität und Effizienz gewährleisten.
- Measuring and Process Systems: Systeme aus diesem Bereich finden Anwendung im Motoren- und Getriebebau sowie in der Fahrzeugendmontage. Sie umfassen Prüfstände, Befüllsysteme und andere Technologien, die für die Qualitätssicherung und Endmontage von Fahrzeugen unerlässlich sind.
- Application Technology: Dieses Segment ist auf die Robotertechnik spezialisiert, insbesondere auf Lackierroboter und Hochrotationszerstäuber. Diese Technologien ermöglichen eine präzise und automatisierte Lackierung und Applikation von Materialien.
- Clean Technology Systems: Hier bündelt Dürr sein Geschäft mit industrieller Umwelttechnik. Dieses Segment bietet Lösungen zur Abluftreinigung, Energieeffizienz und Lärmminderung, die Unternehmen helfen, Umweltauflagen zu erfüllen und nachhaltiger zu produzieren.
- Woodworking Machinery and Systems: Seit der Übernahme der HOMAG Group im Jahr 2014 ist Dürr auch Marktführer für Maschinen und Systeme in der holzbearbeitenden Industrie. Dieses Segment liefert Anlagen für die Möbelproduktion, den Holzbau und andere Anwendungen der Holzverarbeitung.
Neben diesen Kernbereichen engagiert sich Dürr stark in der Automatisierung industrieller Prozesse. Insbesondere im Bereich der Lackierroboter und durch gezielte Akquisitionen wie Teamtechnik, Hekuma und BBS Automation hat Dürr seine Position als führender Anbieter von Automatisierungslösungen ausgebaut. Diese Technologien sind entscheidend, um den steigenden Anforderungen an Stückzahlen, Qualität und den Herausforderungen des Fachkräftemangels zu begegnen.
Ein weiterer wichtiger Fokus liegt auf der Nachhaltigkeit. Dürr entwickelt Technologien, die zur klimafreundlichen Transformation der Produktion beitragen. Ein Beispiel ist die erste komplett CO2-freie Automobillackiererei, die Dürr für einen Kunden in Europa realisiert. Angesichts der Tatsache, dass ein erheblicher Teil des Energiebedarfs bei der Autoproduktion auf den Lackierprozess entfällt, spielen die nachhaltigen Technologien von Dürr eine wichtige Rolle auf dem Weg zur klimaneutralen Fahrzeugproduktion.
Wo sitzt die Dürr AG?
Der Ursprung der Dürr AG liegt in Bad Cannstatt, wo Paul Dürr 1896 eine Bauklempnerei gründete. Heute hat die börsennotierte Dürr AG ihren Sitz in Stuttgart, während sich die Hauptverwaltung in Bietigheim-Bissingen befindet. Dies sind die zentralen administrativen Standorte des Unternehmens in Deutschland.
Allerdings ist Dürr weit mehr als nur ein deutsches Unternehmen. Der Konzern verfügt über ein sehr breites globales Netzwerk. Zum 31. Dezember 2023 beschäftigte Dürr Mitarbeiter an 139 Standorten in 33 Ländern weltweit. Diese internationale Präsenz ermöglicht es Dürr, seine Kunden global zu betreuen und auf lokale Marktanforderungen einzugehen. Die Übernahme der HOMAG Group hat die Anzahl der Standorte weltweit weiter erhöht.
Wie viele Mitarbeiter hat Dürr?
Die Mitarbeiterzahl der Dürr AG ist in den letzten Jahren, auch durch strategische Akquisitionen, stetig gewachsen. Zum Stichtag 31. Dezember 2023 beschäftigte der Dürr-Konzern insgesamt 20.597 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit. Dies stellt einen deutlichen Zuwachs von 2.083 Personen oder 11,3 % im Vergleich zum Vorjahr dar.
Ein wesentlicher Treiber für diesen Zuwachs war die Übernahme des Automatisierungsspezialisten BBS Automation im Jahr 2023, der 1.614 Beschäftigte in den Konzern einbrachte. Auch in Deutschland stieg die Zahl der Mitarbeiter um 6,3 % auf 9.410 Personen. Dürr engagiert sich zudem stark in der Ausbildung und beschäftigt aktuell 536 junge Menschen in Ausbildung oder einem dualen Studium.

Es ist jedoch anzumerken, dass es bei der Konzerntochter HOMAG aufgrund der Nachfrageschwäche im Möbel- und Bausektor Anpassungen gibt. Es wurde ein Stellenabbau von rund 600 Stellen angekündigt, davon 350 in Deutschland. Diese Maßnahmen dienen dazu, die Kostenstruktur des Segments zu optimieren und es langfristig wieder profitabler zu machen.
Wen beliefert Dürr?
Die Dürr AG bedient eine breite Palette von Industriekunden weltweit. Der traditionell wichtigste Abnehmersektor ist die Automobilindustrie. Dürr liefert Produktions- und Lackieranlagen, Mess- und Prozesssysteme sowie Robotertechnologie an Automobilhersteller und deren Zulieferer auf der ganzen Welt. Die Trends zur Elektromobilität und zu klimafreundlicheren Produktionsprozessen sind aktuell wichtige Wachstumstreiber in diesem Bereich.
Neben der Automobilindustrie beliefert Dürr auch eine Vielzahl anderer Branchen:
- Maschinenbau: Dürr liefert Komponenten und Systeme an andere Maschinenbauunternehmen.
- Elektroindustrie: Lösungen für die Fertigung in der Elektroindustrie.
- Energiewirtschaft: Technologien, die in der Energieerzeugung oder -verteilung zum Einsatz kommen könnten, möglicherweise im Rahmen der Umwelttechniksysteme.
- Chemie- und Pharmaindustrie: Hier kommen oft die Clean Technology Systems oder spezielle Prozessanlagen zum Einsatz.
- Holzverarbeitende Industrie: Durch die HOMAG Group ist Dürr ein Hauptlieferant von Maschinen und Systemen für die Möbelproduktion, den Holzbau und andere Segmente der Holzverarbeitung.
Diese Diversifizierung über verschiedene Industrien hinweg hilft Dürr, Marktschwankungen in einzelnen Sektoren besser abzufedern, auch wenn die Automobilindustrie und die Holzbearbeitung (über HOMAG) derzeit die größten Segmente darstellen.
Ein Blick in die Geschichte von Dürr
Die Wurzeln der Dürr AG reichen bis ins Jahr 1896 zurück. Paul Dürr gründete damals eine Bauklempnerei in Bad Cannstatt. Anfangs stellte das Unternehmen unter anderem Dachrinnen und Ornamente her und erweiterte seinen Betrieb schrittweise. 1913 erhielt Paul Dürr den Titel Königlich Württembergischer Hofflaschnermeister.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Unternehmen weiter. 1917 wurde die Blechbearbeitung ausgeweitet und erste Kontakte zur Fahrzeugindustrie geknüpft. Nach der Übergabe an seinen Sohn Otto Dürr im Jahr 1932 und der Einrichtung eines Konstruktionsbüros im Jahr 1938 konnte Dürr auch komplizierte Blechteile produzieren. Während des Zweiten Weltkriegs war Dürr in die Rüstungsproduktion involviert.
Ein entscheidender Schritt war der Beginn des Anlagenbaus im Jahr 1950 mit einer Anlage für die chemische Oberflächenbehandlung. 1963 installierte Dürr die erste Anlage zur elektrophoretischen Tauchlackierung im Ford-Werk Genk, eine Technologie, die revolutionär war. Die internationale Expansion begann in den 1960er Jahren mit Tochterunternehmen in Brasilien und Mexiko.
Wichtige Meilensteine in der jüngeren Geschichte umfassen die Erweiterung auf Automatisierung und Fördertechnik (1978), den Börsengang (1989) und zahlreiche strategische Akquisitionen, die das Portfolio erweiterten und die Marktposition stärkten. Dazu gehören die Übernahme der Behr-Gruppe (1989), Alstom Automation (1999), Premier Group (1999), Carl Schenck (2000), Homag Group (2014) und zuletzt BBS Automation (2023).

Diese Geschichte zeigt die kontinuierliche Entwicklung von einer handwerklichen Werkstatt zu einem globalen Technologiekonzern, der sich immer wieder an neue Marktanforderungen und technologische Entwicklungen angepasst hat.
Finanzielle Entwicklung und Ausblick
Das Jahr 2023 war für den Dürr-Konzern trotz eines herausfordernden Umfelds erfolgreich. Das Unternehmen erzielte einen Umsatzrekord von 4.627,3 Mio. €, was einem Wachstum von 7,3 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auch das operative Ergebnis (EBIT vor Sondereffekten) konnte deutlich auf 280,4 Mio. € gesteigert werden, was einer Verbesserung der Marge von 5,4 % auf 6,1 % führte. Dieses positive Ergebnis wurde von Zuwächsen in allen fünf Divisionen getragen, begünstigt durch eine Entspannung in den Lieferketten.
Der Auftragseingang lag 2023 bei 4.615,5 Mio. €, was einem Rückgang von 7,8 % gegenüber dem sehr starken Vorjahr entspricht, aber immer noch in der oberen Hälfte der Zielspanne lag. Während das Geschäft mit der Automobilindustrie ein hohes Bestellniveau halten konnte, insbesondere durch Investitionen in E-Mobilität und klimafreundliche Technologien, verzeichnete die Konzerntochter HOMAG einen deutlichen Rückgang der Bestellungen aufgrund der Schwäche im Möbel- und Bausektor.
Die Akquisition von BBS Automation trug bereits im Jahr 2023 mit 107,1 Mio. € zum Umsatz bei und zeigte eine überdurchschnittliche Profitabilität im Zukunftsfeld der Automatisierungstechnik.
Der Free Cashflow entwickelte sich mit 129,3 Mio. € positiv und erreichte den höchsten Wert seit 2016. Dies wurde trotz höherer Investitionen durch ein effizientes Management des Nettoumlaufvermögens, insbesondere durch die Reduzierung von Vorräten, ermöglicht.
Für das Jahr 2024 erwartet Dürr trotz der weiterhin herausfordernden Lage bei HOMAG ein erneutes Umsatzwachstum zwischen 2 % und 8 % auf 4.700 bis 5.000 Mio. €. Der Auftragseingang soll ebenfalls steigen. Die EBIT-Marge vor Sondereffekten wird jedoch voraussichtlich auf 4,5 % bis 6,0 % sinken, hauptsächlich bedingt durch den erwarteten Umsatz- und Ergebnisrückgang bei HOMAG. Mittelfristig strebt Dürr eine Marge von mindestens 8 % an, was eine Markterholung bei HOMAG voraussetzt. Bis 2030 soll der Umsatz auf über 6 Mrd. € steigen.
Häufig gestellte Fragen zur Dürr AG
Basierend auf den vorliegenden Informationen beantworten wir einige gängige Fragen:
Frage: Was genau stellt die Dürr AG her?
Antwort: Die Dürr AG ist ein Maschinen- und Anlagenbauer, der sich auf Produktionstechnik spezialisiert hat. Dazu gehören Lackieranlagen und Endmontagesysteme für die Automobilindustrie, Mess- und Prozesssysteme, Lackierroboter und Applikationstechnologie, Systeme für die industrielle Umwelttechnik sowie Maschinen und Anlagen für die Holzbearbeitung (über die HOMAG Group).

Frage: Wo hat die Dürr AG ihren Hauptsitz?
Antwort: Der rechtliche Sitz der Dürr AG ist in Stuttgart, die Hauptverwaltung befindet sich in Bietigheim-Bissingen, Deutschland.
Frage: Wie viele Menschen arbeiten bei Dürr?
Antwort: Ende 2023 beschäftigte der Dürr-Konzern weltweit 20.597 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon waren 9.410 in Deutschland tätig.
Frage: Welche Kunden bedient Dürr hauptsächlich?
Antwort: Zu den Hauptkunden von Dürr zählen Automobilhersteller und -zulieferer. Darüber hinaus beliefert das Unternehmen den Maschinenbau, die Elektroindustrie, die Energiewirtschaft, die Chemie- und Pharmaindustrie sowie die holzverarbeitende Industrie.
Frage: Ist Dürr nur in Deutschland tätig?
Antwort: Nein, Dürr ist ein global agierender Konzern mit 139 Standorten in 33 Ländern weltweit.
Frage: Investiert Dürr in Elektromobilität und Nachhaltigkeit?
Antwort: Ja, die Produktionstechnologien für Elektroautos machten 2023 über 50 % des Geschäfts mit der Automobilindustrie aus. Dürr entwickelt zudem Anlagen, die zur klimafreundlichen und CO2-neutralen Fahrzeugproduktion beitragen.
Diese Informationen bieten einen umfassenden Einblick in die Aktivitäten, die Struktur und die Bedeutung der Dürr AG als globalen Anbieter von Produktionstechnologien.
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