08/11/2019
In Handelsbetrieben, sei es im Groß- oder Einzelhandel, spielt die korrekte Erfassung von Waren eine zentrale Rolle für die Buchführung und die Ermittlung des Unternehmenserfolgs. Auch Industriebetriebe, die Handelswaren zukaufen und unverändert weiterverkaufen, nutzen spezielle Warenkonten. Das deutsche Handelsrecht, insbesondere die Abgabenordnung, stellt klare Anforderungen an die Dokumentation von Wareneingängen und Warenausgängen. Für die praktische Umsetzung in der Buchhaltung haben sich im Wesentlichen zwei Verfahren etabliert: die bestandsorientierte Buchung und die aufwandsorientierte Buchung. Diese beiden Methoden unterscheiden sich fundamental in der Art und Weise, wie Warenbewegungen unterjährig erfasst werden und welche Konten dabei im Vordergrund stehen. Ein tiefes Verständnis beider Ansätze ist entscheidend, um die finanzielle Situation eines Unternehmens korrekt abzubilden und den wirtschaftlichen Erfolg zu ermitteln.

- Grundlagen der Warenkonten
- Trennung der Warenkonten bei aufwandsorientierter Buchung
- Abschluss der Warenkonten: Netto- vs. Bruttomethode
- Grundlegender Buchungsablauf (Bruttomethode)
- Buchungsbeispiele (Bruttomethode)
- Bestandsveränderung bei aufwandsorientierter Buchung
- Vertiefung: Bestandsorientierte Methode (Skontrationsmethode) in der Praxis
- Zusammenfassender Vergleich
- Häufig gestellte Fragen
Grundlagen der Warenkonten
Warenkonten dienen dazu, den Wert der eingekauften und verkauften Handelswaren sowie den Lagerbestand abzubilden. Sie sind essenziell, um den Wareneinsatz und die erzielten Umsatzerlöse zu ermitteln. Die korrekte Führung dieser Konten ist eine wichtige Grundlage für die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) und die Bilanz.

Bestandsorientierte Buchung (Skontrationsmethode)
Bei der bestandsorientierten Buchung, oft auch als Skontrationsmethode bezeichnet, steht die fortlaufende Erfassung des physischen Warenbestands im Vordergrund. Jede Bewegung im Lager wird genau dokumentiert. Das bedeutet, sowohl der Zugang von Waren (z.B. durch Lieferscheine) als auch der Abgang von Waren (z.B. durch Materialentnahmescheine oder Verkauf) wird unmittelbar auf Bestandskonten erfasst. Diese Methode erfordert eine sehr genaue und zeitnahe Lagerverwaltung, da der Buchungsbestand jederzeit mit dem tatsächlichen Lagerbestand übereinstimmen sollte. Sie ermöglicht eine permanente Inventur, da der aktuelle Bestand jederzeit aus der Buchhaltung ablesbar ist. Dies kann besonders vorteilhaft sein, um Überbestände oder Fehlmengen frühzeitig zu erkennen. Allerdings ist dieser Ansatz in der Praxis oft mit einem hohen administrativen Aufwand verbunden, insbesondere bei einem großen Sortiment oder häufigen Warenbewegungen.
Aufwandsorientierte Buchung (Just-in-Time-Buchung)
Die aufwandsorientierte Buchung, auch Just-in-Time-Buchung genannt, ist in der Praxis das am häufigsten angewendete Verfahren, insbesondere in Unternehmen mit sehr hohem Warenumschlag. Bei dieser Methode werden die Wareneinkäufe nicht sofort auf einem Bestandskonto gebucht, sondern als Aufwand auf dem Konto „Aufwendungen für Waren“ (oder ähnlich, je nach Kontenrahmen). Das Bestandskonto „Waren“ zeigt unterjährig lediglich den Anfangsbestand. Der tatsächliche Warenbestand am Ende des Geschäftsjahres wird durch eine körperliche Inventur ermittelt und als Schlussbestand auf dem Konto „Waren“ erfasst. Der Unterschied zwischen Anfangs- und Schlussbestand auf dem Konto „Waren“ stellt eine Bestandsveränderung dar, die am Ende des Jahres als Korrektur auf das Aufwandskonto gebucht wird. Dieses Verfahren ist oft einfacher zu handhaben, da nicht jede einzelne Warenbewegung im Lager sofort buchhalterisch erfasst werden muss. Die Ermittlung des Wareneinsatzes erfolgt gebündelt am Ende des Geschäftsjahres.
Trennung der Warenkonten bei aufwandsorientierter Buchung
Um Transparenz zu schaffen und Bestand sowie Erfolg voneinander zu trennen, hat sich bei der aufwandsorientierten Buchung die Nutzung von drei separaten Konten durchgesetzt:
- Waren (Bestand): Dies ist ein aktives Bestandskonto in der Bilanz. Es weist den Wert des Warenlagers aus. Unterjährig wird hier nur der Anfangsbestand geführt. Der Saldo am Jahresende wird durch Inventur ermittelt und über das Schlussbilanzkonto abgeschlossen.
- Wareneingang: Dies ist ein Aufwandskonto in der Gewinn- und Verlustrechnung. Alle Zugänge von Handelswaren (Einkäufe) werden hier im Soll gebucht. Der Saldo dieses Kontos am Jahresende stellt die gesamten Wareneinkäufe dar, die dann um die Bestandsveränderung korrigiert werden, um den tatsächlichen Wareneinsatz zu ermitteln.
- Erlöse (Warenverkauf): Dies ist ein Ertragskonto in der Gewinn- und Verlustrechnung. Alle Verkäufe von Handelswaren werden hier im Haben gebucht. Der Saldo dieses Kontos stellt die erzielten Umsatzerlöse aus Warenverkäufen dar.
Abschluss der Warenkonten: Netto- vs. Bruttomethode
Am Ende des Geschäftsjahres müssen die Erfolgskonten „Wareneingang“ und „Erlöse (Warenverkauf)“ sowie das Bestandskonto „Waren“ abgeschlossen werden. Hierfür gibt es zwei Methoden:
Nettomethode
Bei der Nettomethode wird das Wareneingangskonto über das Warenverkaufskonto (Erlöse) abgeschlossen. Der Saldo, der sich auf dem Warenverkaufskonto nach dieser Umbuchung ergibt, stellt den Rohgewinn oder -verlust dar. Dieser Rohgewinn/-verlust wird anschließend auf das Gewinn- und Verlustkonto gebucht. Diese Methode verrechnet Aufwendungen (Wareneingang) direkt mit Erträgen (Warenverkauf) auf einem Konto, bevor der Saldo in die GuV überführt wird.
Bruttomethode
Die Bruttomethode ist das in Deutschland gesetzlich vorgeschriebene Verfahren und entspricht den Grundsätzen der Bilanzklarheit, insbesondere dem Saldierungsverbot gemäß § 246 Abs. 2 HGB. Dieser Paragraph besagt, dass Aufwendungen nicht mit Erträgen verrechnet werden dürfen. Bei der Bruttomethode werden das Wareneingangskonto (nach Korrektur durch die Bestandsveränderung, um den Wareneinsatz zu ermitteln) und das Erlöskonto direkt über das Gewinn- und Verlustkonto abgeschlossen. Der ermittelte Wareneinsatz wird als Aufwand im Soll des GuV-Kontos gebucht, während die Warenerlöse als Ertrag im Haben des GuV-Kontos erscheinen. Diese separate Darstellung von Aufwand und Ertrag auf dem GuV-Konto bietet eine klarere Einsicht in die Zusammensetzung des Unternehmenserfolgs.
Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf die in der Praxis und nach HGB relevante Bruttomethode.
Grundlegender Buchungsablauf (Bruttomethode)
Konto „Waren (Bestand)“
Dieses Konto ist ein aktives Bestandskonto. Zu Beginn des Geschäftsjahres wird der Anfangsbestand der Waren aus der Eröffnungsbilanz im Soll gebucht. Während des Jahres erfolgen hier keine laufenden Buchungen der Warenbewegungen (im Gegensatz zur bestandsorientierten Methode). Am Ende des Jahres wird der durch Inventur ermittelte Waren-Schlussbestand im Haben gebucht. Der Saldo dieses Kontos zeigt die Bestandsveränderung (Mehrung oder Minderung), die für die Korrektur des Wareneingangskontos benötigt wird.
Buchungssatz am Jahresende für den Schlussbestand: Schlussbilanzkonto an Waren
Konto „Wareneingang“
Dieses Konto ist ein Aufwandskonto. Alle Einkäufe von Handelswaren während des Jahres werden hier im Soll gebucht. Dies geschieht typischerweise bei Erhalt der Lieferantenrechnung. Der Saldo des Kontos „Wareneingang“ vor der Jahresabschlussbuchung stellt die Summe aller Wareneinkäufe des Jahres dar. Dieser Saldo muss am Jahresende um die Bestandsveränderung korrigiert werden, um den tatsächlichen Wareneinsatz zu ermitteln. Der endgültige Saldo des Kontos „Wareneingang“ (der Wareneinsatz) wird dann über das Gewinn- und Verlustkonto abgeschlossen.
Buchungssatz für den Abschluss des Wareneingangskontos (nach Bestandsveränderung): Gewinn- und Verlustkonto an Wareneingang
Konto „Erlöse (Warenverkauf)“
Dieses Konto ist ein Ertragskonto. Alle Verkäufe von Handelswaren während des Jahres werden hier im Haben gebucht. Dies geschieht typischerweise bei Erstellung der Ausgangsrechnung an den Kunden. Der Saldo des Kontos „Erlöse“ stellt die gesamten Umsatzerlöse aus Warenverkäufen des Jahres dar. Dieser Saldo wird am Jahresende über das Gewinn- und Verlustkonto abgeschlossen.
Buchungssatz für den Abschluss des Erlöskontos: Erlöse an Gewinn- und Verlustkonto
Buchungsbeispiele (Bruttomethode)
Wareneingang - Lieferantenrechnung (Beispiel SKR04/SKR03)
Angenommen, ein Unternehmen erhält eine Lieferantenrechnung über 10.000,00 € Nettowarenwert zuzüglich 19 % Vorsteuer.
Buchung im SKR04:
| Soll | Haben | Sachkonto | Betrag (€) |
|---|---|---|---|
| X | 5400 (Wareneingang 19 % Vorsteuer) | 10.000,00 | |
| X | 1406 (Vorsteuer 19%) | 1.900,00 | |
| X | Kreditor (Verbindlichkeiten) | 11.900,00 |
Buchung im SKR03:
| Soll | Haben | Sachkonto | Betrag (€) |
|---|---|---|---|
| X | 3400 (Wareneingang 19 % Vorsteuer) | 10.000,00 | |
| X | 1576 (Vorsteuer 19%) | 1.900,00 | |
| X | Kreditor (Verbindlichkeiten) | 11.900,00 |
Diese Buchung erhöht den Aufwand auf dem Konto „Wareneingang“ und gleichzeitig die Verbindlichkeiten gegenüber dem Lieferanten. Die gezahlte Vorsteuer wird als Forderung gegenüber dem Finanzamt erfasst.
Erlöse (Warenverkauf) - Ausgangsrechnung an Kunden (Beispiel SKR04/SKR03)
Angenommen, ein Unternehmen stellt eine Ausgangsrechnung über 10.000,00 € Nettowarenwert zuzüglich 19 % Umsatzsteuer an einen Kunden.
Buchung im SKR04:
| Soll | Haben | Sachkonto | Betrag (€) |
|---|---|---|---|
| X | Debitor (Forderungen) | 11.900,00 | |
| X | 4400 (Erlöse 19 % USt) | 10.000,00 | |
| X | 3806 (Umsatzsteuer 19%) | 1.900,00 |
Buchung im SKR03:
| Soll | Haben | Sachkonto | Betrag (€) |
|---|---|---|---|
| X | Debitor (Forderungen) | 11.900,00 | |
| X | 8400 (Erlöse 19 % USt) | 10.000,00 | |
| X | 1776 (Umsatzsteuer 19%) | 1.900,00 |
Diese Buchung erhöht die Forderungen gegenüber dem Kunden und gleichzeitig die Erträge auf dem Konto „Erlöse“. Die geschuldete Umsatzsteuer wird als Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt erfasst.
Bestandsveränderung bei aufwandsorientierter Buchung
Die Bestandsveränderung ergibt sich aus dem Vergleich des Warenanfangsbestands mit dem durch Inventur ermittelten Warenschlussbestand. Sie ist der Saldo des Kontos „Waren“. Diese Veränderung muss am Jahresende auf dem Konto „Wareneingang“ korrigiert werden, um den tatsächlichen Wareneinsatz zu ermitteln.
Bestandsmehrung
Eine Bestandsmehrung liegt vor, wenn der Warenschlussbestand größer ist als der Warenanfangsbestand. Dies bedeutet, dass im Laufe des Jahres mehr Waren eingekauft wurden als verkauft. Der im Soll des Kontos „Wareneingang“ gebuchte Aufwand (die Einkäufe) ist daher zu hoch, da ein Teil dieser eingekauften Waren noch auf Lager ist. Um den tatsächlichen Wareneinsatz zu ermitteln, muss der Aufwand um die Bestandsmehrung gemindert werden. Dies geschieht durch eine Buchung im Haben des Kontos „Wareneingang“ und im Soll des Kontos „Waren“.
Buchungssatz bei einer Bestandsmehrung: Waren an Wareneingang
Die Formel für den Wareneinsatz lautet in diesem Fall:
Wareneingang
- Bestandsmehrung
= Wareneinsatz
Bestandsminderung
Eine Bestandsminderung liegt vor, wenn der Warenschlussbestand kleiner ist als der Warenanfangsbestand. Dies bedeutet, dass im Laufe des Jahres weniger Waren eingekauft als verkauft (bzw. aus dem Anfangsbestand entnommen) wurden. Der im Soll des Kontos „Wareneingang“ gebuchte Aufwand ist daher zu niedrig. Um den tatsächlichen Wareneinsatz zu ermitteln, muss der Aufwand um die Bestandsminderung erhöht werden. Dies geschieht durch eine Buchung im Soll des Kontos „Wareneingang“ und im Haben des Kontos „Waren“.

Buchungssatz bei einer Bestandsminderung: Wareneingang an Waren
Die Formel für den Wareneinsatz lautet in diesem Fall:
Wareneingang
+ Bestandsminderung
= Wareneinsatz
Nach dieser Korrekturbuchung weist das Konto „Wareneingang“ den tatsächlichen Wareneinsatz des Geschäftsjahres aus, der dann in die Gewinn- und Verlustrechnung überführt wird.
Vertiefung: Bestandsorientierte Methode (Skontrationsmethode) in der Praxis
Während die aufwandsorientierte Buchung oft für die finanzielle Rechnungslegung genutzt wird, findet sich das Prinzip der bestandsorientierten Erfassung häufig in der operativen Lagerverwaltung, beispielsweise im Rahmen des Bestellpunktverfahrens. Dieses Verfahren ist eine Methode der Bestellmengenplanung, die darauf abzielt, den Lagerbestand so zu steuern, dass benötigte Waren oder Rohstoffe stets in ausreichender Menge verfügbar sind, ohne unnötig hohe Lagerkosten zu verursachen. Der Kern des Bestellpunktverfahrens ist die Definition eines Meldebestands (oder Bestellpunkts). Sobald der Lagerbestand diesen Meldebestand erreicht oder unterschreitet, wird eine Nachbestellung ausgelöst.
Das Bestellpunktverfahren
Das Ziel ist, Produktionsausfälle oder Lieferengpässe zu vermeiden und gleichzeitig die Lagerkapazität optimal zu nutzen. Ein wichtiger Parameter ist dabei der Sicherheitsbestand (oder Mindestbestand), das absolute Minimum, das benötigt wird, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, selbst wenn Lieferungen sich verzögern. Der Meldebestand wird so berechnet, dass er den Verbrauch während der Wiederbeschaffungszeit zuzüglich des Sicherheitsbestands abdeckt.
Meldebestand = Sicherheitsbestand + (tägliche Verbrauchsmenge × Wiederbeschaffungszeit)
Die Bestellmenge kann entweder fix (Bestellpunkt-Losgrößen-Verfahren) oder variabel, basierend auf einem angestrebten Sollbestand (Bestellpunkt-Lagerniveau-Verfahren), festgelegt werden.
Vorteile und Nachteile des Bestellpunktverfahrens (bestandsorientiertes Prinzip)
Dieses Verfahren bietet Vorteile wie hohe Flexibilität bei schwankender Nachfrage und die Sicherstellung der Lieferfähigkeit. Es ermöglicht eine optimale Lagerauslastung durch die Vermeidung von Über- und Fehlbeständen. Allerdings erfordert es auch einen hohen Verwaltungsaufwand und eine ständige Überwachung der Lagerbestände und der relevanten Kennzahlen.
| Vorteile Bestellpunktverfahren | Nachteile Bestellpunktverfahren |
|---|---|
| Optimale Lagerauslastung | Hoher Verwaltungsaufwand (bei großem Sortiment) |
| Hohe Flexibilität bei schwankender Nachfrage | Regelmäßige Prüfung der Parameter notwendig |
| Anpassung der Parameter möglich | Ständige Überwachung der Lagerbestände erforderlich |
| Sicherstellung der Produktion/Lieferfähigkeit | |
| Optimierung der Lagerkosten |
Wichtige Kennzahlen im Bestellpunktverfahren
Für die erfolgreiche Anwendung sind Kennzahlen wie Meldebestand, Bestellzeitpunkt, Bestellmengen, Lieferzeiten und Verbrauchsdaten entscheidend.
Implementierung
Die Implementierung erfordert eine genaue Bestandsaufnahme, Bedarfsermittlung, ggf. Softwareunterstützung, Schulung des Personals sowie regelmäßige Überwachung und Anpassung der Parameter.
Unterschied zum Bestellrhythmusverfahren
Im Gegensatz zum bestandsorientierten Bestellpunktverfahren, bei dem der Bestellzeitpunkt vom Lagerbestand abhängt, ist das Bestellrhythmusverfahren terminorientiert. Hier wird zu festen Zeitpunkten bestellt, unabhängig vom aktuellen Bestand (solange dieser nicht unter den Sicherheitsbestand fällt). Dies eignet sich eher für Unternehmen mit sehr gleichmäßigem Bedarf.
Zusammenfassender Vergleich
| Merkmal | Bestandsorientierte Buchung | Aufwandsorientierte Buchung |
|---|---|---|
| Erfassung | Fortlaufende Erfassung jeder Bestandsbewegung | Erfassung von Wareneinkäufen als Aufwand; Bestandsanpassung nur am Periodenende |
| Hauptkonto(en) | Bestandskonto(en) (Waren) im Fokus | Getrennte Konten: Waren (Bestand), Wareneingang (Aufwand), Erlöse (Ertrag) |
| Inventur | Permanente Inventur möglich (Buchbestand = Istbestand) | Körperliche Inventur am Periodenende zur Ermittlung des Schlussbestands erforderlich |
| Wareneinsatz | Wird laufend oder am Ende über Bestandsveränderung ermittelt | Wird am Periodenende über Bestandsveränderung auf Wareneingangskonto ermittelt |
| Komplexität | Hoher administrativer Aufwand bei vielen Bewegungen | Oft einfacher in der laufenden Buchhaltung |
| Anwendung (Buchhaltung) | Seltener in der Finanzbuchhaltung großer Handelsbetriebe | Standardverfahren in der Finanzbuchhaltung großer Handelsbetriebe (Bruttomethode) |
| Anwendung (Lager) | Prinzip findet sich in Lagersteuerungssystemen (z.B. Bestellpunktverfahren) |
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Hauptunterschied zwischen bestandsorientierter und aufwandsorientierter Buchung?
Der Hauptunterschied liegt im Zeitpunkt und der Art der Erfassung. Bei der bestandsorientierten Methode wird jede Warenbewegung laufend auf Bestandskonten erfasst. Bei der aufwandsorientierten Methode werden Wareneinkäufe zunächst als Aufwand gebucht und der tatsächliche Verbrauch (Wareneinsatz) erst am Periodenende über eine Bestandsanpassung ermittelt.
Warum werden bei der aufwandsorientierten Buchung drei Konten verwendet?
Die Trennung in die Konten „Waren“ (Bestand), „Wareneingang“ (Aufwand) und „Erlöse“ (Ertrag) dient der besseren Übersichtlichkeit und der Einhaltung des Saldierungsverbots. Sie ermöglicht eine klare Trennung zwischen Vermögen (Warenbestand) und Erfolg (Wareneinsatz und Erlöse) und ist Grundlage für die Bruttomethode des Jahresabschlusses.
Was bedeutet Bestandsveränderung und wie wird sie gebucht?
Die Bestandsveränderung ist die Differenz zwischen dem Warenanfangsbestand und dem Warenschlussbestand. Eine Bestandsmehrung erhöht den Bestand und mindert den Wareneinsatz (Buchung: Waren an Wareneingang). Eine Bestandsminderung verringert den Bestand und erhöht den Wareneinsatz (Buchung: Wareneingang an Waren).
Was ist das Bestellpunktverfahren und gehört es zur bestands- oder aufwandsorientierten Methode?
Das Bestellpunktverfahren ist eine Methode der Lagersteuerung, die auf dem Prinzip der bestandsorientierten Erfassung basiert. Es löst Bestellungen aus, sobald der Lagerbestand einen definierten Meldebestand erreicht. Es ist ein operatives Werkzeug, das das Prinzip der bestandsorientierten Überwachung nutzt, auch wenn die Finanzbuchhaltung aufwandsorientiert erfolgt.
Warum ist die Bruttomethode beim Abschluss der Warenkonten in Deutschland vorgeschrieben?
Die Bruttomethode entspricht dem Saldierungsverbot des § 246 Abs. 2 HGB, das die Verrechnung von Aufwendungen und Erträgen untersagt. Sie sorgt für mehr Klarheit und Transparenz in der Gewinn- und Verlustrechnung, indem sie Wareneinsatz und Erlöse separat ausweist.
Ist die bestandsorientierte Buchung in der Finanzbuchhaltung unüblich?
Ja, in großen Handelsbetrieben mit hohem Warenumschlag ist die aufwandsorientierte Buchung aufgrund des geringeren laufenden Buchungsaufwands üblicher. Die bestandsorientierte Methode wird eher für die interne Lagerverwaltung oder in Unternehmen mit geringem Warenumschlag verwendet.
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