10/05/2024
Winterbach, eine lebendige Gemeinde im Rems-Murr-Kreis, liegt eingebettet im malerischen Remstal. Das Gemeindegebiet erstreckt sich beidseits der von Westen her fließenden Rems und wird auf der rechten Flussseite von der Bundesstraße 29 begleitet. Die geografische Lage zwischen den Städten Schorndorf flussaufwärts und Remshalden flussabwärts prägt das Umfeld Winterbachs maßgeblich. Der Hauptort der Gemeinde befindet sich überwiegend auf der linken Seite des Flusses, wo sich der historische Dorfkern erhalten hat. Direkt gegenüber, auf der rechten Flussseite, sind vor allem Gewerbegebäude angesiedelt, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind und die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde widerspiegeln.

Die Gemarkung Winterbachs zeigt eine bemerkenswerte Ausdehnung. Sie reicht recht weit nach Süden und umfasst dabei Teile des Schurwalds, einem bewaldeten Höhenzug südlich des Remstals. Nach Norden hin ist die Gemarkung weniger ausgedehnt und reicht lediglich bis an den oberen Anstieg aus dem Remstal zu den Berglen heran. Diese topografische Vielfalt prägt das Landschaftsbild und bietet unterschiedliche Nutzungsbereiche innerhalb des Gemeindegebiets.
Gemeindegliederung und Bevölkerung
Die Gemeinde Winterbach setzt sich aus dem Hauptort Winterbach im Remstal und zwei weiteren Ortsteilen zusammen: Engelberg, der am Anstieg zum Schurwald liegt, und Manolzweiler, das sich auf der Höhe des Schurwalds befindet. Ende 2015 verzeichnete die gesamte Gemeinde Winterbach 7602 Einwohner. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung lebte im Hauptort Winterbach, der 7196 Einwohner zählte. Die verbleibenden Einwohner verteilten sich auf die Ortsteile Engelberg und Manolzweiler.
Die Struktur der Gemeinde spiegelt sich auch im politischen System wider. In Winterbach wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der Unechten Teilortswahl gewählt. Zu diesem Zweck sind die drei genannten Ortsteile – Winterbach (Wohnbezirk I), Engelberg (Wohnbezirk II) und Manolzweiler (Wohnbezirk III) – als Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung festgelegt.
Nördlich der eigentlichen Ortsgrenze des Dorfes Winterbach gibt es entlang der Straße Vorderer Wattenbach einige Aussiedlerhöfe. An einem Südhang in dieser Gegend wird zudem Wein angebaut, was auf die landwirtschaftliche Nutzung auch außerhalb der geschlossenen Bebauung hinweist. Auf der Gemarkung Winterbachs liegen außerdem mehrere sogenannte Wüstungen, also Orte, die einst besiedelt waren, heute aber aufgegeben sind. Zu diesen Wüstungen gehören Aylen, Bicklinsweiler, Hof und Kikishart, deren Namen von früheren Siedlungsaktivitäten zeugen.
Geschichte Winterbachs
Die Geschichte Winterbachs reicht weit zurück und ist durch mehrere bedeutende Epochen und Entwicklungen gekennzeichnet.
Frühe Spuren und erste Erwähnung
Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung Winterbachs datiert auf das Jahr 1046. Am 28. August dieses Jahres unterschrieb Kaiser Heinrich III., ein Herrscher aus dem Haus der Salier, in Winterbach eine Urkunde. Dieses Dokument bestätigte Besitzungen des Klosters Lorsch. Der Absatz, der die Unterzeichnung festhält, schließt mit den Worten "Actum Winterbach, feliciter Amen" – frei übersetzt: "Geschehen in Winterbach. Mit Glückwunsch! Amen". Diese Erwähnung belegt, dass Winterbach zu dieser Zeit bereits ein Ort von ausreichender Bedeutung war, um einen Kaiser und sein Gefolge beherbergen zu können.
Aus weiteren historischen Urkunden wird geschlossen, dass der damalige Hof Winterbach ein salischer Familienbesitz war. Die Namensform mit der Endung "-bach" deutet nach sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen auf eine Entstehung relativ spät nach dem Sieg der Franken über die Alemannen hin. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Winterbach möglicherweise aus zwei älteren, anders benannten Ortskernen hervorgegangen ist, von denen einer den Namen Smidheim getragen haben soll. Eine Reihe archäologischer Quellen, die bis ins 8. Jahrhundert zurückreichen, stützen die Annahme einer frühen Besiedlung. Noch älter könnten Spuren einer fränkischen Trasse sein, die über einer ursprünglich römischen Straße gefunden wurden und über die Winterbacher Markung verliefen. Die Vermutung, dass Winterbach zur Zeit Heinrichs III. eine Kaiserpfalz war, wird durch Schenkungen Kaiser Heinrichs IV. an die Domherren und die Kirche zu Speyer verstärkt, denen die Königsgüter Winterbach und Waiblingen übertragen wurden.
Vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit
Im Jahr 1125 ging Winterbach in den Besitz der Staufer über. Mit dem Untergang des schwäbischen Kaiserhauses im späten Mittelalter gelangte das ehemalige staufische Königsgut in die Nutzung der Grafen von Württemberg, die sich diese Besitztümer aneigneten.
Ebenfalls im späten Mittelalter wurde in Winterbach eine neue Kirche gebaut. Die Michaelskirche, deren Errichtung auf das Jahr 1309 datiert wird und die sich im Großen und Ganzen noch heute so präsentiert, zählt zu den ältesten Kirchen im Remstal. Die frühere Erwähnung einer Kirche an dieser Stelle lässt jedoch darauf schließen, dass die heutige Michaelskirche nicht der erste Sakralbau war, sondern dass ihr ein oder sogar mehrere Vorgängerbauten vorausgingen.
Im späten Mittelalter kam es auch zur Gründung eines Augustinerklosters auf dem Engelberg. Dieses Kloster wurde von Graf Ulrich V. von Württemberg gestiftet. Die Geschichte des Klosters war jedoch nur von kurzer Dauer. Möglicherweise im Bauernkrieg geplündert, wurde das Kloster bereits im Jahr 1538 aufgehoben.

Bevölkerungswachstum und Auswanderung
Ab Beginn des 18. Jahrhunderts verzeichnete Winterbach ein starkes Bevölkerungswachstum. Allein in den 100 Jahren zwischen 1712 und 1811 hat sich die Einwohnerzahl von 735 auf 1731 mehr als verdoppelt. Dieses rapide Wachstum der Bevölkerung führte zusammen mit niedrigen Erträgen in der Landwirtschaft, den Auswirkungen von Kriegen und Missernten dazu, dass die Landwirtschaft die stark angewachsene Bevölkerung nicht mehr ausreichend ernähren konnte. Die daraus resultierende Notlage vieler Winterbacher in jenen Jahren bewirkte, dass immer mehr Menschen ihre Heimat verließen und auswanderten. Die meisten von ihnen suchten eine neue Zukunft in Nordamerika.
Wandel zur Industriegemeinde
Die Periode zwischen 1871 und 1914 wird oft als die sogenannte "gute alte Zeit" bezeichnet und markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Entwicklung Winterbachs. In dieser Zeit begann die Transformation von einer rein landwirtschaftlich geprägten Gemeinde hin zu einer modernen Industriegemeinde. Die Einführung der Elektrizität im Jahr 1906 war dabei ein einschneidendes Ereignis, das die gewerbliche Entwicklung vorantrieb. Zu den ersten Betrieben, die elektrisch versorgt wurden, gehörten eine Eierteigwarenfabrik und ab 1909 auch eine Brauerei auf dem Engelberg, was die beginnende Industrialisierung verdeutlicht.
Die Geschichte des Weinbaus
Eine vormals sehr bedeutende landwirtschaftliche Nutzung in Winterbach war der Weinbau. Allerdings hatten die katastrophalen Zustände im Weinbau Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, verursacht durch Pflanzenkrankheiten und Schädlinge, gravierende Folgen auch für Winterbach. Ganze Jahrgänge wurden vernichtet. Dies führte dazu, dass fast alle Weingärtner den Weinbau aufgaben. Die Situation verschärfte sich, als 1910 und 1911 die nicht gegen die Reblaus resistenten Rebstöcke gerodet werden mussten. Die ehemals bedeutende Weinbaugemeinde Winterbach verlor damit einen Großteil ihrer Rebflächen.
Glücklicherweise gibt es auch heute noch Weinbau in Winterbach, insbesondere auf dem Weinberg am Hungerberg. Dort reift nach wie vor ein guter Tropfen. Das in Winterbach ansässige Weingut Jürgen Ellwanger trägt mit seinen international anerkannten Weinen dazu bei, dass Winterbach auch unter Weinkennern weiterhin ein Begriff ist.
Nachkriegszeit und heutige Struktur
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Gemeinde Winterbach vor großen Herausforderungen, insbesondere durch die Aufnahme vieler Flüchtlinge und Heimatvertriebener, die im Remstal eine neue Heimat suchten. Ab Ende der Fünfzigerjahre führte die fortschreitende gewerbliche und industrielle Entwicklung zu einer weiteren tiefgreifenden strukturellen Veränderung. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ging stark zurück, während sich die Gemeinde vollends zu einer Industrie- und Dienstleistungsgemeinde entwickelte. Diese Struktur prägt Winterbach bis heute. Trotz dieser Entwicklung verfügt Winterbach weiterhin über eine gute Ausstattung an Handwerksbetrieben, was insbesondere für das Bauhandwerk gilt.
Regelmäßige Veranstaltungen
Das gesellschaftliche Leben in Winterbach wird durch eine Reihe von regelmäßigen Veranstaltungen bereichert. Zu den festen Terminen im Kalender gehört das alljährliche Brunnenfest, das traditionell Ende Juni von Samstag bis Montag stattfindet. In der Vorweihnachtszeit zieht der Winterbacher Weihnachtsmarkt am ersten Adventssonntag Besucher an. Alle zwei Jahre, in ungeraden Jahren, veranstaltet die Kulturinitiative im Juli das "Rock das Winterbach Zeltspektakel". Für Sportbegeisterte ist der Remstal-Lauf ein wichtiger Termin, der meistens im April ausgetragen wird und seit 1992 stattfindet.
Literaturhinweise
Für Leserinnen und Leser, die sich eingehender mit der Geschichte und den Gegebenheiten Winterbachs beschäftigen möchten, gibt es verschiedene Publikationen. Dazu zählt die Beschreibung des Oberamts Schorndorf aus dem Jahr 1851, die auch Winterbach behandelt. Ein weiteres relevantes Werk ist das Buch von Eugen Bellon zur Siedlungs- und Weinbaugeschichte im Raum Waiblingen-Winterbach aus dem Jahr 1992.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Ist Winterbach ein Dorf?
Winterbach ist eine Gemeinde im Rems-Murr-Kreis, die aus dem Hauptort Winterbach sowie den Ortsteilen Engelberg und Manolzweiler besteht. Der Hauptort Winterbach wird in der Quelle als "Dorf" bezeichnet. Mit über 7000 Einwohnern im Hauptort (Stand 2015) und seiner Entwicklung zu einer Industrie- und Dienstleistungsgemeinde hat Winterbach jedoch eine Struktur, die über die eines kleinen Dorfes im traditionellen Sinne hinausgeht.
Wie alt ist Winterbach?
Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung Winterbachs stammt aus dem Jahr 1046, als Kaiser Heinrich III. hier eine Urkunde unterzeichnete. Hinweise aus archäologischen Funden und auf mögliche ältere Siedlungskerne reichen jedoch bis ins 8. Jahrhundert zurück. Spuren einer fränkischen Trasse könnten sogar noch älter sein. Die heutige Michaelskirche wurde 1309 gebaut, hatte aber bereits Vorgängerbauten. Man kann festhalten, dass Winterbach eine lange und vielschichtige Geschichte hat, die deutlich vor das Jahr 1046 zurückreicht.
Wenn du mehr spannende Artikel wie „Winterbach: Geografie, Geschichte, Leben“ entdecken möchtest, schau doch mal in der Kategorie Bürobedarf vorbei!
