Was ist der Unterschied zwischen Bürobedarf und Betriebsbedarf?

Versandkosten richtig buchen

01/08/2013

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Sie gehören inzwischen ganz selbstverständlich zu unserem Alltag – die Kosten für Lieferung und Versand. Was wir im Privatbereich ohne Überlegung bereit sind zu bezahlen, um eine bequeme Zustellung zu genießen, gehört im Unternehmen seit jeher zu den alltäglichen Abläufen. Denn jede Lieferung, die ein Unternehmen erhält oder versendet, geht auch mit Lieferkosten einher. Wie Du die Versandkosten richtig buchen kannst, erklären wir Dir hier Schritt für Schritt, basierend auf gängigen Buchungsprinzipien und Kontenrahmen wie SKR 03 und SKR 04.

Wo buche ich die Versandkosten in der Buchhaltung?
Versandkosten, die zum betrieblichen Wareneingang gehören, zählen zu den Betriebsnebenkosten. Diese kannst Du vollständig als Betriebsausgabe geltend machen. Gehören die Versandkosten zu den Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, dann schlägst Du auch die Transportkosten zu den Anschaffungsnebenkosten.30. Aug. 2018
Übersicht

Was gehört alles zu den Versandkosten?

Wenn in einer Rechnung der Posten Liefer- oder Versandkosten ausgewiesen ist, dann bezahlst Du nicht nur die reinen Transportkosten oder die Lohn- und Logistikkosten des Transportunternehmens. Vielmehr umfassen Versandkosten eine Reihe unterschiedlicher Bestandteile und Aufwendungen des Lieferanten, die auf die Position Transportkosten in der Lieferantenrechnung entfallen. Zu diesen Aufwendungen, die in den Versandkosten enthalten sein können, gehören zum Beispiel:

  • Verpackungsmaterial: Kosten für Kartons, Füllmaterial, Klebeband etc.
  • Transportversicherung: Kosten für die Absicherung der Ware während des Transports.
  • Frachtkosten: Die eigentlichen Kosten des Transports durch den Spediteur oder Paketdienst.
  • Lohnkosten: Anteile für das Personal, das sich um Verpackung, Kommissionierung und Verladung kümmert.
  • Betriebsstoffe: Wie zum Beispiel Kraftstoff für eigene Lieferfahrzeuge.
  • Einfuhrzölle: Bei internationalen Lieferungen können Zölle und Abgaben anfallen.
  • Aufbau / Abbau: Falls die Lieferung die Montage am Zielort beinhaltet.

Es ist wichtig zu wissen, dass der in der Rechnung ausgewiesene Betrag für Versandkosten oft eine Zusammenfassung dieser verschiedenen Einzelkosten darstellt und nicht nur den reinen Transportaufwand abbildet.

Wie werden Versandkosten in der Rechnung ausgewiesen?

Die Versandkosten stellen in der Rechnung einen integralen Bestandteil der erbrachten Gesamtleistung dar. Sie erhöhen den Preis, den Du für eine erworbene Ware oder Dienstleistung zu bezahlen hast. Aus buchhalterischer Sicht gehören sie daher untrennbar zum bezogenen Wirtschaftsgut.

Dieser Umstand schlägt sich auch in der Form der Rechnungsstellung nieder. Der Rechnungssteller zählt in der Regel die Nettopreise der Ware und der Versandkosten im ersten Schritt zu einer Gesamtsumme zusammen. Diese Summe wird dann als netto Rechnungsbetrag ausgewiesen. Erst danach schlägt er auf diesen gesamten Nettobetrag, der sich aus Ware und Lieferkosten zusammensetzt, die zu erhebende Mehrwertsteuer drauf. Damit fasst er die Ware und die Lieferkosten zu einem einzigen Rechnungsposten zusammen, auf den einheitlich die Mehrwertsteuer berechnet wird. Es gibt also in der Regel nicht separate Mehrwertsteuersätze für Ware und Versandkosten auf einer einzelnen Rechnung, sondern einen gemeinsamen Steuersatz für den Gesamtnettobetrag.

Zuordnung und Klassifizierung der Versandkosten in der Buchhaltung

Da die Versandkosten zur Ware oder zum bezogenen Wirtschaftsgut gehören, müssen sie auch in der Buchhaltung entsprechend der Art des gelieferten Guts eingeordnet werden. Die korrekte Zuordnung ist entscheidend für die spätere steuerliche Behandlung und die Darstellung in Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung.

Damit Du die Versandkosten richtig buchen kannst, nimmst Du zuerst die passende Zuordnung vor:

  • Versandkosten im Zusammenhang mit Wareneingang (Umlaufvermögen): Gehören die Versandkosten zu Waren, die Du einkaufst, um sie weiterzuverkaufen oder im laufenden Betrieb zu verbrauchen (also zum betrieblichen Wareneingang), zählen sie zu den Betriebsnebenkosten. Diese Kosten erhöhten den Einstandspreis der Ware und können in der Regel vollständig als Betriebsausgabe geltend gemacht werden.
  • Versandkosten im Zusammenhang mit Anlagevermögen: Gehören die Versandkosten zu Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens (Güter, die langfristig im Unternehmen verbleiben, wie Maschinen, Fahrzeuge, Büromöbel), dann schlägst Du die Transportkosten zu den Anschaffungsnebenkosten hinzu. Die Anschaffungsnebenkosten erhöhen die gesamten Anschaffungskosten des Anlageguts. Diese gesamten Anschaffungskosten (Anschaffungspreis + Anschaffungsnebenkosten) bilden die Grundlage für die Abschreibung des Anlageguts über dessen voraussichtliche Nutzungsdauer.

Diese Unterscheidung ist fundamental. Betriebsnebenkosten wirken sich direkt auf den Gewinn der Periode aus, während Anschaffungsnebenkosten über die Abschreibung auf mehrere Perioden verteilt werden.

Versandkosten buchen: Die Perspektive des Kunden (Eingangsrechnung)

Wenn Dein Unternehmen eine Lieferung von einem Lieferanten erhält und dafür Versandkosten in Rechnung gestellt bekommt, musst Du diese Kosten in Deiner Buchhaltung erfassen. Diese gehören, wie oben erläutert, entweder zu den Betriebsnebenkosten (bei Wareneingang) oder zu den Anschaffungsnebenkosten (bei Anlagevermögen).

Um aus einer Eingangsrechnung die enthaltenen Versandkosten richtig zu buchen, ordnest Du die Lieferkosten dem entsprechenden Konto zu. Das gängige Konto, auf das diese Kosten gebucht werden, ist das Konto mit der Bezeichnung Bezugsnebenkosten. Dieses Konto sammelt alle Nebenkosten, die beim Bezug von Waren oder Anlagevermögen anfallen, wie z.B. Frachten, Zölle, Verpackung etc.

Die genauen Kontonummern für das Konto Bezugsnebenkosten variieren je nach verwendetem Kontenrahmen:

  • Im Kontenrahmen SKR 03 hat das Konto Bezugsnebenkosten laut unserem Beispieltext die Nummer 903800.
  • Im Kontenrahmen SKR 04 entfällt auf das Konto mit derselben Bezeichnung laut unserem Beispieltext die Nummer 905800.

Es ist ratsam, den spezifischen Kontenplan Deines Unternehmens zu überprüfen, da möglicherweise detailliertere Unterkonten vorhanden sind.

Praxisbeispiel: Buchung von eingehenden Versandkosten (Kunde)

Stellen wir uns eine typische Situation vor:

Dein Unternehmen erhält die Lieferung eines Wirtschaftsgutes (zum Beispiel Büromaterial für den Verbrauch) im Wert von 3.000 Euro netto. Für die Lieferung berechnet Dein Lieferant zusätzlich Versandkosten in Höhe von 100 Euro netto. Die Mehrwertsteuer von 19% wird auf den Gesamtnettobetrag von 3.100 Euro berechnet (589 Euro). Insgesamt überweist Du 3.689 Euro an Deinen Lieferanten.

Bei der Buchung der Eingangsrechnung erfasst Du den Wert der Ware (auf das entsprechende Wareneingangs- oder Aufwandskonto), die Versandkosten und die abziehbare Vorsteuer. Die Transportkosten in Höhe von 100 Euro buchst Du dabei auf das Konto Bezugsnebenkosten. Hier zeigen wir exemplarisch die Buchung der Netto-Versandkosten:

Buchungssatz für Versandkosten (Bezugsnebenkosten)

Die Buchung der Netto-Versandkosten erfolgt im Soll auf das Konto Bezugsnebenkosten. Die Gegenbuchung erfolgt im Haben, in der Regel auf das Konto Bank (wenn die Zahlung sofort erfolgt) oder auf das Konto Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (wenn die Rechnung später bezahlt wird).

Im Soll (Aufwand / Erhöhung der Anschaffungskosten):

KontenrahmenKontonummerKontenbezeichnungBetrag (Netto)
SKR 03903800Bezugsnebenkosten100 Euro
SKR 04905800Bezugsnebenkosten100 Euro

Im Haben (Abgang von Geld / Erhöhung Verbindlichkeit):

Die Gegenbuchung erfolgt auf das Konto, über das die Zahlung abgewickelt wird.

KontenrahmenKontonummerKontenbezeichnungBetrag
SKR 031200Bank100 Euro
SKR 041800Bank100 Euro

Hinweis: Diese Beispiele zeigen nur die Buchung der Netto-Versandkosten. Die Buchung des Warenwerts selbst und der gesamten abziehbaren Vorsteuer auf den Gesamtnettobetrag (Ware + Versandkosten) erfolgen separat auf den entsprechenden Konten (z.B. Wareneingang, Abziehbare Vorsteuer).

Auf welches Konto buche ich Material?
Bilanz ist der Unterschied zwischen Handelswaren und allen anderen Stoffen relevant. Die Handelswaren werden auf dem Konto „Aufwendungen für Waren“ erfasst. Alle anderen Stoffe erfassen Sie auf dem Konto „Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe“.

Versandkosten buchen: Die Perspektive des Lieferanten (Ausgangsrechnung)

Wenn Dein Unternehmen Waren oder Leistungen an Kunden versendet und dafür Versandkosten berechnet, entstehen Dir selbst Aufwendungen für diesen Versand (z.B. Kosten für den Spediteur, Verpackungsmaterial, Personal). Gleichzeitig erzielst Du Erträge aus den Versandkosten, die Du Deinen Kunden in Rechnung stellst.

Die Aufwendungen, die Deinem Unternehmen entstehen, um eine Lieferung an einen Kunden zu transportieren, gehören zu den steuerlich absetzbaren Betriebsausgaben. Die Buchung dieser Aufwendungen für ausgehende Lieferungen erfolgt in der Regel auf spezielle Aufwandskonten.

Die Konten, die zu Deinem Buchungssatz für die Aufwendungen der Ausgangsfrachten gehören können, lauten auf die Bezeichnungen:

  • Ausgangsfrachten (oder ähnliche Konten für Transportaufwand)
  • Abziehbare Vorsteuer 19 % (auf die eingekauften Transportleistungen, z.B. vom Spediteur)
  • Bank (oder Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, wenn die Rechnung des Spediteurs noch offen ist)

Die Kontonummern für die Aufwendungen der Ausgangsfrachten variieren ebenfalls je nach Kontenrahmen. Laut der Haufe-Quelle sind gängige Kontonummern:

  • SKR 03: 4730
  • SKR 04: 6740

In dem uns vorliegenden Beispieltext wurden für die Buchung der Aufwendungen auf der Sollseite abweichende Nummern genannt (904730 in SKR 03 und 906730 in SKR 04). Es ist essentiell, den spezifischen Kontenrahmen Deines Unternehmens zu Rate zu ziehen und die dort hinterlegten Konten zu verwenden. Die Konten 4730/6740 sind jedoch weit verbreitet für diesen Aufwand.

Buchung der Aufwendungen für Ausgangsfrachten (Beispiel)

Nehmen wir an, Du beauftragst einen Spediteur, der Dir für eine Lieferung an einen Kunden 100 Euro netto plus 19% Vorsteuer (19 Euro) in Rechnung stellt. Du buchst diese Kosten als Aufwand für Ausgangsfrachten.

Im Soll (Aufwand):

KontenrahmenKontonummer (gängig)KontenbezeichnungBetrag (Netto)
SKR 034730Ausgangsfrachten100 Euro
SKR 046740Ausgangsfrachten100 Euro

Buchung der abziehbaren Vorsteuer auf die Speditionsrechnung:

Die auf die eingekauften Transportleistungen entfallende Vorsteuer buchst Du separat als abziehbare Vorsteuer:

KontenrahmenKontonummerKontenbezeichnungBetrag (19%)
SKR 031576Abziehbare Vorsteuer 19 %19 Euro
SKR 041406Abziehbare Vorsteuer 19 %19 Euro

Im Haben (Abgang von Geld / Erhöhung Verbindlichkeit):

Die Gegenbuchung für die Zahlung an den Spediteur erfolgt im Haben, z.B. auf das Konto Bank (oder Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen).

KontenrahmenKontonummerKontenbezeichnungBetrag (Brutto)
SKR 031200Bank119 Euro
SKR 041800Bank119 Euro

Wichtig: Diese Buchung betrifft nur Deine Aufwendungen für den Versand. Die Erträge aus den Versandkosten, die Du Deinem Kunden in Rechnung stellst, sowie die darauf entfallende Umsatzsteuer werden separat auf Ertragskonten (z.B. Erlöse aus Versandkosten) und Umsatzsteuerkonten gebucht.

Häufig gestellte Fragen zur Buchung von Versandkosten

Gehören Versandkosten immer zu den Anschaffungskosten?
Nicht immer. Wenn die Versandkosten für Waren anfallen, die Du im laufenden Betrieb verbrauchst oder weiterverkaufst (Wareneingang), zählen sie zu den Betriebsnebenkosten. Wenn sie für Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens anfallen, gehören sie zu den Anschaffungsnebenkosten und erhöhen den Wert des Anlageguts, der dann über die Abschreibung verteilt wird.
Wie wird die Mehrwertsteuer auf Versandkosten behandelt?
Die Mehrwertsteuer wird in der Regel auf den Gesamtnettobetrag aus Ware und Versandkosten berechnet. Als Kunde kannst Du die enthaltene Vorsteuer abziehen, wenn Dein Unternehmen vorsteuerabzugsberechtigt ist. Als Lieferant musst Du die Umsatzsteuer auf die berechneten Versandkosten (als Teil Deiner Erlöse) abführen. Die Vorsteuer auf Deine eigenen Aufwendungen für den Versand (z.B. Speditionsrechnung) kannst Du ebenfalls abziehen.
Auf welches Konto buche ich eingehende Versandkosten (Kunde)?
Eingehende Versandkosten für Wareneingang oder Anlagevermögen buchst Du typischerweise auf das Konto Bezugsnebenkosten. Die genaue Kontonummer hängt von Deinem Kontenrahmen ab (z.B. 903800 in SKR 03, 905800 in SKR 04 laut unserem Beispieltext).
Auf welches Konto buche ich ausgehende Versandkosten (Lieferant)?
Die Aufwendungen, die Dir für den Versand an Kunden entstehen (z.B. Kosten des Spediteurs), buchst Du auf ein Aufwandskonto wie Ausgangsfrachten. Gängige Kontonummern sind 4730 (SKR 03) und 6740 (SKR 04). Die abziehbare Vorsteuer auf diese Kosten wird separat gebucht (z.B. auf Konto 1576 in SKR 03 oder 1406 in SKR 04). Die Erträge aus den berechneten Versandkosten buchst Du auf ein separates Ertragskonto.
Was ist der Unterschied zwischen Bezugsnebenkosten und Ausgangsfrachten?
Bezugsnebenkosten sind Kosten, die Dir entstehen, wenn Du Waren oder Anlagevermögen einkaufst und geliefert bekommst (Buchung aus Sicht des Käufers/Empfängers). Ausgangsfrachten sind Kosten, die Dir entstehen, wenn Du Waren an Deine Kunden versendest (Buchung aus Sicht des Verkäufers/Versenders, bezogen auf die Dir entstandenen Aufwendungen für den Versand).

Zusammenfassung und Fazit

Die korrekte Buchung von Versandkosten ist ein wichtiger, aber oft unterschätzter Aspekt der Unternehmensbuchhaltung. Sie erfordert eine klare Unterscheidung, ob die Kosten im Zusammenhang mit eingehenden Lieferungen (Kundenperspektive) oder ausgehenden Lieferungen (Lieferantenperspektive) stehen.

Für eingehende Versandkosten, die Teil des Wareneingangs oder des Anlagevermögens sind, ist das zentrale Konto in der Regel Bezugsnebenkosten. Diese Kosten erhöhen den Einstandspreis der Waren oder die Anschaffungskosten des Anlageguts.

Für die Dir entstandenen Aufwendungen für ausgehende Versandkosten (z.B. Speditionskosten) ist das Konto Ausgangsfrachten zuständig. Diese sind Betriebsausgaben.

In beiden Fällen ist es entscheidend, die Nettobeträge korrekt zu erfassen und die Mehrwertsteuer bzw. Vorsteuer separat auf den dafür vorgesehenen Konten zu buchen. Die genauen Kontonummern können je nach verwendetem Kontenrahmen (SKR 03, SKR 04) variieren, daher ist ein Blick in den spezifischen Kontenplan Deines Unternehmens unerlässlich.

Mit dem Wissen um die hier dargestellten Prinzipien und die Unterscheidung zwischen Bezugsnebenkosten und Ausgangsfrachten bist Du gut gerüstet, um Versandkosten in Deiner Buchhaltung sicher und korrekt zu erfassen und somit eine ordnungsgemäße Rechnungslegung sicherzustellen.

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